Freitag, 27. Juni 2014

Deutsch für Ösen


Es ist We-Em, und zum Thema "Fußball und Deutsch" hat die WDR-Maus ja schon so ziemlich alles gesagt, was zu sagen ist. Wer das entsprechende Video nicht kennt, klickt einfach auf den Link unten.
Deshalb tue ich mir da gar nichts an und liefere stattdessen zwei Blüten, die sich mir zufällig zum Pflücken angeboten haben.

Die erste hat mit dem Unterschied zwischen Deutsch und Österreichisch zu tun und führt uns auf einem gewundenen Pfad zu einer unerwarteten Subtilität.
Wie man weiß, ist in Österreich ja oft gewesen worden, wo man in Deutschland stattdessen gehabt hätte: Die einen sind gestanden, der andere hat gestanden (hätte er in Österreich gestanden, so hätte er es endlich zugegeben, vielleicht auch im Sitzen). Wir sind gesessen, die Deutschen haben gesessen, was uns nur passiert, wenn wir gestanden haben anstand standhaft zu dementieren. Der deutsche Bruder hat getorkelt, wir sind getorkelt (z.B. heimwärts).
So weit, so klar: In Österreich sagt man es mit "sein" schöner. 

Nun ist mir kürzlich eine Frage untergekommen, die auf den ersten Blick klar schien: Sagt man "ich bin geschwankt" oder "ich habe geschwankt"? Selbstverständlich "bin" ich geschwankt, weil ich mir mal wieder einen zu viel genehmigt hatte.
Doch wie liegen die Dinge, wenn ich mir unsicher war, mich nicht entscheiden konnte, kurz: wenn ich nüchtern war, aber im Wigl-Wogl?

Mir scheint, dann "habe" ich geschwankt, nämlich im übertragenen Sinn, während ich im wörtlichen Sinn da stand wie ein Zinnsoldat.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mir gefällt das: dass die Sprache über die Hilfszeitwörter eine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen stofflicher und metaphorischer Bedeutung liefert. Schön wie ein Sommermärchen!

Die andere Blüte hat kürzlich auf dem Dunghaufen eines Kunden ihr Häuptlein gereckt. Wir alle haben schon viele ähnliche gepflückt, aber trotzdem soll diese nicht unbemerkt verwelken: Es war einmal ein Brief, in dem wurden Kunden über eine Neuerung unterrichtet. Natürlich wurde nicht alles anders, deshalb gab es in dem Brief zwei Absätze: einen zum Thema "das bleibt gleich" und einen zum Thema "das wird anders". In der 6. Korrekturrunde wurde ein Punkt von "das wird anders" nach "das bleibt gleich" verschoben. Denn es ging um einen Sachverhalt, der sich ändern wird. Deshalb sollte er nicht unter "das wird anders" stehen, denn das, so unser Kunde, ergäbe keinen Sinn. Viel einleuchtender ist es doch, die Änderung als Kontinuität zu verkaufen.
Was das für die WM heißt, weiß ich nicht. Aber ich hatte zehn Euro, die sagen, dass Deutschland Weltmeister wird.


Freitag, 6. Juni 2014

Mir doch


Soll man einen Bart tragen? Keine Ahnung. Dabei ist die Frage ja virulent wie selten, wenn auch neu gewendet. Denn einst hängte (nicht: hing! – ein typisches Beispiel für ein stark gebeugtes Verb, das ein schwach gebeugtes Faktitivum mitbringt) man sich einen Bart um, wollte man etwas verhüllen. Heute hängt hingegen alles am Bart, womit auch die Frage erledigt ist, ob Frau Wursts Triumph für die Geschichte der Toleranz oder der Musik von größerer Bedeutung sein wird.

Denn so ein Bart ist ja eine recht spezielle Angelegenheit. Eine Gesichtswächte, die man sich wachsen oder, wie es ja heißt: stehen lassen kann. So als wäre das Antlitz flächendeckend bebartet und man rasierte Nase, Augenpartie etc., während man die Haare am Kinn unbehelligt ließe. Quasi die Tarn-Superkraft des Y-Chromosoms. Allerdings ist diese ungleich verteilt. Während z.B. mein Vater sich nur kurz vom Spiegel wegdrehen muss, und schon hat er Koteletten wie Captain Onedin (falls sich noch wer erinnert), ermangeln meine Follikel vergleichbarer Leistungsbereitschaft. Es schiene aber übertrieben, spräche man von einem Talent zum Bartwuchs. Zumindest aus der Sicht eines Menschen, dem diese Gabe fehlt.

Die Hauptfrage, die der Bart aufwirft, lautet ja immer: Ist er ein Feature oder ein Bug? Mancher gibt sich viel Mühe mit der Gesichtsgestaltung und schnitzt sich feinziselierte Ornamente auf die Backe, andere lassen dem Wildwuchs freien Lauf. Doch beiden gemein ist die Unklarheit, worum es geht: Schönheit? Faulheit? Funktion? Ich weiß ja nicht, ob ein Bart im Winter wärmt oder im Sommer kühlt. Ich beobachte aber auch keinen Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Filzpappenfrequenz. Funktion können wir also vergessen, Faulheit auch, denn so ein Bart ist unangenehm, wenn er noch nicht die gute Länge erreicht hat, und gepflegt will er auch sein. Da ist regelmäßiger Kahlschlag bequemer.

Bleibt also nur die Schönheit. Für alle Anhänger der Maxime, dass die Form der Funktion untergeordnet sei, ist ein Bart leider immer eine ästhetische Fehlleistung. Denn einer unmittelbaren Funktion ermangelt er ja, es sei denn als Rotzbremse, was aber nur den Schnauzer rechtfertigt. Mit dem Bart nicht zu verwechseln sind die Barten der einschlägigen Wale, mit denen diese Krebschen aus dem Wasser filtern. Das geht aber nur mit Barten, nicht mit Bärten. Schon Karl Kraus setzte daher den Bart von (ich glaube) Hermann Broch mit jener Sorte architektonischer Ornamentik in eins, der Adolf Loos den Garaus zu machen bestrebt war. Für Bauhaus-Anhänger ist damit der Griff zur Klinge Pflicht. Beziehungsweise: Wer Crocs trägt, lässt sich auch einen Bart wachsen.

Für feminin Gegenderte und Kunstfiguren gelten bestimmt eigene Regeln, die uns nur nicht geläufig sind. Dass Conchitas Bartpracht sich großen Teils handwerklicher Geschicklichkeit verdankt, macht ihn noch nicht zum Kunstwerk, aber vielleicht zum Kunsthandwerk. Oder hat dieser Witz auch schon wieder einen Bart?

Freitag, 23. Mai 2014

Probeweise geschrieben


Am Freitag schreibe ich, was ich will. Und heute ist, wie der deutsche Bruder sagt, Rosinenkackertag. Macht euch also darauf gefasst, dass gleich nichts folgt, was euch weiterbringt. Außer natürlich die raren Vögel, die gelegentlich was zu schreiben haben und mir dabei eine Freude machen wollen.

Es geht nämlich, und jetzt geniere ich mich ein kleinwenig, um die Frage, ob man offensichtliche Adverbien adjektivisch (genauer: attributiv, aber dazu gleich) verwenden darf bzw. soll. Da war schon ein ganz typisches: das bzw.

Aber beginnen wir am Anfang. Jeder kennt Adjektive, zumindest vom Hallosagen. Grün, schnell, mühsam oder schoaf – alles ganz klar Adjektive. Nun sind Adjektive vielseitige kleine Kerlchen, die unterschiedliche Planstellen im Satz besetzen können. 

"Der frühe Vogel fängt den Wurm" zeigt uns "frühe" in attributiver Verwendung, zu erfragen mit "wie?", nämlich "wie ist der Vogel?". 

"Das Schmusi ist blau" – hier ist "blau" Teil des Prädikats, welches aus "ist" und "blau" besteht ("ist", die sog. Kopula, gilt i.d.R. nicht als vollständiges Prädikat, außer im existenziellen Sinn, weshalb Heidegger das Verb "wesen" erfand). 

"Der Kunde redet schnell" – die adverbielle Verwendung. Die ist leicht zu erkennen, weil "schnell" das Verb näher bestimmt, uns also etwas über das Reden mitteilt und nicht über den Kunden (jedenfalls nicht in erster Linie).

So weit, so gut: Es gibt Adjektive, und die können unterschiedlich verwendet werden, auch adverbiell.

Es gibt aber auch die Wortart Adverb. Adverbien werden – eh klar – in der Regel adverbiell verwendet. D.h. sie berichten uns keine Einzelheiten über Substantive, sondern über Verben oder ganze Sätze – darüber, wo, warum oder wann etwas geschieht (hier, dort, oben, trotzdem, deshalb, damals, später, vorgestern ...). In den meisten Fällen gibt es dazu auch nichts Erhebliches zu melden.

Interessant wird es bei den Modaladverbien, die etwas über die Art und Weise verraten, auf die etwas geschieht, sowie bei den sogenannten sprecherbezogenen Adverbien: Diese bringen eine Stellungnahme des Sprechers zum Satz, wie etwa "glücklicherweise", "leider", "vermutlich".

Mit dem Suffix "-weise" lassen sich solche Adverbien erzeugen wie Kinderlächeln mit Hilfe kleiner Schweinchen: "leihweise", "teilweise", "tageweise", "ansatzweise", "dummerweise" und so fort.

Jetzt kommt der schwierige Teil: Manche sind der Ansicht, es sei vollrohr o.k., wenn man solche geborenen Adverbien auch als Adjektive, nämlich attributiv, verwendet.

Es sei also nicht nur korrekt, wenn man schreibt: "Die Seele des Kreativen wird dem Kunden tageweise überlassen."

Sondern auch: "Die tageweise Überlassung der Kreativseele wird gesondert verrechnet."

(Manche trauen sich das sogar mit "schließlich": das schließliche Ende, in Analogie zum "endlichen Schluss", was aber nicht Stich hält, weil es nicht nur das Adverb "endlich" gibt, sondern auch ein Adjektiv, das genauso aussieht. Dasselbe gilt übrigens z.B. für "vermutlich".)

Wikipedia merkt dazu an, dass die Verwendung von Adverbien auf –weise als Attribut schon aus dem 19. Jahrhundert belegt ist. Da haben wir jetzt mein Dilemma vor uns:

Einerseits schlage ich mich ungern auf die Seite der präskriptiven Grammatiker, die den Status quo festschreiben, und basta.

Andererseits finde ich, dass ein Satz mit "einer ansatzweisen Einigung" einfach kacke aussieht. Wenn das einstige Adverb gebeugt wird (d.h. dass "ansatzweise" zu "ansatzweisen" mutiert), geht es noch halbwegs. Denn Adverbien werden nicht gebeugt, also gewinnt man hier den Eindruck eines Adjektivs, das vage an ein bekanntes Adverb erinnert.  Aber in der Urform "eine stufenweise Änderung" finde ich mich einfach nie zurecht: In meinem Kopf schnalzt das gemeinte Adjektiv immer zurück ins vertraute Adverb, so ähnlich wie bei den Umspringbildern, wo man den Psychiater sieht und dann plötzlich doch wieder die nackte Frau. Deshalb, sprachlicher Fortschritt hin oder her, kann ich mit solcher Verwendung einfach nichts anfangen.

Und was ist mit den Belegen aus dem 19. Jahrhundert? Die beweisen nur eines: Dass es damals auch schon Leute gegeben hat, die schlecht geschrieben. Wunderbar, die Frage ist beantwortet.
Friede, Freude, Komasaufen!

Freitag, 16. Mai 2014

Korrekturen


Nicht selten sieht sich euer Kolumnator einerseits mit der Frage konfrontiert, ob "das so richtig" sei. Andererseits habe ich läuten hören, dass Kunden anderer Teams gelegentlich den Wunsch nach "Korrekturen" äußerten, die dann, so die Gerüchte weiter, vom Team durchgeführt würden, ja sogar durchgeführt werden müssten.

Bei uns passiert das ja nie. Nicht, weil wir besser wären. Sondern, weil unsere Kunden so extrem pflegeleicht sind. Denen kann man ein Fragezeichen als Call to Action verkaufen, und sie bedanken sich noch für den Input.

Doch wie gesagt: Leider höre ich, dass das nicht überall so ist. Dies führt stante pede zu der Frage, was denn eine Korrektur eigentlich sei. 

Duden bietet die Bedeutung "Änderung" bzw. "Veränderung", und dagegen ist nichts einzuwenden: Wenn sich Korrekturen in den Jobordner schlängeln, wird bald etwas anders sein, als es bisher war. Doch die Änderung kommt im Duden erst an zweiter Stelle, und dies mit gutem Grund: Wer noch ein paar Bröserln Latein aus dem letzten Jahrhundert herübergerettet hat, der erkennt ohne Weiteres in der "Korrektur" die Wurzel "recte", was natürlich "richtig" heißt. Das ist auch die Erstbedeutung zur Rechten: "Verbesserung", "Berichtigung".

Die Korrektur, so die Nettobotschaft, stellt mithin richtig, was zuvor unrichtig war. Das bedeutet: Wenn uns via Beratung der Wunsch erreicht, das Logo möge zwei Strich nach links und eineinhalb nach unten rutschen und außerdem zehn Prozent vergrößert werden – dann ist dies nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern der sachgerechten (nämlich korrekten!) Anschauung.  Wenn ein alter Satz lautete: "Entdecken Sie zahlreiche attraktive Angebote" und nun neu lauten soll: "Viele verlockende Angebote warten auf Sie" – dann wurde nicht umgeschrieben, sondern die Welt ein Stückchen besser, weil richtiger gemacht. Wäre dem nicht so, dann könnte nicht von einer Korrektur die Rede sein. Eine Korrektur, die nichts besser macht, ist keine und hat also gar nicht stattgefunden. Eine Korrektur, die für die Qualität unerheblich oder gar schädlich ist, wäre ein schwarzes Loch der Kommunikation, das sofort bedrohlich zu wachsen begänne und uns alle zu verschlingen drohte.

Bevor jetzt wer fragt: Natürlich gilt das auch, wenn die CI ein rotes Logo auf Weiß vorsieht und der Kunde gern einen türkisen Verlauf darüber haben will. Es gilt ebenso, wenn "Sie haben viel geleistet und verdienen eine Belohnung" sich verwandeln soll in "Viel geleistet – Belohnung für Sie". Durch all diese Kleinigkeiten gewinnt Kommunikation an Qualität. Denn jede Korrektur ist immer auch eine Verbesserung, allein schon deshalb, weil ein geplagter Mensch sich hingesetzt hat, um sie abzusondern. In Ihr steckt ein Stück vom Nebenmenschen. Das sollten wir honorieren und die Anstrengung würdigen. Bitte dies zu leben.

Freitag, 9. Mai 2014

Warum Radfahren eh doof ist


So, meine Lieben. Vor einigen Wochen habe ich hieramts zum In-die-Arbeit-Radeln geladen. Nur eine einzige Tapfere hat sich gefunden, die dem Folge zu leisten bereit war. Einerseits enttäuschend, andererseits vollrohr verständlich. Denn jeder Radfahrer (und jede Radfahrerin) stellt bald fest, dass er der einzige weit und breit ist. Alles andere, was sich zu Rad tummelt, mag zwar für den Unbedarften oder selbstgefährdend optimistisch Eingestellten auf den ersten Blick wie ein Radfahrer wirken, gelegentlich sogar noch auf den zweiten oder dritten.

Es handelt sich aber stets um eine zweirädrige Monstrosität, und das ist auch kein Wunder. Die Peripatetiker um Aristoteles philosophierten im Gehen, um dabei mehr über die Welt und ihre Verfasstheit als Menschen zu erfahren. Klar, dass die Beräderung mit einer Entmenschung einhergeht, seien die Räder selbst am Automobil, am Fahrrad oder wo auch immer angebracht. Wo es um Radfahrer geht, ist der Normalfall daher immer schon die Ausnahme, weil nur du selbst normal bist.

Ist es nun Zeit zu verzweifeln? Nein. Denn auch hier hat der Wahnsinn Methode. Es gilt, den Ungeheuerlichkeiten, mit denen man Radweg oder Fahrbahn zu teilen gezwungen ist, ins Auge zu sehen und zu erkennen, mit welcher Art von Scheusal man es zu tun hat. Erkenne deinen Feind, und du weißt, wie du seiner Herr werden kannst! Hier die erste Folge meines kleinen Führers in die Welt der Anderen. 

Der böse Kobold

Er treibt jeglichen Unfug und bringt damit Fußgänger wie Autofahrer nicht nur gegen sich selbst auf, sondern auch gegen andere Radfahrer, die überhaupt nichts dafür können. Wenn du zum Beispiel einen siehst, der neben dem Radweg auf der Fahrbahn gegen die Einbahnrichtung fährt, und zwar freihändig, weil er seine Hände zum SMSen braucht: Dann hast du gerade einen kapitalen Bösen Kobold erspäht und weißt jetzt, warum du noch übernächste Woche angepöbelt wirst, wenn du korrekt bei Grün rechts abbiegst. Gegen den Kobold ist kein Kraut diesseits der Strafbarkeit gewachsen. Wenn du ihm einen Knüppel zwischen die Speichen wirfst, ist dir aber zumindest mein Verständnis sicher. Auch kostet ein Auftragsmord laut Frank Stronach nur zwei Kilo. Legen wir zusammen? 

Der Ampelzombie

Sein Fleisch ist lebendig, alle Gliedmaßen sind noch an ihm dran, doch er teilt ein wichtiges Charakteristikum mit dem Zombie: Dieser bewegt sich zwar (abgesehen vom neueren "schnellen Zombie") nur langsam schlurfend fort. Doch ist er dabei nicht etwa genauso schnell wie ein rennender Mensch, sondern sogar um das entscheidende Alzerl schneller. Philosophisch Gebildete mögen sich hier an das Schildkrötenparadoxon des Zenon von Elea erinnert fühlen: Achill kann im vollen Lauf die vorankriechende Schildkröte nicht einholen, weil er in jeder Sekunde z.B. die Distanz halbiert und sich damit dem Reptil (ja, Schildkröten sind Reptilien!) asymptotisch nähert, ohne aber jemals an ihr vorbeizuziehen.

Der Ampelzombie geht umgekehrt vor. Während man an einer roten Ampel wartet, schiebt sich der Ampelzombie im Zeitlupentempo vorbei. Dabei ist die Seite egal. Schiebt er sich rechts vorbei, dann überquert er die Kreuzung wahrscheinlich bei Rot. Nach Grünwerden der Ampel wird man alsbald auf ihn auflaufen, ihn aber nicht überholen können, weil Autoverkehr. Schiebt er sich links vorbei, dann wartet er, bis die Ampel grün wird, um sich dann im Zeitlupentempo in Bewegung zu setzen. Man könnte ihn bei Gelb rechts überholen, doch dann wäre er im Recht, wenn er einen beschimpft.

Um den Ampelzombie auszutricksen, kann man, wenn möglich, bei Rot losfahren – das kann aber ins Geld gehen. Sonst hilft nichts, außer vielleicht um wenige Autos beten. 

Fortsetzung folgt, falls gewünscht

Freitag, 25. April 2014

Tag der Arbeit oder was?


Nächste Woche feiern wir, wie männiglich bekannt, den Tag der Arbeit oder aber den Staatsfeiertag. Ich für mein Teil kann mich da ja nie entscheiden. Wie Bileams Esel stehe ich kopfwackelnd zwischen den beiden Versuchungen: Blaumachen für die Werktätigkeit? Oder für den – ähm. War da nicht irgendwas mit dem letzten Besatzungssoldaten oder so? Feiern wir den Staat, oder feiern wir die Arbeit? Oder findet es der Staat halt gut, wenn jemand arbeitet, weil Hypo Alpe Adria? Geht man am 1. Mai in die Kirche, so einem hinreichend katholisch ums Herz ist? Oder heißt es: Maiaufmarsch oder nix? Muss man heuer beichten, wenn man letztes Jahr aufmarschiert ist?

Ein Blick in die üblichen Nachschlagewerke bringt nur bedingt Klärung: Der 1. Mai heißt zwar bei uns Staatsfeiertag. Doch warum er so heißt, bleibt vage. Mit heimkehrenden Russen hat er jedenfalls nichts zu tun. Denn Staatsfeiertag war er schon seit 1919.

Für mich löst sich die Frage, was ich begehen soll, wie von selbst jedesmal so, dass ich nicht zum Maiaufmarsch gehe, dafür aber die Messe sausen lasse. Manchmal begehe ich dann auch einfach eine kleine Schandtat.

Stattdessen könnte man eine Runde spazieren gehen, was früher dadurch erleichtert wurde, dass am 1. Mai bis Mittag keine Öffis verkehrten. Mittlerweile tun sie das, weil es vielfach als unpassend empfunden wurde, zu Fuß zum Aufmarsch gehen zu müssen. Herr Vettel reist ja auch nicht im Rennwagen zum Rennen. Viel schlüssiger ist die neue Lösung, dass man während des Wien-Marathons nicht mit der Straßenbahn fahren darf, sondern – natürlich – laufen muss. Allerdings nur bis zur Laufroute. Ich vermute, dass der Marathon bei den Handynetzbetreibern beliebter ist als der 1. Mai, weil jede SMSt, sie werde sich (Genderklausel bitte im Eintrag von vor 14 Tagen nachschlagen!) wegen des blöden Marathons stark verspäten, während hingegen niemand ein Selfie vom Maiaufmarsch hochzuladen sich bemüßigt fühlt. Doch warum eigentlich nicht? Wer war eigentlich schon beim Maiaufmarsch, und wollen wir andern wirklich ins Grab gehen, ohne diesen Punkt auf unserer Bucketlist abgehakt zu haben?

Ich erkläre hiermit: Der Maiaufmarsch wird 2014 der ganz heiße Social-Scheiß, und da sind Facebook oder Twitter bloß die Spitze des Eisbergs. Richtig interessant wird es bei Foursquare. Denn wer oft genug zum Maiaufmarsch geht, wird? Genau: Bürgermeister of Rathausplatz. Also: Wir sehen uns am Donnerstag zwischen roten Nelken.

#sozialdemokratie #yolo

Freitag, 11. April 2014

Fahrt mehr Räder!


Ich würde mich gern in Mannerschnitten aufwiegen lassen. Auch eine Ballonfahrt hätte ich gern, zur Not sogar ein Wellness-Wochenende. Einen Zalando-Gutschein kann man immer brauchen. 

Wir unterbrechen die Kolumne für die Gender-Klausel: Sollte im Folgenden jeweils nur eine Genderform dargereicht werden, so dürfen sich alle anderen Genders jeweils mitgemeint fühlen. Schönen Gruß an Frau Silvia Stoller, akademische Philosophin, die fürs gendergerechte Formulieren den Unterstrich vorschlägt.

Bloß: Ich will dafür nichts bezahlen. Ich will es gewinnen: Bei "Wien radelt zur Arbeit". Und hier kommt ihr ins Spiel. Denn bei dem Bewerb kann man nur im Team teilnehmen, d.h. ich brauche eine bis drei Mitstreiterinnen, die im kommenden Monat Mai wonnig-willig in die Agentur (und wieder heim) radeln. Ich darf also hiermit herzlich einladen, sich in diese Win-Win-und-vielleicht-noch-mehr-Win-Situation hineinzukuscheln.

Warum so viele Wins? Ganz einfach: 

Radfahren macht schlau. 

Wir wachsen mit den Herausforderungen, nicht nur als Spezies, sondern auch als Individuen. Radfahren in Wien schleudert uns täglich neue Challenges entgegen, erstaunlich viele davon in Gestalt anderer Radfahrerinnen (dazu nächste Woche mehr). Dieses ständige Training hält beweglich, erzieht zum Optimismus und lässt so manche Schwierigkeit im Arbeitsalltag vergleichsweise nebbich erscheinen.

Radfahren macht schön. 

Wer sich morgens den Wind um die Nase wehen lässt, kommt besser an: durchbluteter, gestraffter, aufgeweckter. Ich selbst bin vom regelmäßigen Radfahren so unwiderstehlich geworden, dass ich einen dicken Stecken unterm Schreibtisch liegen habe, um mich der Zudringlichkeiten erwehren zu können, denen ich hier täglich ausgesetzt bin. 

Radfahren macht reich. 

Der versierten Radfahrerin fällt es leicht, einem vielversprechenden Jungerben wie zufällig vor den Bentley zu stürzen, sich von ihm wiederbeleben, entschädigen und alsbald heiraten zu lassen. Mit einem Auto geht das nicht, zu Fuß wirkt man oft ungraziös und verschreckt den angepeilten Nachwuchskapitalisten. Für alle, die aus dem Millionärsfischerinnenalter heraus sind, sind auch die Sinneseindrücke bereichernd, die U-Bahn oder Auto einfach nicht bieten können. Und nein, wir reden nicht vom Duft des Flieders, da bleiben wir realistisch. Aber Fiaker-Ammoniak hat auch was Erfrischendes. 

Und gewinnen können wir außerdem! 

Alsdann: Wer ist dabei? Weitere Informationen findet ihr hier.