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Freitag, 17. November 2023

Endlich vereint

 

Es ist, o mit Recht enttäuschte Lesehäschen, auch dies zum Kotzen: Was hat eigentlich Greta Thunberg geritten? Weiß man das, irgendwie? Dass viele Aufgeweckte sich schwer damit tun, Israels Existenzrecht anzuerkennen, ist ja leider nichts Neues. Noch auch, dass sie deshalb gern mit Wörtern wie „Kolonialmacht“ oder „Apartheid“ um sich werfen, die nichts belegen als ihre mangelnde Vertrautheit mit der handelsüblichen Bedeutung dieser Begriffe. (Merke: Wenn Angehörige einer bestimmten Ethnie in einem bestimmten Staat, der von einer anderen Ethnie regiert wird, mehr demokratische Rechte haben als in den umliegenden Staaten, die von ihrer eigenen Ethnie regiert werden, wie das bei den arabischstämmigen Israelis der Fall ist und bei den Schwarzen in Südafrika aber sowas von nicht der Fall war, dann ist Apartheid nicht das Wort, das du suchst.)

Noch ist es etwas Neues, dass die Linke sich mit Leuten auf ein Packl haut, die Juden gern tot sehen. Schon die RAF hat sich ja von palästinensischen Terroristen erklären lassen, wie man Leute in die Luft sprengt. Angesichts der Hamas haben nun auch Denkerinnen auf Wettkampfniveau wie Judith Butler gemerkt, dass sie sich in den letzten Jahren irgendwie blöd in die Ecke geschrieben haben. Einerseits ist offensichtlich, dass die Hamas eine Terrororganisation ist, für die die ärgsten Greuel eine Riesengaudi sind. Andererseits will man anscheinend nicht zugeben, dass man ideologisch aufs falsche Pferd gesetzt hat. Nun wissen die klügsten Köpfe nicht mehr, was sie eigentlich sagen sollen. Von der ZEIT nach ihrer Bewertung des Terrorangriffs der Hamas und der israelischen Reaktion darauf befragt, behauptet Butler wortreich, gefragt worden zu sein, wer die Schuld trage, und weist „bei allem Respekt“ darauf hin, dass man „alle Schäden und alle Akteure benennen“ müsse. Anscheinend hat Butler ein Rhetorikseminar bei Herbert Kickl gemacht, um endlich zu lernen, wie man nicht auf die Frage antwortet, vielleicht ergänzt durch ein Sparring mit Arming Wolf.

Und weil wir schon bei „allen Schäden und allen Akteuren sind“ und weil euer Ergebener eben kein Politiker ist, deshalb einfach mal hingerotzt: Wenn Ägypten, Jordanien und Syrien Israel nicht angegriffen hätten, dann hätte Israel den Gazastreifen im Sechstagekrieg nicht besetzt. Falls jemand unter all jenen, die den Hamas-Terror „im Kontext“ betrachtet wissen wollen und für die dieser Kontext typischerweise immer erst nach der Shoah anfängt, hier mitliest, kann er mir vielleicht erklären, warum gerade dieser Kontext nicht erheblich ist.

Aber das nur nebenbei.

Mir scheint, wenn die internationale Top-Philosophie auf dem Interviewniveau der österreichischen Innenpolitik angelangt ist, ist es Zeit für eine kleine Erholungsphase. Selbst dann, wenn sich dabei nur der Eindruck weiter verfestigt, die größte Stärke von Judith Butler sei es, den Schmäh am Dekonstruktivismus nicht verstanden zu haben.

Angesichts solcher Fehltritte darf man sich nicht wundern, wenn auch Greta Thunberg einen Schmarrn daherredet (die Witzchen über Schulstreik und so darf bitte jeder selber ergänzen). Traurig ist es aber schon, dass Murphys Gesetz selbst hier so hart reinhaut. Es gäbe so harmlose Berührungspunkte zwischen Greta und Elon Musk – die alternativen Energien, die Überzeugung, etwas bewegen zu können und zu müssen, und so weiter und so fort. Aber wo sind sie sich einig? Beim Antisemitismus. Na bravo.

Ich wünsche euch ein den Umständen entsprechendes Wochenende.

Freitag, 25. November 2022

Maul halten

Heute, liebe Lesehäschen, kommen wir nicht drumrum, da war doch was. Genau, die Fußball-WM, die sich tatsächlich manche anschauen, zumindest, bis es mit dem Advent so richtig losgeht, denn im Wettstreit der Lockungen von Punschstand und Ballkunst sieht euer Ergebener, was die österreichische Seele angeht, einen klaren Favoriten. Glücklicherweise, denn solange man noch hinschaut, sieht man eventuell nicht etwa eine sogenannte One-Love-Kapitänsbinde, sondern eine faule Ausrede für eine solche. Der Zweckdichter war zunächst mehr als geneigt, diese Binde für eine gute Sache zu halten. Denn wenn ein nicht so ganz heutiger Staat wie Katar sich für einen Haufen Schmier- und anderes Geld ein gigantisches TV-Spektakel holt, um sich zu einer echt bescheuerten Zeit auf der ganz großen Bühne besser darzustellen, als er ist, dann ist alles gut, was den PR-Gewinn am Ende geringer ausfallen lässt. So mein Kalkül.

Nach einer Diskussion mit dem Zweckdichterbalg bin ich da nicht mehr so sicher. Klar ist es löblich, den Kataris in ihre berechnete Suppe zu spucken. Die One-Love-Binde wäre aber so ziemlich der niedrigste moralische Verkehrsberuhigungshuppel, den man besteigen könnte, um dieses Ziel zu erreichen.

Denn euer Ergebener hat wenig Ahnung von Fußball. Aber es ist schon so, wie das Balg sagt: Da fahren gut bis sehr gut bis exzellent bis obszön bezahlte Spezialisten zur WM, obwohl sie alle schon seit Jahren ziemlich genau wissen konnten, unter welchen Umständen nicht nur die Vergabe zustande kam, sondern – viel schlimmer – unter welchen Umständen die Stadien errichtet wurden, in denen sie nun ihre hoch dotierten Kunststückchen aufführen.

Dort angekommen, kriegen sie plötzlich einen Moralischen und überlegen, ob sich der jeweilige Anführer die gedachte Binde umschnallen sollte. Diese ist ein Signal gegen eh alles, was der westliche Hipster nicht leiwand findet, nämlich, so Wikipedia, „gegen Ausgrenzung von LGBTQ+ Menschen [ohne den eigentlich nötigen Bindestrich, weil der nach dem + scheiße aussieht], aber auch gegen Rassismus und Antisemitismus“. Dagegen, Hackler wie Sklaven zu behandeln und reihenweise krepieren zu lassen, ist sie kein Signal. Ist sich halt nicht mehr ausgegangen.

Doch damit nicht genug: Die Fußballmillionäre haben sich dann doch gegen die Binde entschieden, weil die FIFA-Kumpane der Kataris nur allzu bereitwillig darauf hereingefallen sind und angefangen haben, wegen dem Schmarren mit gelben Karten zu wacheln.

Sie verzichten deshalb darauf, sich diese ziemlich billigen Moralpunkte zu holen, die man auch bekäme, wenn man einen Wiener Pensionisten zurechtwiese, der einem gleichgeschlechtlichen Paar hinterherpöbelt.

Stattdessen inszeniert sich zum Beispiel die Piefkeriege fotogerecht mit zugehaltenen Mündern. Dass die Herren damit weit beredter darüber Beschwerde führen, wie sie von der bösen Union aus bösem Verband und bösen Scheichs mundtot gemacht wurden als darüber, dass diese selbe Union eine ganze Menge Menschen ganz tot gemacht hat, scheint sie nicht zu kümmern. Was die Spieler da aufführen, beweist nur, dass das englische Sprichwort recht hat: You can’t have the cake and eat it. Man muss sich entscheiden, ob man moralisch am längeren Hebel sitzen oder bei der WM mitspielen will. Davon ausgenommen sind selbstverständlich die Iraner, die mit ihrer Weigerung, die Hymne zu singen, ein echtes Zeichen gegen ihr eigenes Regime gesetzt und dafür ein großes Risiko in Kauf genommen haben. Schönes Wochenende!



 

Freitag, 21. Oktober 2022

Kopf ab

 

Kürzlich, o eigenverantwortliche Lesehäschen, geriet euer Ergebener unvermutet in eine Diskussion über die Abtreibung, welches Thema dank Trumps höchstrichterlicher Hinterlassenschaft wieder gar unerquicklich aufgepoppt ist. Hierzulande gilt ja seit bald 50 Jahren die sogenannte Fristenlösung, die einen Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei stellt.

Das ist natürlich erfreulich im Sinne der Selbstbestimmung der betroffenen Frauen (sofern das überkommene binäre Konstrukt der „Frau“ in einer zeitgemäßen Diskussion überhaupt noch eine Rolle spielen darf, vielleicht sprechen wir besser von „gebärfähigen Menschen“?). Ins Grübeln kommt man aber, wenn man erfährt, dass sich in Österreich pro Jahr zwischen 12 und 20 von 1.000 „Frauen“ zu dem Eingriff entschließen, was 20.000 bis fast 40.000 Abtreibungen jährlich ergibt. Das scheinen mir angesichts der flächendeckenden Verfügbarkeit bewährter Verhütungsmittel nicht wenige zu sein. Ich weiß ja nicht, wie ihr dazu steht, aber der Zweckdichter hofft, dass Föten aus dramatischeren Gründen dran glauben müssen als „wir waren 16 und irgendwie doof“. In Deutschland, das, ohne ins Detail gehen zu wollen, in vieler Hinsicht ähnlich zivilisiert ist, sind es mit 5,6 auf 1.000 Frauen nicht einmal halb so viele, wie es in Österreich (wo keine Statistik geführt wird) mindestens sind, und es wäre vermessen, daraus zu schließen, dass die Deutschen höchstens halb so oft Sex haben. 

Nun ist so eine Abtreibung wahrscheinlich immer eine traurige Angelegenheit und ebenso wahrscheinlich viel zu oft eine, deren Klärung an der Frau hängen bleibt (beziehungsweise, damit sich niemand auf das Phallussymbol getreten fühlt, dem gebärfähigen Teil jener Menschenkombination, die gemeinsam einen Dritten hervorgebracht hat). Wie lässt sich einerseits mehr deutscher Ernst in die Überlegung bringen und andererseits der samenproduzierende Teil der Erzeugerschaft stärker in die Entscheidungsfindung einbinden? Da es, darum brauchen wir nicht herumzureden, um Leben und Tod geht, ist vielleicht dies der Ort für radikale Gedanken, womit folgender Vorschlag zu erörtern wäre:

Erstens bleiben natürlich Abtreibungen bei unmündigen Müttern, nach Vergewaltigungen und bei schwangerschaftsbedingten medizinischen Komplikationen sowieso außer Diskussion.

Zweitens aber muss in allen anderen Fällen, in denen die Schwangere sich (zweifellos schweren Herzens) für einen Abbruch entscheidet, alles Menschenmögliche unternommen werden, des Vaters (bleiben wir bei diesem handlichen, wenn auch unzeitgemäßen Begriff) habhaft zu werden. Wenn man sich seiner Person versichert hat, darf die Mutter (was soll’s) ihre Entscheidung bestätigen oder, gerne in Absprache mit ihm, revidieren. Zieht sie die Abtreibung durch, dann wird er hingerichtet. 

Nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich unmöglich scheint, den Vater aufzutreiben, ist eine Abtreibung ohne Hinrichtung (oder einen der oben erwähnten Ausnahmegründe) statthaft.

Damit stiege die Wahrscheinlichkeit, dass selbst überdurchschnittlich bescheuerte Hodenträger es sich zweimal überlegen, bevor sie „eh aufpassen“; die Geschwängerten müssten nicht alleine klarkommen (und zwar idealerweise schon, bevor es soweit ist); und der Ernst der Lage wäre allen klar.

Ich will nicht ausschließen, dass diese Lösung übers Ziel hinausschießt. Wem fällt was Besseres ein? Schönes Wochenende!

Samstag, 3. Juli 2021

Rettung

 

Heute, meine lieben Lesehäschen, heute schauen wir uns an, wann eigentlich etwas passiert und wie lange es dauert. Das ist ja nicht schwer, weil man zum Beispiel von 9 bis 12 Uhr Schule hat. Vielleicht ist man auch im Jahr 1980 geboren oder hat in der letzten Woche mit dem Training begonnen. Das sind sogenannte Temporaladverbiale, die wir gerne mit wann? erfragen. Etwa: Wann haben Sie erstmals erfahren, dass Schmid gern ÖBAG-Vorstand werden wollte? Das korrekte Temporaladverbial lautet natürlich: Dazu habe ich keine Wahrnehmung. Oder: Die ÖVP wurde am 17. April 1945 gegründet.

Dem aufmerksamen Häschen ist nicht entgangen, dass die Beispiele alle mit Präpositionen (von–bis, im, in, am) eingeleitet werden. Es gibt auch reine Temporaladverbien, die ohne Präpositionen auskommen und die man häufig gut brauchen kann: jetzt, morgen, inzwischen oder früher. Noch ein Beispiel? Na klar: Heute ist der Bezug zur katholischen Soziallehre nicht mehr so eindeutig wie damals. Das waren gleich zwei Temporaladverben in einem Satz! Nicht schlecht für Freitag.

Das ist aber noch nicht alles. Denn vielleicht ist es dir wichtig, loszuwerden, dass du nicht nur gestern fleißig warst. Vielleicht willst du vielmehr betonen, wie fleißig du warst: Gestern habe ich den ganzen Tag die Wohnung geputzt. Hier haben wir das Temporaladverb gestern und etwas anderes, nämlich den ganzen Tag. Letzteres ist ein sogenannter adverbialer Akkusativ, den es in den Geschmacksrichtungen lokal und temporal gibt:

Der Untersuchungsausschuss tagte den ganzen April.

Er hört den ganzen Weg zur Schule Musik.

Der adverbiale Akkusativ ähnelt äußerlich dem Akkusativobjekt. Man kann ihn aber nicht durch ein Pronomen ersetzen, weil Der Untersuchungsausschuss tagte mich ein Blödsinn ist. Und er bleibt ein Akkusativ, wenn wir den Satz ins Passiv stülpen:

Musik wird von ihm den ganzen Weg zur Schule gehört. Die Musik verwandelt sich vom Akkusativobjekt ins Subjekt, während der ganze Weg stur im Akkusativ verharrt wie Sobotka auf dem Posten des Vorsitzenden.

Wenn man Pech hat, stoßen einem im Leben Temporaladverbiale zu, die deutlich unangenehmer sind als das Kleben am Ausschussvorsitz oder die Reinigung der Nassräume. Dann entstehen Sätze wie: Die Dreizehnjährige wurde vor ihrem Tod vergewaltigt. Dasselbe gilt für Lokaladverbiale: Der Tatverdächtige blieb trotz mehrfacher Vorstrafen in Österreich. Manchmal gibt es sogar unangenehme Lokal- und Temporaladverbiale im selben Satz:

Die zwölfjährige, in Österreich geborene Tina wurde im Februar nach Georgien abgeschoben.

Doch halt! Hier zeigt sich, dass man auch als asylpolitischer Hardliner seinen Hölderlin nur genau lesen muss: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Wenn man die Sache recht bedenkt, tut man den unbescholtenen Mädchen ja nicht mit falsch verstandener Milde, sondern mit noch größerer Härte etwas Gutes. Mögen autochthone Eltern angesichts der Gewalttat ihre Kinder nun noch strenger dazu anhalten, spätestens um zehn zuhause zu sein, so muss man als Politiker natürlich weiter denken und sich fragen, wo „zuhause“ denn ist und wo die Kinder also zur bestimmten Zeit sein sollten, damit sie vor Missetätern sicher sind.

Hätte man nur rechtzeitig einen Grund gefunden, die ermordete Dreizehnjährige so rechtmäßig abzuschieben wie (zum Beispiel) die Zwölfjährige, dann könnte sie noch leben. Das ist die Chance für Herrn Nehammer, sich vom herzlosen Paragraphenreiter zum Retter der Unschuldigen zu reframen. Schönes Wochenende!

Freitag, 31. Mai 2019

Trunkenheit

Wieder einmal, geschätzte Häschen, wisst ihr besser als zuvor, warum ihr hier reinschaut: Weil man bisweilen informationstechnisch das Schnuffelnäschen um den entscheidenden Zentimeter weiter vorn hat. Wer hat euch vor zwei Wochen prophezeit, dass nach Kickls Phantasieuniformsjanker nichts Besseres nachkommen werde? Jawohl, euer Ergebener! Jetzt ist die Jacke weg – wie viele schöne Orden, goldene Fangschnüre und weißdergeierwasalles hätten da nicht Platz gehabt! Jetzt noch eine Spiegelbrille und eine fette Zigarre, fertig wäre der Generalissimo von der Herrengasse gewesen. Fast schade. – und was blüht uns als Nächstes? Noch mehr dunkelblaue Slimfitanzüge vom Oberwastl, da wette ich meinen neuesten Dreiteiler. Kommt der Herbst, kommt auch der Kurzkanzler wieder, so wahr ich euer Zweckdichter bin.
Nun zu einer anderen Sache: Obgedachter Beinahe-Comandante-en-Jefe – der obligate Stoppelbart war immerhin schon da – hat dem bis dahin so innig geliebten Koalitionspartner vorgehalten, jener habe sich „kalte und nüchterne Machtbesoffenheit“ anmerken lassen, während der eigene Parteifreund sich lediglich im Zustande der „Besoffenheit infolge von Alkohol“ erbötig gemacht habe, die Republik an eine russische Geldsäckin auszuverkaufen.
Zwar war selbst Kickl nicht frech genug, um noch deutlicher zu werden, aber man braucht kein Sterndeuter zu sein, um zu verstehen, dass der Schmalspurdiktator für den Redbullbruder die Vermischung des Red Bull mit Alkohol als Milderungsgrund gelten machen wollte. Im Lande des Spritzweins und des Krügels liegt es natürlich nahe, die Nähe zum Volke dadurch zu demonstrieren, dass man unter der Last der Verantwortung gelegentlich Schwäche zeigt, indem man – kein Wunder! – zur Flasche greift. Noch näher liegt es, Sebastian Kurz provozieren zu wollen, indem man ihm Nüchternheit vorhält. Nutzt’s nix, schadt’s nix: Im besten Fall gesteht Kurz im Affekt, er habe einst auf dem Rücksitz des Geilomobils dem kolumbianischen Nasenleckerli zugesprochen. Im schlechteren Fall bleibt beim schluckaffinen Teil der FPÖ-Zielgruppe hängen, dass der Oberkurze eine Spaßbremse sei, mit der man nicht einmal gemütlich einen heben kann.

Trotzdem sollte man als Innenminister wissen, dass sich ein ordentlicher Fetzen in den seltensten Fällen als Ausrede eignet, wenn man sich etwas zuschulden kommen hat lassen. Es soll sogar in der FPÖ Menschen geben, die schon einmal am eigenen Leib erfahren mussten, dass die Polizei es zum Beispiel nicht gerne sieht, wenn man fett wie ein Radierer Auto fährt. Hier zeigt sich nun eine Schwierigkeit am Politikerberuf: Die nehmen jeden. Während man als Bäcker, Hufschmied, Rechtsanwalt, Fernfahrer oder Branntweiner mit allerlei Auflagen konfrontiert ist, ohne deren Erfüllung man – im Falle des Branntweiners – niemanden abfüllen darf, gibt es leider keine Kriterien für den Erwerb einer Staatenlenkerberechtigung. Andernfalls wäre Herr Strache die seine mittlerweile vermutlich los. Gerne stellt man sich vor, wie der animierte Plausch mit der Beinaheoligarchin von einem entschiedenen Pochen an der Tür unterbrochen wird, wie die Politiklaufbahnpolizei sich Zutritt verschafft und den Damals-eh-noch-nicht-Vizekanzler „blasen lässt“. Kurze Erleichterung, dann Multiplikation des Ergebnisses mit zwei – tja, leider! – und weg ist der, hihi, Führerschein (Gruppe B, Binnenstaaten bis 10 Mio. Einwohner). Besonderen Eindruck würden solche Kontrollen hinterlassen, wenn die berittene Polizei sich dafür in den Sattel schwänge. Dies sei dem Nachfolger von Herrn Kickl zur sorgfältigen Erwägung ins Stammbuch geschrieben. Schönes Wochenende!

Freitag, 14. Dezember 2018

Wegen der Sicherheit

Als Erstes, meine lieben sicherheitsbewussten Häschen, müssen wir uns der Frage widmen, wie man überleben kann. Johann Gudenus schlägt ein nächtliches Ausgehverbot für Flüchtlinge vor, um die Lebenserwartung der Österreicherinnen und Österreicher zu heben. Dies, weil Asylwerber gerne im Schutz der Dunkelheit in Inländerwohnungen schleichen, um die Betreffenden zu schlachten, und zwar vorzugsweise mit dem Messer.

Falls das alles stimmt, wer wollte etwas dagegen sagen? Allenfalls ein boshafter Mensch, der mitbekommen hat, dass ein Inländer im Bezirk Mistelbach seine sämtlichen greisen Verwandten getötet hat und zu seiner Verteidigung nur vorbringen kann, dass er dazu eine Flinte benutzt hat und nicht etwa – weil begeisterter Waidmann – einen Hirschfänger, den Herr Gudenus als völkisch angemessene Alternative zum levantinischen Springfeitel eventuell sogar noch durchgehen lassen würde.

Als gemeinsamer Nenner der angeführten Fälle kristallisiert sich jedenfalls der zuhause sitzende Inländer heraus, womit sich die Frage aufdrängt, ob der Sache mit einer Ausgehpflicht für Inländer nicht eher gedient wäre als mit einem Ausgehverbot für Ausländer. Die Alten haben's schon gewusst, als sie die Weisheit Daheim sterben die Leut' in ein geflügeltes Wort gossen.

So, Schluss mit Politik, schließlich ist bald Weihnachten. Denn hört! Aus Häschenkreisen scholl mir nach der Behandlung des Genitivus partitivus der beinahe zahlreiche Ruf nach gleicher Auskunft über den sub- und obiectivus entgegen. Nichts lieber als das.

Erstens ist festzuhalten, dass der Genitiv der Fälle schönster, weil preziösester ist, dessen könnt ihr euch sicher sein! Fangen wir mit dem Subiectivus an, denn der ist so einfach as falling off a log, wie die Engländer in einer Redewendung sagen, für deren Bildgewalt man töten könnte. Der Genitivus subiectivus erklärt schlicht und einfach, wer das Subjekt einer Handlung ist, wer also etwas tut: Das Briefing des Kunden meint, dass der Kunde (der im Genitiv steht) uns gebrieft hat. Die Klage der Kreation drückt aus, dass die Kreation motschkert, eh klar. Der Trost des Biers ... ich denke, ihr habt verstanden, wohin das führt. Merken müsst ihr euch nur, dass der Genitivus subiectivus so heißt, weil er den Täter, das Subjekt einer Handlung einführt, selbst aber nicht das Subjekt des Satzes ist, das ja im Nominativ steht:

Der Umtrunk an der Ostbar fand nach dem Gewinn des Etats statt. Subjekt ist der Umtrunk (natürlich!), der Genitivus subiectivus liefert ein Attribut zum Objekt „Gewinn“.

Und der Genitivus obiectivus? Seinetwegen braucht ihr euch auch keine grauen Haare wachsen zu lassen. Er ist der Ausdruck des Betroffenen einer Handlung, so wie in diesem Satz. Wenn wir vom Briefing der Kreation sprechen, dann brieft die Kreation nicht (wäre ja noch schöner!), sie wird gebrieft. Der Trost der Kollegen kann allerdings sowohl ein obiectivus als auch ein subiectivus sein, je nachdem, ob du die Kollegen tröstest oder umgekehrt.

Dasselbe gilt für die Frustration des Gudenus: Vielleicht weiß er selbst nicht ein noch aus, weil die Nation nicht so richtig auf seine Ideen abfährt. Vielleicht sind aber auch wir frustriert, weil uns seine Ideen schmerzlich daran erinnern, dass jede Toleranz ihre Grenzen hat. Schönes Wochenende!

Freitag, 12. August 2016

Ohne Organisation kein Verbrechen


Heute haben wir keine Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, sondern mit Rechnen. Nämlich mit diesem Kindergartenverein Alt-Wien. Mir kommt die Geschichte vor wie die Textbeispiele, von denen Dumpfbacken immer gern berichten, dass sie die schon in der zweiten Klasse nicht kapiert haben. Nur dass diesmal ich die Dumpfbacke bin.
Einschub für alle Ferneren: Der Verein Alt-Wien betreut in rund 30 Wiener Kindergärten etwa 2.300 Kinder. Aber nicht mehr lange. Der Betreiber soll von 2009 bis 2014 6,6 Millionen Euro Fördergelder nicht für den Kindergartenbetrieb, sondern etwa zur Renovierung von Immobilien verwendet haben. Die Kindergärten werden in Kürze schließen.
So weit, so rätselhaft.
Denn ein Vollzeit-Kindergartenplatz wird mit rund € 220,- pro Monat gefördert. Sagen wir insgesamt großzügig fünf Millionen pro Jahr, denn für kleinere Kinder ist die Förderung höher. Vermutlich stellen diese Fördergelder die einzige gröbere Einnahmequelle des Vereins dar, denn welche anderen Quellen sollte es schon geben?
Für die Betreuung der 2.300 Kinder sind mindestens 135 Pädagoginnen und Pädagogen nötig, realistisch sind wohl eher 200.
Wir haben also 200 Personen, die von fünf Millionen Euro bezahlt werden. Das macht € 1.780,- brutto pro Monat, und damit haben wir schon etwas Wichtiges über Kinderbetreuung in Österreich gelernt, nämlich, dass eine Kleinkindpädagogin nicht annähernd die Hälfte dessen verdient, was die Stadt Berlin einer Volksschullehrerin als Einstiegsgehalt zugesteht. In Wirklichkeit ist es natürlich empfindlich weniger, weil die Fördermittel nicht nur für Personalkosten aufgehen.
Und die Hinterziehung? Wenn die Fördergelder über Zeit und Personal gleichmäßig abgezweigt wurden, dann fehlen pro Jahr etwa 1,1 Millionen, oder für jede Pädagogin € 5.000,-.
An diesem Punkt bin ich ratlos. Wie sorgt man dafür, dass jemand stillhält, wenn man ihr von weniger als € 1.800 brutto € 350,- vorenthält? Monat für Monat? Und das sechs Jahre lang? Chloroform? Wurden hier bereits Verstorbene auf die Gehaltsliste gesetzt? Das lässt sich doch kein Mensch gefallen, der noch bei Bewusstsein ist!
Und wenn die Gelder nicht dem Personal vorenthalten wurden, sondern zum Beispiel den Vermietern? Dann hätten die Hausverwaltungen von 30 Immobilien ein Auge zugedrückt, als ihnen € 3.000 nicht bezahlt wurden. Jeden Monat. Sechs Jahre lang.
Also, ich würde meine Hausverwaltung als recht langmütig einstufen (einer ihrer wenigen Vorzüge), aber da, Herrschaften, würde mir dann auch einmal der Exekutor den Vogel zeigen, nämlich den sogenannten Kuckuck.
Natürlich könnte das Geld zur Bezahlung von Mieten und Gehältern auch woanders hergekommen sein. Von einer Bank zum Beispiel. In dem Fall hätte ich als finanziell unkreativer Michel aber gleich einen Kredit für die Immobilien aufgenommen und die Fördergelder widmungsgemäß verwendet.
Falls die 6,6 Millionen tatsächlich hinterzogen wurden, gibt es nur ein einziges realistisches Szenario: Bei Alt-Wien hat man vorausschauend einen Drogenring, eine Müllentsorgung in New Jersey oder etwas in der Art hochgezogen, um die Hinterziehung der Fördergelder überhaupt erst vorfinanzieren zu können. Da tun sich Abgründe auf!