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Freitag, 25. Oktober 2024

Versorgt

 

Morgen, o Lesehäschen, beseelt von Patriotismus mit Augenmaß, ist Nationalfeiertag, was immer das heißen mag. Wenn man seinen Augen trauen darf, feiern wir hier weltmeisterliches Betonieren, kurzsichtige Fremdenfeindlichkeit und die Sorte Neutralität, die sich darauf verlässt, dass sich schon jemand anderer darum kümmern werde. Also alles wie immer, nur mit Kickl. Hier stellt sich vor allem die Frage, was die bessere Verballhornung für den Namen des Vielleicht-doch-nicht-gleich-Volkskanzlers sei: Neigt ihr zum Kicklchen, das zwar interessant kontrastreiche Assoziationen zum Meerschwein- und Eichhörnchen (besonders letzterem!) weckt, uns aber im Schriftbild eine geradezu bäurisch unelegante Aneinanderreihung von fünf Konsonanten aufs Auge drückt?

Oder greifen wir doch lieber zum Kickerl, das österreichische Herablassung ohne unerwünschte Niedlichkeit bietet, allerdings die Vorarlberger außen vor lässt und irgendwie nach freundschaftlicher Fußballpartie klingt?

Ich bin sicher, die Zeit wird es weisen.

Apropos „Zeit“ und „bäurisch“: Die ZEIT hat einen norddeutschen Bauern ein Jahr lang begleitet, um die Sorgen und Nöte des vielgeplagten Standes aus erster Hand zu erfahren. Dazu zählt zum Beispiel der drohende Verlust des Dieselsteuervorteils, der den Armen im Jahr um die 20.000 Euro kosten würde. Da empfindet man gleich festes Mitleid. Allerdings nur, bis man gelesen hat, dass der gute Mann allein mit seinem Hofladen 400.000 Euro Umsatz macht. Ein österreichischer ADEG-Kaufmann hat gut dreimal soviel, muss aber vom Ertrag leben, bewirtschaftet nicht außerdem 150 Hektar Land und bekommt keine 160.000 Euro EU-Förderung.

Dann liest man weiter, dass unser Bauer natürlich auch in Berlin war, um an den dortigen Protesten teilzunehmen. Und bald bekommt die Tatsache, dass Landwirte gerade noch 1 % der deutschen Bevölkerung ausmachen, einen ganz neuen Beigeschmack. Man muss sich schließlich wehren, wenn es dem kleinen, aber fleißigen Landmann politisch an den Kragen zu gehen droht. Denkt man, liest aber in einem Nebensatz, dass der kleine Landmann „mit einem Kumpel“ nicht etwa bei seiner Tante auf dem Sofa genächtigt hat und auch nicht in einem AirBnB im Wedding. Wer auf das Mercure oder so tippt, liegt auch daneben. Nein: Man kommt nicht alle Tage nach Berlin und gönnt sich auch sonst nix. Da darf es schon das Adlon sein.

Mein lieber Scholli, wie man zumindest früher in Deutschland gesagt hat, zu den Zeiten, als man auch gern Witzchen über „Kreditkartenpunks“ riss, d.h. Leute, die gern mit aufgestelltem Bunthaar auf der Straße abhingen, aber doch das Sicherheitsnetz eines international willkommenen Zahlungsmittels nicht missen wollten. Doch während man dem Kreditkartenpunk jugendliche Unbedachtheit zugute halten konnte, ist der Adlonwutbauer eine unerfreuliche Mischung aus der Gewissheit, dass einem das alles eh zusteht und der mitleidigen Herablassung, dass man jetzt doch nicht einfach von heute auf morgen alles ändern kann, wie soll denn das gehen?

Tja, und so wurschteln wir weiter, im 67. Jahr der Gemeinsamen Agrarpolitik. Schönes Wochenende!

Freitag, 11. Oktober 2024

Lebensräume

 

Willkommen zurück, o treue Lesehäschen! Die Pause war lang und reich an Erfahrungen. Zum Beispiel an jener Erfahrung, dass es in Los Angeles (und nur dort) die Supermarktkette Erewhon gibt, die erstens schweineteuer ist und dir zweitens keineswegs verspricht, dass die Sachen sonderlich köstlich seien. Vielmehr seien sie sonderlich gut für dich, was man dem Obst und Gemüse schon daran ansieht, dass die Gurken, Bananen undsoweiter aufgereiht strammstehen wie die Zinnsoldaten, sodass sich vor dem inneren Auge des Betrachters ein Berg verrottender Feldfrüchte erhebt, die leider nicht entsprochen haben. Ebenfalls sehr gut ist wahrscheinlich hydrogenated water, also mit Wasserstoff angereichertes Wasser, also wässrigeres Wasser. Noch besser ist gewiss der spanische Schinken, vorgeschnitten und eingeschweißt, dessen Kilopreis sich bei ungefähr 1.000 Euro einpendelt. Im Vergleich zu Tortillachips für 100 Euro kann man das billig oder teuer finden.

Die Zielgruppe sind, wir haben es schon angedeutet, nicht etwa Gourmets (blöd wären sie), sondern Influencer und Hipster mit mehr Kohle als Verstand.

Weit preisgünstiger als Shoppen mit Gspritzten, nämlich um die Leihgebühr der Ausrüstung zu haben, ist Schnorcheln mit Seelöwen. Solches findet ein Stück weiter statt, nämlich bei San Diego. Dortselbst gibt es eine Bucht, in der sich die Seelöwen gerne aufhalten. Ebenso wie die Hipster lassen sie den Neugierigen ganz nah an sich herankommen. Man vermutet, das liege – auch dies wie bei den Hipstern – daran, dass die Seelöwen genau wissen, wer sich in ihrem natürlichen Habitat flinker zu bewegen vermag. Anders als jene sind die Seelöwen aber in diesem Wissen umso entspannter, während viele Hipster etwas verbissen wirken auf ihrer Suche nach Produkten, die ihr Befinden weiter optimieren könnten.

Was sonst noch auffällt: Raymond Chandler hielt schon vor bald 80 Jahren fest, dass die Tür der einzige Teil eines kalifornischen Hauses sei, durch den man nicht den Fuß kriegt. Diese geringe Haltbarkeit ist mittelfristig für das Auge von großem Vorteil, denn die überwältigende Mehrheit der Behausungen ist hässlich. Es gibt hässlich in billig (mit Autowracks davor) und in teuer (mit automatischem Tor davor) sowie natürlich auch dazwischen (mit Zufahrt ohne Autowrack davor). Hässlich sind sie aber fast alle. Das durchschnittliche niederösterreichische Eigenheim wirkt im Vergleich dazu wie ein Riedelglas, das durchschnittliche Vorarlberger Eigenheim wie van Goghs „Sonnenblumen“. Man kennt die Bezeichnung McMansion für einigermaßen luxuriöse, aber ästhetisch nebbiche Anwesen (auch bekannt als starter castle). Und man kann beinahe ein bisschen Mitleid mit all den Berühmtheiten bekommen, die zweistellige Millionenbeträge für Palästchen anlegen, die genauso augenkrebsgefährlich sind, aber halt mehr davon.

Lasset uns also frohlocken ob dessen, was wir haben. Auch nach der Wahl.

Schönes Wochenende!

Freitag, 23. August 2024

Ihre Sorgen

 

Wir können uns wieder lockermachen, o endzeitbesorgte Lesehäschen. Zwar steht auf der Shortlist zum „Jugendwort des Jahres“ das Jugendwort 2012 („yolo“). Und auch „Digga“ macht sich hier unangenehm breit, ein Begriff, der mindestens seit 2005 kursiert und nie cooler war als „Oida“. Unter den hoffnungsfrohen Kandidaten, die es dann doch nicht in die Top Ten geschafft haben, dürften sich vermutlich „Bandsalat“, „Fisimatenten“ und „Droschke“ finden, die im Vergleich zu „yolo“ geradezu knackfrisch daherkommen.

Es geht aber noch schlimmer. Die Dudenredaktion informiert über Änderungen im Wortbestand des beliebten Nachschlagewerks. Dankenswerterweise sind die „Spagetti“ rausgeflogen, die mindestens so elend sind wie der „Schofför“ (den gibt es noch), sowie der „Tunfisch“, der für nichts gut war als einen halblustigen Witz.

Im Gegenzug wurde aber ein Wort wieder aufgenommen, das schon einmal gestrichen worden war. Es handelt sich um den Hackenporsche. Für alle, die das diesseits der Linie Düsseldorf – Leipzig – Breslau lesen: Ein „Hackenporsche“ ist das, was ein ordentlicher Mensch als Einkaufstrolley kennt. (Zur Erinnerung: „Hacken“ heißen jenseits der gedachten Linie die Fersen wie auch die Schuhabsätze, womit die Unnötigkeit des Wortes hinreichend belegt ist. Schließlich leisten wir uns auch verschiedene Wörter für „Auge“ und „Brille“.) Wie Die Rheinpfalz in Übereinstimmung mit der Tagesschau mitteilt, sei dieser Begriff „scherzhaft“.

Haben alle fertiggelacht? Sehr schön. Ist ja auch echt lustig, dass ein Einkaufswagerl nach einem Sportwagen benannt wird, weil, ähm, tja, weil man ihn nachzieht? Ich glaube, ja.

Aber jetzt kommt’s: Warum darf der Hackenporsche „ab jetzt wieder im Duden seine Runden drehen“, wie Die Rheinpfalz wohl ebenfalls „scherzhaft“ feststellt? Ist der Dudenredaktion ein Fehler unterlaufen? Wurde ihr Server gehackt?

Nein: Der Hackenporsche besticht deshalb in Deutschlands maßgeblichem Wörterbuch wieder mit sportlicher Straßenlage, wie ich euch scherzhaft wissen lasse, weil sich Leute darüber beschwert haben, dass er gestrichen worden war.

I shit you not: Es gibt tatsächlich auch heute Menschen, die Zeit und Lust haben, sich zu beklagen, dass ein lexikalischer Flachwitz nicht mehr quasioffiziell abgesegnet wird. Dann ist es wohl doch nicht so schlimm. Schönes, unbeschwertes Wochenende!

 

 

Freitag, 26. Juli 2024

Farbe

Es ist nun, o resignierte Lesehäschen, offiziell. Erstens ist Breakdance olympisch, Poledance aber nicht. Was bitte soll das? Ich orte hier eine höchst verwerfliche Diskriminierung von Menschen, die bei ihrer rhythmischen Gymnastik dem Ball eine Stange vorziehen, von dem lächerlichen Stäbchen mit der Stoffbahn dran ganz zu schweigen. Das ist nicht die Zukunft, die uns versprochen wurde, damals,  als alles immer besser wurde.

Weiters hat Deutsch resigniert. Es ist nämlich nicht mehr statthaft, für eine bestimmte Gruppe von Menschen das Adjektiv „farbig“ oder, auf Englisch, „colored“ zu verwenden. Dies deshalb, weil die Wörter kolonial und damit rassistisch belastet sind, da sie ursprünglich dazu dienten, die weniger geschätzten so bezeichneten Leute von den angeblich wertvolleren Farblosen und also Weißen zu unterscheiden.

So weit, so ungut. Die Lösung aber ist sonderbar. Sie lautet nämlich: „People of Color“. Das darf man vollrohr sagen, weil die „Leute von Farbe“ im Unterschied zu „Farbigen“ klarerweise nicht rassistisch sind, obwohl der eine Begriff ebenso auf die unterschiedliche Pigmentierung ihrer Haut reflektiert wie der andere.

Es dürfte hier dieselbe Logik regieren, die auch schon die „Armen“ abgeschafft und durch „Armutsbetroffene“ ersetzt hat, wie hieramts vor Jahren dargelegt. Denn es gilt jene, die bloß keine Kohle haben, von den anderen zu unterscheiden, denen diese Tatsache zu schaffen macht. Die „Reichen“ hingegen sind, wie das Wort unschwer erkennen lässt, immer schon selber schuld, da es keine „Reichtumsbetroffenen“ gibt.

Resigniert hat das Deutsche, da die „People of Color“ sich offenbar auf Deutsch nicht mehr sinnvoll und beleidigungsfrei bezeichnen lassen. „Leute mit Farbe“ ist, mit Verlaub, strunzdoof. Leute mit Farbe sind entweder Maler oder welche, denen öfters mal das Rouge auskommt.

Und die „Leute von Farbe“ sind, so wie „Leute von Geschmack“ oder „Leute von Stand“ oder gar „Leute von heute“, formulierungstechnisch dermaßen von gestern, dass man angesichts ihrer unwillkürlich nach dem Riechfläschen greift und natürlich keines findet, weil heutzutage nur noch US-Spitzensportler in Hockey und Football die segensreiche Wirkung des Riechsalzes zu schätzen wissen (ja, echt, behauptet zumindest Wikipedia). Wir begrüßen also ein neues Fremdwort und fragen uns ganz fest nicht, worin sein Sinn liegen könnte.

Schönes Wochenende



 

Freitag, 17. Mai 2024

Geprüft

 

O vielgeliebte und umfassend ge-, jedoch darob keineswegs eingebildete Lesehäschen, wir setzen unsere unregelmäßige Serie Sternstunden der Bildung fort. Dass die Zentralmatura eine wunderbare Sache ist, die alles viel besser gemacht hat, wird ja niemand bestreiten, der sich niemals mit dem Thema beschäftigt hat.

Leider steht aber noch Arbeit aus. Denn die Zentralmatura gibt es ja erstens nicht für alle Fächer, sondern nur für Deutsch, Mathe und bestimmte Fremdsprachen.

Und vor allem ist nur die schriftliche Prüfung standardisiert. Danach wartet bekanntlich der mündliche Teil. Für alle, bei denen das schon exakt genau so lange her ist wie bei eurem Ergebenen, also lange genug, um sich nicht mehr so genau erinnern zu können:

Für die schriftlichen Prüfungen gibt es bundesweit einheitliche Termine. Für die mündlichen weiß man die Terminet an manchen Schulen schon, an anderen nicht. Das wäre ja so ziemlich egal. Aber im Unterschied zur Zentralmatura hängt auch hier, wie schon all die Jahre zuvor, alles am Personal, zu dem das Zweckdichterbalg bemerkte, dass man so schwer welches findet, und wenn, dann werden sie schwanger.

Tja.

Also die mündliche Matura. Während die schriftliche Matura ganz anders läuft als früher – in Deutsch zwingend zwei Texte, nicht nur einer, Mathe unendlich viele Fragen anstatt sechs Beispiele, die man zuvor monate- und jahrelang geübt hatte wie einen dreifachen Salto mit zwei Schrauben – hat  sich im mündlichen Teil überhaupt nichts geändert. Es ist immer noch Glückssache, ob man vom Prüfer einen Stapel sorgfältig ausgearbeitete Unterlagen, nach Themen in Klarsichthüllen geordnet, überreicht bekommt. Oder ob jener es bei der Auskunft bewenden lässt, es komme eh alles.

Das ist natürlich einerseits blöd für die Betroffenen. Andererseits aber auch höchst erfreulich im Sinne der Maxime, dass man ja nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernt. Es wäre daher geradezu fahrlässig, wollte das Bildungsministerium dafür sorgen, dass es bei der Matura fair zugeht, unabhängig davon, welche Fächer man wählt (und da haben wir noch gar nicht davon gesprochen, dass man mündlich drei bis vier beliebige Fächer wählen kann, sich aber schon infolge der Aufteilung der Stundentafel in, zum Beispiel, Geschichte oder Philosophiepsychologie doch merklich weniger Stoff anzusammeln pflegt als in Mathe oder Französisch). Denn im Leben geht es bekanntlich auch nicht fair zu.

Hat man das erst einmal eingesehen, dann kann man sich als verantwortungsbewusster Mensch auch nicht mehr die Gesamtschule wünschen, die, das weiß man ja aus anderen Ländern, dazu taugt, dass herkunftsbedingte Chancengefälle abzuflachen. Denn auch wenn die Schule ein bisschen gerechter wird, bleibt die Welt ungerecht. Deshalb sollten wir der österreichischen Bildungspolitik Dank dafür wissen, dass sie davon absteht, der Jugend falsche Hoffnungen zu machen und auf der Weggabelung zwischen Gymnasium und Hauptschule beharrt.

Schönes Wochenende!

Freitag, 3. Mai 2024

Unterricht

Was „objektiv“ heißt, konnten wir ja dank dem Linzer Khevenhüller-Gymnasium bereits klären, o wissenschaftlich interessierte Lesehäschen: Wenn man nicht "ich" sagt, ist es objektiv.

Das liegt daran, dass wir so kompetent sind. Fragt sich nur, was Kompetenz eigentlich ist. Da hilft ein scharfer Blick auf die diversen Webseiten des Bildungsministeriums.

Früher, als das Wünschen auch schon für die Katz war, gab es nämlich den Deutschunterricht. Heute heißt das „Unterrichtssprache“, womit immerhin geklärt ist, dass die Schüler einst über die Beschaffenheit des Deutschen unterrichtet wurden, während heute die Sprache halt, tja, west?

Der Lehrplan für die Unterrichtssprache ist, wie alle Lehrpläne heutzutage, „kompetenzorientiert“. Man darf sich fragen, worauf die früheren Lehrpläne orientiert waren, wenn nicht auf Kompetenzen, aber man darf sich auch fragen, ob es nicht gescheiter ist, sich die Frage zu sparen.

Zu den Kompetenzen, die das – natürlich seinerseits kompetente – Lehrpersonal zu vermitteln allzeit bestrebt sein möge, zählt die Kenntnis der deutschsprachigen, insbesondere österreichischen Literatur „anhand ausgewählter Beispiele“.

Die Frage ist nur, wer die Beispiele auswählt. Das Unterrichtsministerium hält sich bedeckt. Ich täte desgleichen, denn wer heutzutage einen Kanon erstellt, hat offensichtlich mit seiner Karriere abgeschlossen. Das liegt daran, dass Auswahl leider immer auch Abwahl bedingt. Der Witz an einem Lesekanon ist es, dass man nicht alles lesen muss, sondern nur den Kanon. Da nicht nur alle Autoren, die es in den Kanon schaffen, eine Identität besitzen, sondern auch alle, die außen vor bleiben, und weil keine Identität der anderen gleicht, ist jeder Kanon nur ein Puppenstadium, dem alsbald ein Shitstormschmetterling entschlüpft, dessen Flügelschlag den Urheber aus dem Berufsbild fegt. Denn es ändern sich halt die Verhältnisse. War es in noch gut erinnerlicher Zeit progressiv, sich in einer öffentlichen Position als schwul zu outen, so gibt es heutzutage bekanntlich niemand Privilegierteren als einen Cis-Mann, egal auf wen er steht, so rückständig kann das Dorf gar nicht sein, dass der so hart diskriminiert wird wie eine Transperson in Favoriten, nee du.

Deshalb ist es verständlich, dass das Unterrichtsministerium keinen Literaturkanon herausgibt, sondern es den Lehrern überlässt, geeignete Beispiele auszuwählen. Diese sichern sich shitstormtechnisch ab, in dem sie entweder großes Gewicht auf Werke legen, die man gut als progressiv schubladisieren kann, oder – vorzugsweise – indem sie bereits pragmatisiert sind, sodass es ihnen wurscht sein kann.

Glücklicherweise sind die Kompetenzsterne, nach denen das Unterrichtsschiff steuern soll, optional, weil nämlich zu Schularbeiten und natürlich auch zur Matura immer auch Themenpakete gewählt werden können, die frei von jedem Literaturbezug sind. Womit wir auch geklärt haben, warum es „Unterrichtssprache“ heißt und nicht „Sprachunterricht“. Wäre ja noch schöner, wenn man in diesem Fach gezwungen wäre, sich mit den Hervorbringungen von Leuten auseinanderzusetzen, die davon zu leben versuchen.

Schönes Wochenende!

 



 

Freitag, 29. März 2024

1, 2, X

Emojis sind eine sehr schöne Sache, weil man sich allerlei mühsame Buchstaben damit erspart, aber wem sage ich das. Hin und wieder erfindet jemand den Trend, dass Emojis total 2021 sind (oder was halt gerade schon vorbei ist), aber alsbald zeigt sich, dass das Blödsinn ist. Kein Wunder, dass es inzwischen einige tausend gibt und noch weniger Wunder, dass es sie genderkorrekt gibt, zumindest viele davon. Es gibt in der Unicode-Diktion jeweils man, woman und person, zum Beispiel als Polizeiorgan oder detektivisch tätiges Wesen. Es gibt Leute mit Gardistenmütze, mit Brautschleier, im Superheldenkostüm und so weiter.

So richtig interessant wird es bei den Fällen, die überkommene Stereotypen in Frage stellen. Es gibt natürlich eine schwangere Frau, eine schwangere „Person“ und, klar, einen schwangeren Mann. Nach der Geburt ist es leider vorbei mit der Gleichberechtigung, denn da gibt es zwar eine Frau, die einem Baby das Fläschchen gibt, ebenso wie einen Mann und eine „Person“. Doch stillen dürfen in der Welt der Emojis nur Frauen. Kann mir das bitte jemand erklären? Vorzugsweise nicht jene Betreiberin einer einschlägigen Website, von der der Zweckdichter erfahren hat, dass auch Transfrauen (also gewesene biologische Männer) Regelbeschwerden haben können, was beim Zweckdichterbalg Empörung provoziert hat, weil die Männer den Frauen jetzt nicht einmal mehr die Regelbeschwerden lassen.

Wo waren wir? Genau. Auf der Seite "Queer Lexikon" erfährt man nicht nur den Unterschied zwischen Pan- und Omnisexualität (fun fact: man weiß es nicht genau), man wird auch alsbald belehrt, dass „biologische Männlichkeit“ nur eine „Zuschreibung“ sei, und zwar eine sehr unklare, weil ja zum Beispiel die Frage offen bleibe, ob jemand, der infolge einer Krebserkrankung keine Hoden mehr hat, noch ein biologischer Mann sei.

Nein, liebe Xenia. Das ist nicht unklar. Es gibt zwei biologische Geschlechter, und eins davon ist männlich. Dass manche Leute davon so schwer zu überzeugen sind, dass Leute, die von Berufs wegen darüber Bescheid wissen, darob ihren Lehrberuf aufgeben wie Frau Hooven in Harvard, tut dem keinen Abbruch. Und dass diese beiden biologischen Geschlechter nicht die ganze Realität des sexuellen Spektrums abbilden, macht die Dinge dazwischen nicht ebenfalls zu Geschlechtern. Orange entsteht aus der Mischung von Rot und Gelb, aber Orange ist deswegen noch keine Primärfarbe. Zwischen Meer und Land ist die Uferzone, aber wenn du absäufst, merkst du einen sehr deutlichen Unterschied zwischen einer Wiese und vielen Metern Salzwasser.

Der bedauerliche Verlust der Keimdrüsen tut dem keinen Abbruch. Wenn mir jemand die rechte Hand amputiert, bin ich danach immer noch Rechtshänder.

Was die Emojis betrifft, so sollte man da sowieso lieber nicht zu genau hinschauen. Denn der einzige Unterschied ist in den allermeisten Fällen die Frisur, wobei natürlich die Männer kurze Haare haben, die Frauen lange, und die „Personen“ einen rausgewachsenen Kurzhaarschnitt. Wenn man darüber nachdenkt, stellt man sich sehr bald die Frage, ob dieser sexistische Frisurenscheiß den Genderaufwand eigentlich wert ist und ob auch bei Emojis weniger nicht vielleicht mehr wäre. Schönes Wochenende!


 

Freitag, 23. Februar 2024

Feindliche Tierwelt

 

Im Standard, o rechenstarke Lesehäschen, war heute zu lesen, britische Behörden hätten die „größte Kokainlieferung aller Zeiten“ beschlagnahmt. Der Text brachte dann die fällige Korrektur: Es war die größte Lieferung, „die je in Großbritannien beschlagnahmt wurde“. Wie groß die nicht beschlagnahmten sind, weiß man natürlich nicht. Mit dem Kokain ist es halt so wie mit den Wölfen: Dass von 1950 bis 2020 in Europa nur 20 Angriffe von Wölfen auf Menschen nachgewiesen sind (die Tollwutfälle nicht mitgerechnet), könnte auch daran liegen, dass Wölfe im Zweifelsfall keine Spuren hinterlassen, sondern eventuell (Filmtipp) nach dem Prinzip Bones and All operieren.

Fraglich ist auch, warum so viele Filme sich an Haiangriffen auf Menschen abarbeiten, dass man ohne weiteres ein ganzes Wochenende Schwanzflossenaction bingen könnte, ohne an ein Ende zu kommen, während Wölfe mit sehr seltenen Ausnahmen höchstens eine Nebenrolle spielen. The Grey hatte zwar Liam Neeson, war aber jetzt trotzdem nicht der Burner im Vergleich zu Deep Blue Sea, dem Lieblingshaifilm eures Ergebenen. Es kann wohl kaum daran liegen, dass Haiangriffe gut zehnmal so häufig sind wie Wolfsangriffe (und immer noch dreimal so häufig, wenn man die tollwütigen Wölfe mitzählt, was aber gegenüber den Haien unfair wäre, die ja keine Tollwut bekommen können). Schließlich gibt es einerseits eine ganze Menge Filme, in denen Aliens uns Böses wollen, die noch seltener in offiziellen Statistiken auftauchen als Wölfe, andererseits aber keinen einzigen, in dessen Mittelpunkt eine Killerkuh steht (euer Ergebener freut sich natürlich über sachdienliche Häschentipps, denn seit Ticks, einem Meilenstein des Billighorrors, der sich um melonengroße Zecken drehte, scheint alles möglich). Und das, obwohl Kühe allein in den USA jährlich über 20 Menschenleben auf dem Gewissen haben, wobei sie nicht einmal bewaffnet sind, wozu in den USA schon ein bewusster Entschluss gehört. In Österreich schaffen Kühe im Schnitt nur alle fünf Jahre einen Menschen, woraus erhellt, dass unsere Kühe deutlich friedfertiger sind als die amerikanischen.

Bevor jetzt jemand mit roten Tüchern daherkommt: Mehr als die Hälfte der Problemrinder sind Kühe, nicht Stiere, was freilich auch damit zu tun haben könnte, dass Stiere oft jünger sind, wenn sie auf dem Teller landen, und daher weniger Gelegenheit haben, jemanden auf die Hörner zu nehmen. Dass Rinder mit Y-Chromosom nicht „männliche Kühe“ heißen und „weibliche Kühe“ doppelt moppelt, haben wir ja schon vor Corona geklärt, also praktisch gestern, weil die Pandemie uns ja einen gesamtgesellschaftlichen Filmriss verpasst hat, leider mit dem entsprechenden Kater seither, aber ohne lustigen Rausch davor. Vielleicht bescheren uns ja die ganz banalen Masern das nächste ungute Erwachen, wenn wir uns blöd genug anstellen. Zumindest, wenn es nach der FPÖ-„Gesundheitssprecherin“ geht. Schönes Wochenende!  

Freitag, 2. Februar 2024

Objektiv

 

Wir haben es hieramts schon mehrfach erwähnt: Manchmal kann alles so einfach sein. So haben sich über das Problem der Objektivität die klügsten Köpfe von Descartes über Kant bis zur Frankfurter Schule und noch weiter den Kopf zerbrochen. Wenn ich etwas so und so wahrnehme und verstehe, wer garantiert dann, dass du es ebenso wahrnimmst und verstehst – und zwar noch lange, ehe wir uns darüber Gedanken gemacht haben, wer „ich“ bin, wer „du“ bist und ob überhaupt einer von uns existiert?

Die Mathematiker sind diesbezüglich natürlich aus dem Schneider, und auch die Naturwissenschaftler müssen sich nur bedingt Sorgen machen. Solange sie ihre Experimente ordentlich machen, sich nicht in die DNA-Probe schneuzen und in Statistik aufgepasst haben, kommt schon was halbwegs Nachvollziehbares heraus. Oder eben nicht, dann weiß man, dass das objektiv ein Schmarrn ist.

Was aber soll man machen, wenn man sich über Moral Gedanken macht, über Kunst, Politik, Literatur und ähnlichen Schmonzes? 

Bisweilen wird hier empfohlen, sich der vielfachen Bedingtheit seiner eigenen Wahrnehmung bewusst zu werden, zu reflektieren, sich über andere Sichtweisen zu informieren, Kritiker zu Wort kommen zu lassen und so fort.

Leider ist das alles sehr mühsam, deshalb ist es umso erfreulicher, dass man es sich stattdessen gröbi machen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Zu verdanken haben wir diese Information wieder einmal dem Zweckdichterbalg, das bekanntlich in Kürze seine vorwissenschaftliche Arbeit abgeben muss. Warum das nötig ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich bescheide mich mit der Bemerkung, dass die Lehrperson, die den Kurs „Einführung in die Praxis wissenschaftlichen Arbeitens“ gehalten hat, sich als Vorbereitung offenbar die vage Erinnerung an ihr eigenes Proseminar zu diesem Thema genügen hat lassen, hach, was waren wir damals jung! Und die Note auf ein Proseminar interessiert ja eh keinen mehr, wenn man erst einmal seinen Abschluss hat.

Stimmt.

Wie auch immer: Weil „vorwissenschaftlich“ nicht etwa, wie man glauben könnte, „so wie vor der Erfindung der Wissenschaftlichkeit“ meint, sondern eher „wissenschaftsähnlich, aber halt noch nicht so ganz“, deshalb also soll die Arbeit natürlich objektiv sein. Wie macht man das also, wenn man sich die Mühen der Reflexion ersparen will? Aufgepasst, hier kommt endlich der Shortcut zur Objektivität, direkt aus den FAQ des Linzer Khevenhüller-Gymnasiums zur VWA:

Darf in einer Einleitung „ich“ bzw. „mein“ verwendet werden?

Nein, die Einleitung ist bereits Teil der wissenschaftlichen Arbeit und somit objektiv zu schreiben.

Ja, dann!

Schönes Wochenende!


Freitag, 10. November 2023

Reisen bildet

Man muss sich, o schwer geprüfte Lesehäschen, auch über die kleinen Dinge freuen. Zum Beispiel gab es unter den Facebook-Freunden eures Ergebenen nur eine einzige Person, die nach dem 7. Oktober begonnen hat, antisemitischen Dreck zu teilen. Das ist kein schlechter Schnitt, meine Lieben! Facebook wird es freilich nicht heilen. Angesichts dessen, was der Algorithmus für Werbebotschaften hält, die für mich relevant sein könnten, können wir alle noch ein bisschen trainieren, ehe es mit dem Kampf gegen die Maschinen so richtig losgeht.

Apropos: Texas ist eine Reise wert. Einzige Enttäuschung: Texas ist zwar wie die meisten Bundesstaaten ein open carry state, sodass man nur für das versteckte Tragen einer Schusswaffe eine Genehmigung braucht, die auch nicht sonderlich schwer zu bekommen ist. Trotzdem läuft niemand (außer natürlich Polizisten) mit einem Revolver am Gürtel herum. Ansonsten ist es aber so, wie man es sich vorstellt, nur mit besserem Essen. Allen, die der österreichischen Tradition anhängen, an warmen Samstagnachmittagen Fleisch in Kohle zu verwandeln und sich anschließend einzureden, man habe gerade Essen zubereitet, sei ein Besuch im texanischen Barbecue ans Herz gelegt, wo sogar Pute als saftig-zarte Köstlichkeit serviert wird. Eine weitere österreichische Tradition, die man in Texas vergeblich sucht und die keineswegs auf den Osten des Landes beschränkt ist, ist das Sudern, auch bekannt als Motschkern, Raunzen, Jammern und so weiter. Sympathisch ist auch die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Texaner die Welt in hier und anderswo einteilt. Sie findet ihren Ausdruck in der Wendung, mit der er Kontakt zu Fremden sucht: Y’all visiting from out of town? Ja, mein Bester, wir sind nicht aus der Stadt. Freilich auch nicht aus dem county, dem Bundesstaat oder überhaupt dem Kontinent. Out of town ist halt ein ähnlich dehnbarer Begriff, wie wenn dir die Stimme sagt, deine voraussichtliche Warteschleifenzeit betrage „mehr als 20 Minuten“. Je nun, es kann sich also ausgehen, ehe wir in einer Supernova verglühen. Muss aber nicht.

Irritierend wirkt eine gewisse Blindheit gegenüber globalen Sachverhalten. Dass man einen Zweieinhalbtonnen-Pickuptruck als mittelgroßes Familienauto sieht, geht dem europäischen Besucher heute nicht mehr als liebenswerte Schrulle ein. Noch seltsamer wird es im mehr oder weniger akademischen Umfeld. So bekommt man im Houston Space Center in zahlreichen Videos von Wissenschaftlern und anderen gebildeten Menschen erzählt, wie sehr der Blick von der ISS auf die Erde ihnen geholfen habe, unseren Planeten als verletzlich und schützenswert zu begreifen. Das ist erfreulich. Aber warum bringt man diese Botschaft in Räumen unters Volk, die tiefer herunterklimatisiert sind, als wir die Heizung hinaufdrehen, wenn wir uns putinbedingt eh schon die gewohnte Komforttemperatur versagen? Also Tipp: Auch bei sommerlichen Außentemperaturen Pullover einstecken, für den Fall, dass man irgendwo hineingeht. Es muss nicht unbedingt das obgedachte Space Center sein. Wenn man vom Parkplatz aus die Boeing mit dem Space Shuttle obendrauf erspäht hat, hat man das Beste eigentlich schon gesehen, vielleicht mit Ausnahme des originalen Mondlandekontrollzentrums inklusive originaler Aschenbecher, die, und das macht den Charme der Sache aus, mit fast originalen Stummeln befüllt wurden, wobei man nämlich – wer kennt sich heutzutage mit Tschicken noch aus – die Asche vergessen hat.

Schönes Wochenende!


Freitag, 28. April 2023

Zauberhaft

 

Mit den Geschlechtern wird es bekanntlich immer schwieriger. Nicht nur ist die Genderei eine heikle Geschichte, weil wir halt im Deutschen leider mit grammatischen Genera geschlagen sind, die – Überraschung! – nur bedingt etwas mit Gender oder gar Sexus zu tun haben. Als Charles III. (was ist eigentlich ein König, der noch nicht gekrönt ist? Ist der „designierter König“? Immer noch „Thronfolger“? Antwort: Er wurde mit dem Ableben der Queen automatisch König, die Krönung ist mehr so eine amtliche Stampiglie auf das Königtum), als also Charles III. bei seinem kürzlichen Deutschlandbesuch mit „Majestät“ angeredet wurde, wollte ihm gewiss niemand eine Vulva unterstellen, da kann die Majestät so weiblich sein, wie sie will.

Manchmal begegnen einem aber weibliche Wesen, wo man jetzt echt nicht damit gerechnet hätte. Feen zum Beispiel. Die kennen wir ja aus dem Märchen: aufgetakelte Tanten, von denen man sich drei Dinge wünschen darf, aber „unbegrenzte Wünsche“ zählt nicht als Wunsch. Und das sind noch die guten Feen, böse gibt es auch. Die wünschen einem dann was an, das man nicht brauchen kann, Warzen oder eine GIS-Anmeldung.

Es gibt aber noch eine dritte Sorte, wie euer Ergebener kürzlich gelernt hat: Es handelt sich um die Handlingfee. Schaut ruhig zweimal hin.

Na? Genau. Die Handlingfee erfüllt weder Wünsche noch flucht sie dir. Stattdessen musst du zahlen, nämlich die Bearbeitungsgebühr, die auf Englisch „handlingfee“ heißt. Duden hat entschieden, dass die Handlingfee, wenn sie im Deutschen als Fremdwort auftritt, weiblich ist, nämlich in Analogie zur Gebühr. Ich kann mir nicht helfen, mich dünkt das kurios. Falls euch die Handlingfee ganz normal vorkommt, solltet ihr euch von meiner Verwirrung freilich nicht beirren lassen, war ich doch jahrzehntelang überzeugt, Protegé sei sächlich (Spoiler: männlich).

Ganz auf dem Holzweg ist der Zweckdichter aber doch nicht. Denn es gibt ja noch weitere Feen wie die Greenfee, die du abdrücken musst, um in einem Golfclub zu spielen, zu dessen erlauchtem Mitgliederkreis du dich nicht zählen darfst. Laut Duden kannst du in diesem Fall ebensogut das wie die Greenfee zahlen, ehe du dich in sorgfältig ziselierter Kunstlandschaft verlustierst. Nicht zu verwechseln ist die Greenfee mit der Grünen Fee, also dem Absinth, wobei die Grüne Fee immer weiblich ist, während Greenfee ein preferred pronoun hat. Am besten erkundigst du dich im Einzelfall. Schönes Wochenende!

Freitag, 7. April 2023

Panta rhei

 

Muss man, o lebenssatte Lesehäschen, wirklich noch was über Roald Dahl schreiben?

Man kann zumindest festhalten, dass aus der Debatte eine gewisse Unbedarftheit im Umgang mit Fiktionen spricht.

Für alle, die in letzter Zeit mediengefastet haben: In neuen Ausgaben von Kinderbüchern des einschlägig mit Recht berühmten Roald Dahl mögeerinfriedenruhen wurden Dinge bereinigt, dergestalt, dass Figuren nicht mehr als „fett“ oder „hässlich“ bezeichnet werden, weil man daas heutzutage nicht mehr tut. Wo man schon dabei war, wurden Frauenfiguren aufgewertet, weil es anscheinend ehrenrührig ist, von einer Supermarktkassierin zu schreiben, wenn es doch nichts kostet, stattdessen von einer Unternehmerin zu schreiben.

Sonderbar ist daran zunächst die Ansicht, dass es heutzutage „nicht mehr akzeptabel“ sei, jemanden als fett und hässlich zu bezeichnen. Damit wird die Generation Schneeflocke zur Ära Schneeflocke. Denn wenn man in den 80ern zu jemandem hingegangen wäre und gesagt hätte: „Du bist aber fett und hässlich“, dann hätte man eine Watschen kassiert. Es war nämlich, Überraschung!, auch damals nicht akzeptabel, sondern eine bewusste Provokation, die der Autor eingebaut hatte. Möglicherweise triggert das manche Gen-Z-er hart, aber auch vor 40 Jahren gab es so etwas wie Höflichkeit.

Noch seltsamer wird es, wenn man sich fragt, wessen Ausdrucksweise hier eigentlich modernisiert wird. Schon klar, dass der Herr Dahl der Autor ist. Wenn ich aber in einem Film von Buchundregietarantino sehe, wie jemandem ein Ohr abgeschnitten wird, wäre es vorschnell, zu unterstellen, dass Herr Tarantino gern Leuten die Ohren abschneidet. Denn nicht jede Darstellung ist affirmativ. Noch wichtiger: Der Autor ist nicht mit dem Erzähler identisch. Das ist offensichtlich bei Erzählungen in der Ich-Form (wobei es damit wohl bald vorbei sein wird, weil es nicht mehr statthaft ist, sich Traumata oder Benachteiligungen zu eigen zu machen, die man nicht tatsächlich durchgemacht hat). Es ist aber auch bei jeder anderen Erzählung der Fall. Wenn Herrn Dahls Erzähler jemanden als fett und hässlich bezeichnet, sollte man zumindest in Betracht ziehen, dass der Autor einen Erzähler zu schaffen beabsichtigte, der nicht so hundertpro der Sonnenschein des Lebens ist. Dass der Erzähler nicht mit dem Autor identisch ist, war schon eine 100-jährige Binsenweisheit, als der Text geschrieben wurde.

Doch nicht nur Kinderbücher werden modernisiert, auch Romane von Agatha Christie oder Ian Fleming. Die Verantwortlichen vermuten anscheinend ein Zielpublikum, das zwar des Lesens mächtig ist, dem aber jegliches Bewusstsein dafür abgeht, dass sich die Zeiten ändern. In der Spatzenpost gab es früher (apropos: gibt es eigentlich die Spatzenpost noch?) die Rubrik  Wie es früher war – wie es heute ist. Da lernte man zum Beispiel, dass der Opa noch mit langen Eschenholzschiern und nur einem Stecken am Berg zugange war und dass zwischen jenem Zustand und unseren damaligen Kästle samt Dachstein-Vollplastikbock der Fortschritt lag. Wenn der James Bond der 60er Jahre eine Ansicht über „persons of color“ (sagt man noch so?) äußert, die ein ordentlicher Mensch heute nicht mehr äußern würde, erkennt man daran in erster Linie, dass das schon ziemlich lange her ist. Es sei denn, man macht sich nicht klar, dass manche Dinge schon länger her sind als andere. Wer die Maßstäbe der Gegenwart an Artefakte der Vergangenheit anlegt, hat es nicht mehr weit zur Geschichtsvergessenheit. Und was mit Leuten geschieht, die vergessen, was schon war, wissen wir (zumindest einstweilen noch): Sie sind verurteilt, es zu wiederholen. Schönes Wochenende!

 

Freitag, 24. März 2023

Rock around the Pölten

 

Was ist das für ein fröhliches Schraddeln auf heftig verstärkten Gitarren? Wer drischt da so enthusiastisch auf die Kettledrum ein? Warum dieses Jubilieren vom tiefsten Kellerlokal bis zu den höchsten Bergesgipfeln?

Es liegt an der guten Nachricht, o teure Lesehäschen, als welche da lautet: Endlich mehr Rock’n’Roll in der Politik, nämlich in der niederösterreichischen Landespolitik! Deshalb freuen sich Lederjackenträger und Gitarreros von Nenzing bis Neusiedl. Wer aber bringt das Feeling ins Landhaus? Unsere vielgeliebte FPÖ, that’s who! Es ist nämlich, falls ich eure Erinnerung da mal eben auffrischen darf, so: Wenn eine Rockband, also so eine richtig erfolgreiche Rockband von der Sorte, die nicht mehr in einem ehemaligen Feuerwehrbus mit fast noch gültigem Pickerl unterwegs ist, sondern in einem rollenden Sündenpfuhl, dem ein vielköpfiger Sattelschlepperkonvoi vorauseilt, wenn die also auf Tour geht, kommt sie irgendwann am Orte des nächsten Gigs an. Dort will man es halbwegs kuschelig haben, also je nach Gusto dieses Pulver, aber nicht jenes, Groupies von dieser Cupgröße, aber jene weniger, sowas halt. 

Die entsprechenden Vorlieben schreibt man als Rockband auf einen Zettel, den sogenannten tour rider. Natürlich will man keine Enttäuschungen erleben, wenn man dann irgendwann nach stattgehabtem Abhotten auf der Bühne das Groupiekästchen öffnet, sondern man will prickelnde Vorfreude! Zwecks ungetrübten Genusses derselben verstecken g’feanzte Bands in ihrem rider kleine Fallen für die Verantwortlichen, sodass sie schon gleich beim ersten Grobverwüsten der Garderobe feststellen können, ob auf die Betreffenden Verlass ist. Van Halen zum Beispiel sind bekannt dafür, dass ihr rider eine Schüssel voller M&M’s stipulierte, die wohlgemerkt Schokolinsen jeder Farbe enthalten durfte, aber keine braunen. Spaß beiseite: Die Band baute den Naschtest natürlich nicht wegen Groupiebrüsten ein, sondern weil sie sehr große und schwere Scheinwerfer verwendete. Und wenn ein Veranstalteraschenputtel es nicht einmal schaffte, brav die braunen M&M’s auszusortieren, dann wollte man ihm als Rockstar schon gar nicht sein Leben anvertrauen in betreffs der Frage, ob die zentnerschweren Scheinwerfer über den Köpfen der Band ordentlich befestigt waren.

Ähnliches ist offensichtlich in St. Pölten über die Bühne gegangen. Im Übereinkommen von ÖVP und FPÖ stehen so lustige Sachen wie ein Verzicht auf die Bewerbung von Impfkampagnen oder die Förderung von Schnitzel, nicht aber von Pizza. Natürlich meint das niemand ernst. Man kann ja nicht vom Partner verlangen, dass er sich zu einer Gefährdung des Wahlvolks verpflichtet. Das wäre ein noch viel aufgelegterer Blödsinn als eine Abneigung gegen braune M&M’s (wobei, wie halten es die Blauen eigentlich mit braunen M&M’s?). Es kann also nur darum gehen, dass die FPÖ Angst hat, ihr könnte im St. Pöltner Landhaus irgendwas auf den Kopf fallen. Und um sich der Sorgfalt der ÖVP zu versichern, hat sie diese Sachen reingeschrieben, um zu checken, ob Mikl-Leitner das eh genau gelesen hat.

Die gute Nachricht ist daher, dass die FPÖ den Rock’n’Roll liebt. Die schlechte freilich, dass Mikl-Leitner versagt hat und deshalb Van Halen nie in St. Pölten spielen werden. Es kann sich jetzt nur noch um Stunden handeln, bis Udo Landbauer die Geschichte auflöst und sich aus der Partnerschaft mit einem derart schlamperten Gegenüber enttäuscht verabschiedet. Schönes Wochenende!

Freitag, 17. März 2023

Stillos

Der Bundeskanzler hat, o zungenfertige Lesehäschen, etwas gehalten, das heute für eine Rede durchgeht. Schon sein Vorgänger hat ja, wie hieramts beobachtet, gerne mit einer Rhetorik geglänzt, die sich im Mangel daran erschöpfte.

Einst jedoch war ein Politiker, der nicht reden konnte, kein solcher, und das galt bis in durchaus erinnerliche Zeiten. Von Churchills „we shall fight on the beaches“ über JFKs “ick bin äin Bärlina” zu Clintons “it’s the economy, stupid” wurde mit Worten entscheidend gepunktet.

Man konnte dafür auf ein Arsenal von Stilmitteln und Methoden zurückgreifen, das spätestens seit Quintilians Institution oratoria erschöpfend erfasst und kodifiziert war und dessen sich natürlich nicht nur Politiker bedienten, sondern alle, die in der Überzeugungsbranche zu tun hatten. Euer Ergebener erinnert sich an den Vortrag eines weitbeschreiten Werbeexperten, der vor vielen Jahren die Geheimnisse seiner Zunft auch in Wien kundtat. Zur Enttäuschung des Zweckdichters gab er nichts anderes zum Besten als eine Kurzfassung der quintilianischen Lehren, umformuliert im Werbesprech der Nullerjahre, mit einschlägigen Beispielen illustriert und natürlich ohne Quellenangabe.

Der Kanzler hingegen zeigt sich als guter Österreicher und gibt sich in seiner rhetorischen Nackerbatzligkeit jünger, als er ist. Früher nämlich lernte man Deutsch viel von Literatur. Heute befasst sich die Jugend stattdessen mit einer Reihe von „Textsorten“, die es zu unterscheiden und beherrschen gilt. Warum es so erstrebenswert ist, einen „Leserbrief“ oder einen „Blogeintrag“ verfassen zu können, wenn man darauf überhaupt und vielleicht nie mehr im Leben Lust hat, bleibe dahingestellt. Eine besonders beliebte Textsorte ist die sogenannte Meinungsrede, die so heißt, damit man sie nicht mit anderen Redearten verwechsle, in denen keiner Meinung Ausdruck verliehen wird. Da drängen sich zum Beispiel die Ansichtsrede, die Mirwurschtrede oder die Heiligsprechungsrede auf.

Interessanterweise gibt es, wenn man der Gewährsperson eures Ergebenen, nämlich dem Zweckdichterbalg, Glauben schenken darf, genau ein Stilmittel, das im heutigen Deutschunterricht gelehrt und auf dessen Verwendung in der Meinungsrede Wert gelegt wird. (Bevor wir weiterschreiten: Keine Ahnung, wie viele Quintilian unterscheidet, aber jedenfalls deutlich mehr als 100).)

Dieses Stilmittel, das einzige, das heutigen Schülern an die Hand gegeben wird, um Zuhörer leichter von ihrer Meinung zu überzeugen, ist die sogenannte Wippe. Die Wippe funktioniert wie die gleichnamige Installation auf dem Spielplatz, wenn diese nicht ordentlich funktioniert. Gedacht wäre sie so, dass man sich selbst leicht macht (o ich ungebildeter Schüler, wie kann ich mich nur erfrechen …), sodass die p.t. Zuhörerschaft sich umso gewichtiger fühlen darf (… vor so gebildeten Menschen wie Ihnen meine unmaßgebliche Meinung auszubreiten, die wie folgt lautet). Wer schon einmal eine echte Wippe benützt hat, erkennt sofort das Problem: Wenn nicht beide User ungefähr gleich schwer sind, wippt da nichts. Deshalb wird die rhetorische Wippe bald fad. Früher hieß das „Bescheidenheitstopos“ und war ein Werkzeug unter vielen. Heute ist es anscheinend das einzige. Hast du Meinung, machst du Wippe.

Außer natürlich, du bist Nehammer. Entweder war dem Kanzler klar, dass gespielte Bescheidenheit angesichts seiner Gaben und Verdienste bestenfalls durchschaut, schlimmstenfalls als Frotzelei aufgefasst würde, und hat sich daher sogar die Wippe erspart. Oder er ist geistig noch nicht in der siebten Schulstufe angekommen. Wie auch immer: Wir feiern die Erfindung der gänzlich rhetorikfreien Rede. Up next: die wertefreie SPÖ. Ach warte, die gibt’s ja schon. Aber trotzdem: Schönes Wochenende!

Freitag, 10. März 2023

Verteidigung

 

Heute, o sonst so friedfertige Lesehäschen, geht es zur Sache. Jetzt gibt es eine Abreibung, was aufs Maul, hinter die Löffel, auf die Glocke und wo sonst noch Platz ist beziehungsweise ein Hieb hinpasst wie Arsch auf Eimer, nämlich wie die Faust aufs Auge, also ganz hervorragend. Freilich nur in Notwehr, wir wollen ja niemanden angreifen. Allein zur Verteidigung erheben wir die Hand! Denn diese ist eine reine Defensivwaffe. Oder? Ehrlich gesagt: So genau vermag euer Ergebener das nicht zu sagen. Ob man jetzt eine Watschen kassiert, weil man zuvor aus heiterem Himmel jemandem die Unterhose zu den Schulterblättern gehievt hat, oder ob man einen Schwinger kassiert, weil man jemandem aus heiterem Himmel eine Watschen überreicht hat – eine Watschen ist eine Watschen, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Anscheinend ist euer Zweckdichter diesbezüglich etwas unterbelichtet. Denn allerlei Auskenner äußern einschlägige Sorgen. Zuletzt übernahm Isolde Charim im Falter die habermassche Anschauung, dass die Lieferungen des Westens an die Ukraine „von defensiven zu offensiven Waffentypen“ anwüchsen. Ich muss gestehen, dass ich da auf der Leitung stehe. Wie hält man die beiden Sorten auseinander? Ja klar, ein Raketenabwehrsystem ist defensiv. Deshalb heißt es ja auch „Abwehr“. Genauso wie ein Stecken ein Hiebabwehrsystem ist, weil ich mit ihm (entsprechendes Training vorausgesetzt) gegen mich geführte Hiebe parieren kann. Die Sache ist halt: Diese zu parierenden Hiebe führt mein Angreifer ebenfalls mit einem Stecken. Der dann wohl eine Offensivwaffe ist. Wenn ich nun irgendwo einmarschiere und die Angegriffenen Raketen auf mich abschießen, verteidige ich mich dann mit meinem Raketenabwehrsystem, oder ist es Teil meines Angriffsarsenals? Und wenn umgekehrt wer bei mir mit Panzern einmarschiert und ich meinerseits Panzer auffahren lasse, was sind das dann für welche?

Mir ist die Unterscheidung, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, so klar wie jene zwischen Blumen und Unkraut. Unkraut ist, was dir nicht taugt. Vielleicht finden es aber die Raupen extrem köstlich, ziehen sich dann eine Runde zurück, und hastdunichtgesehn, schon erfreut dich ein Schmetterling. Des einen Unkraut ist des andern Feldfrucht.

Es gibt freilich einen einfachen Ausweg, um ein für allemal zu klären, welche Waffen der Verteidigung dienen und welche nicht. Die mittelalterlichen Mönche halfen sich über die zahlreichen Fasttage hinweg, indem sie zum Beispiel den Biber ob seines schuppigen Schwanzes zum Fisch erklärten, sodass ein bisschen Abwechslung in den Speiseplan kam. Nichts liegt näher, als ein schlichtes Unterscheidungskriterium einzuführen: Wenn der Westen es der Ukraine liefert, ist es defensiv. Und schon können alle wieder ruhig schlafen, die Waffenlieferungen als „Kriegstreiberei“ sehen, wobei es in deren Reihen von Kulturschaffenden nur so wimmelt, während Leute, die aus einschlägiger Expertise ihren Lebensunterhalt ziehen, als zum Beispiel Militärs oder Konfliktforscher, hier konsequent mit Abwesenheit glänzen. Schönes Wochenende!

 

Freitag, 3. März 2023

Kunstvoll

Heute, o teure Lesehäschen, wird euch diese Kolumne gleich noch einmal so wohl munden wie sonst. Schon bei den ersten Sätzen denkt ihr euch: „Hui, das ist ja ein ganz spezieller Genuss, wie kommt es, dass unser geschätzter, aber doch schon etwas überwuzelter Zweckdichter seine Worte heute gar so fein zu setzen versteht, die Nuancen so sensibel abstimmt und mit geschmackvollen, aber dennoch treffsicheren Pointen zu überraschen versteht?“

Da müssen wir etwas weiter ausholen. Denn bekanntlich ist der Künstler nicht mehr vom Werk zu trennen. Beziehungsweise: Früher war es einem egal, ob der Künstler vom Werk zu trennen war, „Genie und Wahnsinn“ war sowieso der Freibrief für jegliche Ungustelei, da braucht man sich nur zum Beispiel Klaus Kinski anzuschauen.

Heute dagegen ist das Werk nur brauchbar, wenn der Künstler moralisch glutenfrei und unbedenklich ist. Da genügt schon ein Gout, ein Verdacht, sonst wäre Kevin Spacey ja ganz umsonst aus House of Cards geschnitten worden.

Dass wir uns den Luxus der weltanschaulichen Überprüfung nur bei der Kunst leisten, hat Harald Martenstein ja schon längst festgestellt. Denn wenn im Klo die braune Brühe knöcheltief steht und dann doch endlich der Installateur kommt (genießen wir es, so lange es noch Installateure gibt – allerdings eine Zukunftsbranche, denn es wird noch viel Scheiße durch den Kanal fließen, ehe die KI mit dem Werkzeugkoffer vor der Tür steht), dann fragen wir nicht als Erstes, was er bei der letzten Wahl angekreuzt hat. Stattdessen begrüßen wir ihn, bieten Kaffee an, lächeln über eventuelle fremdenfeindliche Witzchen – alles, damit wir wieder im Trockenen stehen können.

Nur bei der Kunst wollen wir es genauer wissen. Dahinter steht wohl die Anschauung, dass der Künstler etwas von sich selbst in sein Werk hineinlege, und wenn sein Selbst Grausliches enthält, wollen wir uns dieses nicht einverleiben.

Damit zur Erklärung warum ist die Kolumne heute nun so besonders großartig ist. Ganz einfach, meine Teuren: Euer Ergebener hat die Tage für eine Reihe über jeden Zweifel erhabener gemeinnütziger Organisationen gespendet, etliche Gendersternchen gesetzt und Hilfsbedürftige über die Straße geholfen. Auch wenn der Kunstbegriff für eure BamF gewiss hoch gegriffen ist, ist klar, dass ob der Einheit von Künstler und Werk meine gesteigerte moralische Einwandfreiheit euren gesteigerten Lektüregenuss zur Folge haben muss. Für die Zukunft sehe ich hier ein ebenso gewinnversprechendes wie ethisch erfreuliches Geschäftsfeld für Moralcoaches, die, indem sie den Künstler nettigkeitstechnisch optimieren,  sowohl dessen Marktfähigkeit als auch den Genuss des Publikums in bisher kaum vorstellbare Höhen heben werden.

Schönes Wochenende!