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Freitag, 24. Mai 2024

Junggeblieben

 

Gewiss kämpfen viele unter euch, o achtsame Lesehäschen, mit dem Gendern, auf dass sich niemand auf das nichtphallische Modeaccessoire getreten fühle. Es ist Zeit für eine Runde Frohlocken, wie uns Melisa Erkurt kundtut, ihres Zeichens Frau, die im Falter jede Woche was schreiben darf, meistens über Bildung. Diesmal klärte sie euren ergebenen, alten und weißen Mann wie folgt auf:

„Hallo, ich heiße Melisa und meine Pronomen sind she/her“ – so fangen Vorstellungsrunden im Kreise junger Menschen oft an.

Der junge Mensch im Kreise des Zweckdichters konnte dies keineswegs bestätigen, aber was soll’s. Denn:

Viele Junge schreiben ihre Pronomen auch in ihre E-Mail-Signatur, da können Sie also gern nächstes Mal hinschauen, bevor Sie jemanden mit „Liebe“ anreden, obwohl die Pronomen der Person they/them lauten.

Man KÖNNTE sich jetzt fragen, wieso man eine Person, die mit einem Pronomen im Plural angesprochen sein will, nicht mit einer Anrede im Plural anreden soll. Man könnte sich sogar fragen, ob eine Kolumnistin, die anscheinend nicht weiß, wie der Plural von „lieb“ lautet, wirklich die Anlaufstelle erster Wahl für sprachliche Fragen ist.

Vielleicht sollen wir daraus auch entnehmen, dass wir über Leute, die „they/them“ als ihre Pronomen verwendet wissen wollen, im Plural reden sollen, während wir sie aber am besten nicht anreden?

Die folgenden Behauptungen von Frau Erkurt scheinen jedenfalls unangemessen optimistisch, um nicht zu sagen: völlig aus der Luft gegriffen. 

Wenn man damit nicht so oft zu tun hat und es einen persönlich nicht betrifft, klingt es erstmal komplizierter, als es ist. Wobei, ganz so unkompliziert ist die sprachliche Umsetzung, wie manche junge Menschen dann tun, aber wiederum auch nicht, sonst würde man sich nicht mit englischen Pronomen aushelfen.

Stimmt. Wenn es wirklich einfach wäre, könnte man sagen: „Sie ist schnell Bier holen gegangen.“ Aber das wäre übergriffig und unsensibel, wo sie sich doch klar und deutlich gewünscht hat, dass wir sagen: „She ist schnell Bier holen gegangen.“ (Hoffentlich nicht zuviel, sonst wird her schlecht.)

Und da haben wir noch gar nicht davon geredet, dass die Autorin ganz andere Probleme hat als das Gendern. Zum Beispiel hilft man einander mit etwas aus. Wenn Frau Erkurt also der sprachlichen Sicherheit ermangelt, helfe ich ihr gerne aus. Wenn mir selber hingegen der eine Ausdruck nicht einfällt, behelfe ich mir mit einem anderen. 

Aber in Wahrheit ist das alles müßig, denn wer gut aufgepasst hat, hat gemerkt, dass die Gute von Einhörnern und Feen fantasiert. Zwar haben „die Jungen“ Mailadressen. Sie haben sie aber nur, weil man in unserem vorgestrigen Internet oft eine braucht, um sich für Merch oder Konzertkarten oder sowas zu registrieren, und nicht, weil sie sich davon irgendeine kommunikative Erleichterung erhoffen. Deshalb tut sich auch keiner von ihnen die Mühe an, eine Mailsignatur einzurichten. Es sei denn, er ist nicht mehr so jung, wie er tut, und/oder nonbinäre:r Aktivist:in#*.

Nächstes Mal: Wobei, was soll das eigentlich? Schönes Wochenende!

Freitag, 29. März 2024

1, 2, X

Emojis sind eine sehr schöne Sache, weil man sich allerlei mühsame Buchstaben damit erspart, aber wem sage ich das. Hin und wieder erfindet jemand den Trend, dass Emojis total 2021 sind (oder was halt gerade schon vorbei ist), aber alsbald zeigt sich, dass das Blödsinn ist. Kein Wunder, dass es inzwischen einige tausend gibt und noch weniger Wunder, dass es sie genderkorrekt gibt, zumindest viele davon. Es gibt in der Unicode-Diktion jeweils man, woman und person, zum Beispiel als Polizeiorgan oder detektivisch tätiges Wesen. Es gibt Leute mit Gardistenmütze, mit Brautschleier, im Superheldenkostüm und so weiter.

So richtig interessant wird es bei den Fällen, die überkommene Stereotypen in Frage stellen. Es gibt natürlich eine schwangere Frau, eine schwangere „Person“ und, klar, einen schwangeren Mann. Nach der Geburt ist es leider vorbei mit der Gleichberechtigung, denn da gibt es zwar eine Frau, die einem Baby das Fläschchen gibt, ebenso wie einen Mann und eine „Person“. Doch stillen dürfen in der Welt der Emojis nur Frauen. Kann mir das bitte jemand erklären? Vorzugsweise nicht jene Betreiberin einer einschlägigen Website, von der der Zweckdichter erfahren hat, dass auch Transfrauen (also gewesene biologische Männer) Regelbeschwerden haben können, was beim Zweckdichterbalg Empörung provoziert hat, weil die Männer den Frauen jetzt nicht einmal mehr die Regelbeschwerden lassen.

Wo waren wir? Genau. Auf der Seite "Queer Lexikon" erfährt man nicht nur den Unterschied zwischen Pan- und Omnisexualität (fun fact: man weiß es nicht genau), man wird auch alsbald belehrt, dass „biologische Männlichkeit“ nur eine „Zuschreibung“ sei, und zwar eine sehr unklare, weil ja zum Beispiel die Frage offen bleibe, ob jemand, der infolge einer Krebserkrankung keine Hoden mehr hat, noch ein biologischer Mann sei.

Nein, liebe Xenia. Das ist nicht unklar. Es gibt zwei biologische Geschlechter, und eins davon ist männlich. Dass manche Leute davon so schwer zu überzeugen sind, dass Leute, die von Berufs wegen darüber Bescheid wissen, darob ihren Lehrberuf aufgeben wie Frau Hooven in Harvard, tut dem keinen Abbruch. Und dass diese beiden biologischen Geschlechter nicht die ganze Realität des sexuellen Spektrums abbilden, macht die Dinge dazwischen nicht ebenfalls zu Geschlechtern. Orange entsteht aus der Mischung von Rot und Gelb, aber Orange ist deswegen noch keine Primärfarbe. Zwischen Meer und Land ist die Uferzone, aber wenn du absäufst, merkst du einen sehr deutlichen Unterschied zwischen einer Wiese und vielen Metern Salzwasser.

Der bedauerliche Verlust der Keimdrüsen tut dem keinen Abbruch. Wenn mir jemand die rechte Hand amputiert, bin ich danach immer noch Rechtshänder.

Was die Emojis betrifft, so sollte man da sowieso lieber nicht zu genau hinschauen. Denn der einzige Unterschied ist in den allermeisten Fällen die Frisur, wobei natürlich die Männer kurze Haare haben, die Frauen lange, und die „Personen“ einen rausgewachsenen Kurzhaarschnitt. Wenn man darüber nachdenkt, stellt man sich sehr bald die Frage, ob dieser sexistische Frisurenscheiß den Genderaufwand eigentlich wert ist und ob auch bei Emojis weniger nicht vielleicht mehr wäre. Schönes Wochenende!


 

Freitag, 15. März 2024

In aller Kürze

 

Es ist, o effizienzversessene Leseh., höchste Zeit, dass wir über Abk. sprechen. Bekannt ist ja das militärische Abk.-Wesen, das einerseits eindeutig sein muss und deshalb andererseits nicht immer der Mühe wert scheint. Ob mit einem „BrigKdo“ gegenüber einem Brigadekommando viel gewonnen ist, müssen gewieftere Strategen beurteilen als euer Ergebener. Doch immerhin kommen alle Buchstaben des Wortes in der Abkürzung vor, und das sogar noch in derselben Reihenfolge.

Das ist deshalb erwähnenswert, weil der Zweckdichter kürzlich von der Existenz einer Hunderasse namens „Elo“ erfuhr. (Für die jüngeren Lesehäschen: „erfahren“ ist wie „lernen“, nur ohne Anglizismus.)

Der Wikipedia-Eintrag zeigt uns sympathisch wuschlige Viecher und liefert die überraschende Information, dass der Name „Elo“ markenrechtlich geschützt ist. Außerdem lernen wir hier, dass wir über diesen Namen froh sein müssen, denn, so die beliebte Online-Enzyklopädie:

Das Elo-Zuchtprojekt begann 1987 unter dem Namen „Eloschaboro“, der auf die drei wichtigsten Ausgangsrassen – Eurasier, Bobtail und Chow-Chow – hinweisen soll.

Hä? Beziehungsweise, wie man in den besseren Ständen sagt: Wie bitte?

Wie um Himmels willen kommt man von „Eurasier Bobtail Chow-Chow“ auf „Eloschaboro“? Was haben die damals genommen? Und ist noch was davon übrig? Freilich war LSD 1987 noch dicker da als heute, wo es nur noch für hippe Microdosierer interessant zu sein scheint. Wenn jemand den Hippies erklärt hätte, dass ihr Lieblingsspaßpulver einmal vorrangig dazu dienen würde, die Geschäftstüchtigkeit von Startupfuzzys zu optimieren, hätte sich ihnen wahrscheinlich zumindest ein erstauntes „duuuuude?“ entrungen.

Soviel zu Abkürzungen, jetzt zur Langform. Trostlose Neuigkeiten gibt es von der Gendertheorie: Judith Butler wertet den Terror vom 7. Oktober als Akt des bewaffneten Widerstands und ist nicht so ganz sicher, ob die Hamas wirklich Jüdinnen vergewaltigt hat. Euer Ergebener sagt es nicht zum ersten Mal: Der Feminismus tut gut daran, von der Gendertheorie einen Sicherheitsabstand zu halten, für den ein Babyelefant nur der Anfang sein kann.

Weiters und apropos  Babyelefant freuen wir uns über ein Jubiläum, das eine Frage aufwirft, nämlich: Haben wir uns vier Jahre nach dem ersten Lockdown tatsächlich von der Pandemie verabschiedet, oder war am Mittwoch der 1474. März 2020?

Freuen wir uns auf ein Wochenende mit Freigang.

 

 



Freitag, 17. November 2023

Endlich vereint

 

Es ist, o mit Recht enttäuschte Lesehäschen, auch dies zum Kotzen: Was hat eigentlich Greta Thunberg geritten? Weiß man das, irgendwie? Dass viele Aufgeweckte sich schwer damit tun, Israels Existenzrecht anzuerkennen, ist ja leider nichts Neues. Noch auch, dass sie deshalb gern mit Wörtern wie „Kolonialmacht“ oder „Apartheid“ um sich werfen, die nichts belegen als ihre mangelnde Vertrautheit mit der handelsüblichen Bedeutung dieser Begriffe. (Merke: Wenn Angehörige einer bestimmten Ethnie in einem bestimmten Staat, der von einer anderen Ethnie regiert wird, mehr demokratische Rechte haben als in den umliegenden Staaten, die von ihrer eigenen Ethnie regiert werden, wie das bei den arabischstämmigen Israelis der Fall ist und bei den Schwarzen in Südafrika aber sowas von nicht der Fall war, dann ist Apartheid nicht das Wort, das du suchst.)

Noch ist es etwas Neues, dass die Linke sich mit Leuten auf ein Packl haut, die Juden gern tot sehen. Schon die RAF hat sich ja von palästinensischen Terroristen erklären lassen, wie man Leute in die Luft sprengt. Angesichts der Hamas haben nun auch Denkerinnen auf Wettkampfniveau wie Judith Butler gemerkt, dass sie sich in den letzten Jahren irgendwie blöd in die Ecke geschrieben haben. Einerseits ist offensichtlich, dass die Hamas eine Terrororganisation ist, für die die ärgsten Greuel eine Riesengaudi sind. Andererseits will man anscheinend nicht zugeben, dass man ideologisch aufs falsche Pferd gesetzt hat. Nun wissen die klügsten Köpfe nicht mehr, was sie eigentlich sagen sollen. Von der ZEIT nach ihrer Bewertung des Terrorangriffs der Hamas und der israelischen Reaktion darauf befragt, behauptet Butler wortreich, gefragt worden zu sein, wer die Schuld trage, und weist „bei allem Respekt“ darauf hin, dass man „alle Schäden und alle Akteure benennen“ müsse. Anscheinend hat Butler ein Rhetorikseminar bei Herbert Kickl gemacht, um endlich zu lernen, wie man nicht auf die Frage antwortet, vielleicht ergänzt durch ein Sparring mit Arming Wolf.

Und weil wir schon bei „allen Schäden und allen Akteuren sind“ und weil euer Ergebener eben kein Politiker ist, deshalb einfach mal hingerotzt: Wenn Ägypten, Jordanien und Syrien Israel nicht angegriffen hätten, dann hätte Israel den Gazastreifen im Sechstagekrieg nicht besetzt. Falls jemand unter all jenen, die den Hamas-Terror „im Kontext“ betrachtet wissen wollen und für die dieser Kontext typischerweise immer erst nach der Shoah anfängt, hier mitliest, kann er mir vielleicht erklären, warum gerade dieser Kontext nicht erheblich ist.

Aber das nur nebenbei.

Mir scheint, wenn die internationale Top-Philosophie auf dem Interviewniveau der österreichischen Innenpolitik angelangt ist, ist es Zeit für eine kleine Erholungsphase. Selbst dann, wenn sich dabei nur der Eindruck weiter verfestigt, die größte Stärke von Judith Butler sei es, den Schmäh am Dekonstruktivismus nicht verstanden zu haben.

Angesichts solcher Fehltritte darf man sich nicht wundern, wenn auch Greta Thunberg einen Schmarrn daherredet (die Witzchen über Schulstreik und so darf bitte jeder selber ergänzen). Traurig ist es aber schon, dass Murphys Gesetz selbst hier so hart reinhaut. Es gäbe so harmlose Berührungspunkte zwischen Greta und Elon Musk – die alternativen Energien, die Überzeugung, etwas bewegen zu können und zu müssen, und so weiter und so fort. Aber wo sind sie sich einig? Beim Antisemitismus. Na bravo.

Ich wünsche euch ein den Umständen entsprechendes Wochenende.

Freitag, 29. September 2023

Strohmänner töten

 

Erstens, o gesetzestreue Lesehäschen, fällt den Leuten immer wieder ein neuer Schwachsinn ein, mit dem sie ihren Nebenmenschen auf den Senkel gehen können. Euer Ergebener schlägt sich gerade mit einem Webshopbetreiber herum, bei dem er ein Ersatzteil bestellt hatte, das dann doch nicht benötigt wurde. Der Webshopbetreiber erklärte, für Bestellungen unter 50 Euro sei keine Rücknahme möglich, und verwies auf eine allerdings vage formulierte Website, auf der eine „Bagatellgrenze“ tatsächlich genannt wurde. Die Auskunft der Arbeiterkammer, dass das trotzdem Blödsinn sei, ignorierte er. Man wird sehen, wie das weitergeht.

Einstweilen kann man, wenn einem der Sinn danach steht, im Roman Männer töten (voll doppeldeutig!) von Eva Reisinger nach geschossenen Böcken suchen. Ich habe so eine Ahnung, dass man dabei fündig wird, und das nicht nur, weil sie hieramts schon das ein- oder anderemal zu Gästin war und dabei allerlei sprachlichen und (form follows function) inhaltlichen Unfug feilgeboten hat.

Sie hat anlässlich der Romanveröffentlichung auch Interviews gegeben, zum Beispiel dem Standard. Anscheinend werden in dem Buch etliche Männer recht blutrünstig umgebracht, und angeblich gibt es Leute, die doof genug sind, das zu kritisieren (Zitate solcher liefert die Autorin leider nicht), worauf sie empört erwidert: „Man sollte bedenken, wie Frauen in der Literatur seit Jahrhunderten ermordet werden. […] Bei Mord an Frauen scheint die Darstellung in Ordnung zu sein, aber sobald es um Männer geht …“.

Vor der Leistung, einen Roman zu schreiben, in dem Leute umgebracht werden, ohne offenbar jemals einen anderen gelesen zu haben, in dem das ebenfalls geschieht, kann man nur ehrfürchtig den Hut ziehen. Hand hoch, wer schon mehr als einen Krimi gelesen hat und sich nicht erinnern kann, dass darin mindestens ein Mann aufs Unschönste abgemurkst worden wäre. Jetzt bitte alle an Ferris Buellers Wirtschaftsunterricht denken: „Anyone? Anyone?“ Dachte ich mir. Zu behaupten, dass in der bisherigen Literatur (auch schon vor Agatha Christie) Männer nicht routinemäßig gewaltsam über den Jordan geschickt worden seien – auf die Idee, diesen Strohmann aufzustellen, muss man erst einmal kommen.

Danach wird eine Szene beschrieben, in der Frauen mit Bierkisten auf dem Dorfplatz sitzen, während die Schulkinder vorbeigehen. Ein Mädchen winkt seiner Mutter zu. Diese Spiegelung des Patriarchats sei interessant, wird im Interview angedeutet.

Liebe Lesehäschen, euer Zweckdichter stammt vom Land. Vielleicht läuft es dort, wo Frau Reisinger herkommt, ja anders. Aber nach meiner Erfahrung ist es generell eher unüblich, dass Leute gleich welchen Genders mit Bierkisten auf dem Dorfplatz sitzen. Wenn man dieser Szene einen genderistischen Spiegel vorhält, ist darin nichts zu sehen.

Dann fällt noch der schöne Satz: „Ich wollte damit zeigen: Sobald Männer verschwinden, beginnen alle nachzuforschen. Aber wenn Frauen im Schnitt jede zweite Woche ermordet werden, ist es kein Skandal.“ Da gibt es so ein Sprichwort, irgendwas mit Obst. Ich komme gerade nicht drauf, aber dass zwischen „nachforschen“ und „skandalisieren“ ein Unterschied besteht, auch wenn die Reisinger ihn leugnet, das weiß ich gerade noch.

Sagen wir so: Wenn ich das Geld für das blöde Ersatzteil wiederbekommen habe, lese ich vielleicht das Buch. Bis dahin lass ich mir das Interview genügen. Schönes Wochenende!


Freitag, 1. September 2023

Heiligenrevival

Wie, o algorithmusvife Lesehäschen, kommt Facebook darauf, dass euer Ergebener zu den „Die-Hard Chicago Bulls Fans“ gehören könnte? Ich weiß nicht mal, ob die Bulls Baseball oder Football spielen. Wahrscheinlich Football. 

Sieh einer an. Basketball. 

Wie auch immer: Das einstige soziale Netzwerk ist mittlerweile so vollständig zu einer grenzdebilen Werbekrake degeneriert, dass man sich ernstlich fragen muss, ob der Link zu dieser Kolumne dort noch etwas verloren hat. Es ist ja nicht so, als hätte der Zweckdichter keine ausbeutungsfähigen Interessen, zu denen man ihm konsumerleichternde Links vorschlagen könnte. Aber mit Major League Basketball hat er ungefähr so viel am Hut wie Excelprogrammierung auf Wettkampfniveau (gibt’s auch). 

Damit zum Katholizismus. Hat da jemand behauptet, dieser sei auf dem absteigenden Ast, beziehungsweise habe er, wie man in erdigeren Gegenden zu sagen pflegte, „a magers Tütte“ (eine magere Zitze), sei also jenem bedauernswerten Ferkel vergleichbar, dass im Gegensatz zu seinen Geschwistern einfach nicht gedeihen will, weil seine angestammte Milchquelle nicht ausreichend sprudelt?

Euer Ergebener hätte sich dazu hinreißen lassen, doch anscheinend schlägt das Pendel nun in die andere Richtung aus: Auf salzburg24.at wurde kürzlich über die Hochwasser berichtet. Im Text kam das Wort „Feuerwehr“ einmal vor“, „Feuerwehrleute“ überhaupt nicht, „Floriani“ hingegen gleich fünfmal. Gemeint waren damit eben die Feuerwehrler. Es hieß nicht etwa „Florianijünger“, was früher ein Ausdruck von Leuten war, die in der Volksschule verinnerlicht hatten, dass Wiederholungen schlecht und dass es daher klüger sei, ein gutes und ein doofes Wort je einmal anstatt das gute zweimal zu verwenden. Sondern einfach „Floriani“, weil die Feuerwehrleute jetzt gleich selber heilig sind. In Bälde werden wir also nicht mehr von Anglern lesen, sondern von Petri, nicht von Zahnärzten, sondern von Apolloni, und nicht mehr von Politikern, sondern von Thomassen oder Johannen, weil (Bildungsauftrag!) Thomas Morus und Jeanne d’Arc beide zu deren Schutz bereitstehen. Das wird sehr schön, zumindest, bis jemand draufkommt, dass nicht jede Religion mit Heiligen gesegnet ist. Wir werden dann so etwas wie das Gendersternäquivalent zum Heiligenschein brauchen. A propos Gender: Hier haben wir ja in den letzten Jahren schon einige Fortschritte gemacht. Doch wer nicht hier nicht auf halbem Wege stehenbleiben will, darf auch versteckte Maskulina nicht ungeschoren davonkommen lassen, hätte ich jetzt beinahe geschrieben, also: darf nicht übersehen, wo sich ein Maskulinum vor einem Suffix versteckt. . In einer bunten Gesellschaft, wo alle nach ihrer jeweiligen Fasson selig werden dürfen, ist es gewiss nicht mehr statthaft, etwa mit jemandem Freundschaft zu schließen, sondern höchstens Freund*innenschaft. Glücklicherweise brauchen wir uns daher auch keine Sorgen mehr um die Entwicklung der Wirtschaft zu machen, sondern schauen stattdessen entspannt, was mit der Wirt*nnenschaft wird. Das hängt natürlich auch davon ab, ob die Unternehmen reichlich Kund*innenschaft haben. Und so weiter. Schönes Wochenende!


Freitag, 2. Juni 2023

Tote tragen keine Sternchen

 

Es ist, o fröhlich fluide Lesehäsch:innen, mit dem Gendern leider noch nicht alles so in trockenen Tüchern,  wie man nach flüchtigen Blicken in den nächstbesten, gründlich besternten Werbebrief glauben könnte. 

Noch immer ist es nämlich angesichts bevorstehender Elternwerdung von, zum Beispiel, Geschäftspartnern gang und gäbe, scheinbar höflich zu fragen: „Was wird es denn?“ – und darauf ganz selbstverständlich eine binäre Antwort zu erwarten.

What the geschlechtsteil! möchte man da empört ausrufen, denn die korrekte Erwiderung kann natürlich nur lauten: „ein Kind“, wenn man sich nicht zur Bosheit von „ein Genderstern“ herablassen will. So werden kleine Menschen schon ins Prokrustesbett überholter Schemata gepresst, bevor sie überhaupt das Licht der Welt erblicken. Sie können halt noch nicht sagen, ob sie dysphorisch oder anderweitig nichtnormativ geprägt sind, die Bauxerln. Da muss ein Blick auf die organische Ausstattung reichen.

Auch diesbezüglich gibt es ja immer wieder heftige Reaktionen, wenn jemand behauptet, es gebe nur zwei biologische Geschlechter.

Euer Zweckdichter lädt nun recht herzlich zu einem kleinen Shitstörmchen ein: Es gibt wirklich nur zwei biologische Geschlechter. Zumindest, wenn man, wie euer Ergebener, zu der Ansicht neigt, die Anzahl derselben definiere sich dadurch, wie viele man braucht, um auf herkömmliche Weise weitere Exemplare einer Spezies hervorzubringen. Bei den Leuten sind das zwei. Klar gibt es auf biologischer Ebene allerlei mehr, und da haben wir noch gar nicht bei den Insekten vorbeigeschaut, wo sogenannte Gynandromorphen vorkommen, die der Länge nach gendergeteilt sind, sodass die linke Hälfte weiblich, die rechte männlich ist oder umgekehrt. Die Gynandromorphen klettern allerdings auf ihren sechs Beinchen hastunichtgesehen aus dem Genpool, denn fortpflanzen kann man sich mit doppelter Halbausstattung nicht.

Ob die Vielfalt zwischen männlich und weiblich aus lauter weiteren Geschlechtern besteht, ist also eine andere Frage, als: ob sie existiert (was sie natürlich tut). Die Erde hat auch nur zwei Pole. Dazwischen gibt es viel Interessantes und Erfreuliches, aber keine weiteren Pole. Möglicherweise geht es an der Sache vorbei, zu behaupten, es gebe mehr als zwei Geschlechter, nur weil es noch anderes gibt als eben diese beiden.

Am andern Ende der Lebenslaufbahn ist es übrigens nicht besser. Wenn die Deputies deine sterblichen Reste aus dem Graben ziehen, nachdem ein Nachbar dich beim Morgenspaziergang mit dem Hund gefunden hat, schaut der Sheriff auch, was bei dir organisch lost ist, und dann bist du entweder Jane oder John Doe, aber, so leid es allen Beteiligten gewiss tut, nicht Charlie oder Robin.

Trotzdem: Schönes Wochenende!

Freitag, 28. April 2023

Zauberhaft

 

Mit den Geschlechtern wird es bekanntlich immer schwieriger. Nicht nur ist die Genderei eine heikle Geschichte, weil wir halt im Deutschen leider mit grammatischen Genera geschlagen sind, die – Überraschung! – nur bedingt etwas mit Gender oder gar Sexus zu tun haben. Als Charles III. (was ist eigentlich ein König, der noch nicht gekrönt ist? Ist der „designierter König“? Immer noch „Thronfolger“? Antwort: Er wurde mit dem Ableben der Queen automatisch König, die Krönung ist mehr so eine amtliche Stampiglie auf das Königtum), als also Charles III. bei seinem kürzlichen Deutschlandbesuch mit „Majestät“ angeredet wurde, wollte ihm gewiss niemand eine Vulva unterstellen, da kann die Majestät so weiblich sein, wie sie will.

Manchmal begegnen einem aber weibliche Wesen, wo man jetzt echt nicht damit gerechnet hätte. Feen zum Beispiel. Die kennen wir ja aus dem Märchen: aufgetakelte Tanten, von denen man sich drei Dinge wünschen darf, aber „unbegrenzte Wünsche“ zählt nicht als Wunsch. Und das sind noch die guten Feen, böse gibt es auch. Die wünschen einem dann was an, das man nicht brauchen kann, Warzen oder eine GIS-Anmeldung.

Es gibt aber noch eine dritte Sorte, wie euer Ergebener kürzlich gelernt hat: Es handelt sich um die Handlingfee. Schaut ruhig zweimal hin.

Na? Genau. Die Handlingfee erfüllt weder Wünsche noch flucht sie dir. Stattdessen musst du zahlen, nämlich die Bearbeitungsgebühr, die auf Englisch „handlingfee“ heißt. Duden hat entschieden, dass die Handlingfee, wenn sie im Deutschen als Fremdwort auftritt, weiblich ist, nämlich in Analogie zur Gebühr. Ich kann mir nicht helfen, mich dünkt das kurios. Falls euch die Handlingfee ganz normal vorkommt, solltet ihr euch von meiner Verwirrung freilich nicht beirren lassen, war ich doch jahrzehntelang überzeugt, Protegé sei sächlich (Spoiler: männlich).

Ganz auf dem Holzweg ist der Zweckdichter aber doch nicht. Denn es gibt ja noch weitere Feen wie die Greenfee, die du abdrücken musst, um in einem Golfclub zu spielen, zu dessen erlauchtem Mitgliederkreis du dich nicht zählen darfst. Laut Duden kannst du in diesem Fall ebensogut das wie die Greenfee zahlen, ehe du dich in sorgfältig ziselierter Kunstlandschaft verlustierst. Nicht zu verwechseln ist die Greenfee mit der Grünen Fee, also dem Absinth, wobei die Grüne Fee immer weiblich ist, während Greenfee ein preferred pronoun hat. Am besten erkundigst du dich im Einzelfall. Schönes Wochenende!

Freitag, 27. Januar 2023

Grau in grau

Fremdwörter, o klassisch gebildete Lesehäschen sind bekanntlich Glückssache, und wer sich noch nie infisziert hat, werfe den ersten Stein.

Noch mehr Glück braucht man freilich mitunter, um nicht nur das richtige Fremdwort zu erwischen, sondern ihm auch das korrekte Geschlecht zuzuschreiben. Anders als Menschen können die meisten Wörter (also: Hauptwörter, bei den andern ist es wurscht) ihr gender nämlich nicht nach Belieben wechseln. Nur wenige haben zwei oder gar gleich alle drei grammatischen Geschlechter in der Tasche wie James Bond seine Pässe. Der/die/das bekannteste Beispiel ist wohl Joghurt, dessen Geschlecht in der Jugend eures Ergebenen bisweilen für Diskussionen sorgte (es waren Zeiten vor dem Smartphone). Tatsächlich darf man der/die/das Joghurt sagen, wie man lustig ist. Früher war, wie hieramts vor längerem bemerkt, auch Dschungel so fluid, aber mittlerweile hat die Dudenredaktion eingesehen, dass „die Dschungel“ wahrscheinlich der Scherz eines Praktikanten war, dem niemand auf die Finger geschaut hatte, und „das Dschungel“ geht jetzt auch nicht so recht ölig runter.

Aber wir waren bei den Fremdwörtern. Euer Zweckdichter hätte bis vor Kurzem beliebige Summen darauf verwettet, dass man z. B. als niederösterreichischer Landeshauptmann ein Protegé hat. Tatsächlich hat man einen Protegé, auch wenn es sich um die Hanni handelt. Auf Risotto wäre ich ebenso reingefallen, denn du lässt dir den Risotto schmecken, besonders, wenn es sich um die unschlagbare Umami-Bombe mit Thunfisch und ordentlich Grana handelt, nicht etwa das Risotto.

Beides ist leicht damit erklärt, dass weder das Französische noch das Italienische ein grammatisches Neutrum kennen, sodass Joghurt dort wohl nicht nur genau zwei Drehrichtungen, sondern auch genau zwei Geschlechter hat.

Damit zum Feedback der Woche. Es verdient unter den Feedbäcken einen Ehrenplatz, weil man als Gebrauchstextproduzent nur höchst selten so klar erfährt,  was die eigenen Erzeugnisse für den zahlenden Kunden wert sind. Das Feedback fand sich auf der linken Hälfte einer Doppelseite, die rechts mehr Text enthielt als links, und lautete „bitte mehr Text“. Nicht etwa „hier bitte noch folgende Info“ oder etwas in der Art. Gewünscht war tatsächlich nichts als eine Steigerung des Grauwerts auf der Seite.

Man bekommt Lust, sich einen Anzug anmessen zu lassen, nur damit man bei der zweiten Anprobe testen kann, wie der Schneider dreinschaut, wenn man aufs linke Hosenbein deutet und sagt „bitte mehr Stoff“. Schönes Wochenende!


 

Freitag, 4. November 2022

Verzichtunmöglich

 

Angesichts dessen, o schwer zu verblüffende Lesehäschen, was heute alles möglich ist, dass man vor einem Jahr für ausgeschlossen gehalten hätte (Putin überfällt die Ukraine, Thomas Schmid packt aus, Sobotka sitzt einem Ausschuss nicht vor), ist es umso erstaunlicher, was das Suffix (für die Nichtlateiner: Wortanhängsel) -unmöglich vorlegt: Es breitet sich aus wie das Drüsige Springkraut, das deshalb so heißt, weil es seine Samen derart weit von sich zu schleudern vermag, dass jetzt kein doofer Pornowitz folgt, sondern dass es dadurch Straßen überwinden kann, um auf der anderen Seite weiterzuwuchern.

Vor sagen wir zehn, fünfzehn Jahren gab es dieses Suffix noch gar nicht, wenn sich euer Ergebener recht entsinnt. Und heute ist es allgegenwärtig:

Was man nicht in Worte fassen kann, ist sagunmöglich. Was man nicht derglengt, ist erreichunmöglich. Was jeglicher Unbill trotzt, ist kaputtunmöglich. Wem keine Waffe etwas anhaben kann, der ist verwundunmöglich, was ihn wahrscheinlich auch so ziemlich verwechselunmöglich macht. Was einem in die Augen springt wie zwei bunte Hunde mit leuchtstiftgelben Hahnenfedern im Hintern, das ist übersehunmöglich. Und so weiter.

 

Ist natürlich alles Blödsinn, meine Lieben. So weit ich sehe, gibt es genau ein Wort, dem irgendwer irgendwann ein -unmöglich angehängt hat, nämlich denk-. Rätselhaft bleibt, warum zum Geier er (oder sie oder xie) sich das unterlaufen hat lassen. Bis dahin war das Wort denkunmöglich nämlich schlicht undenkbar.

 

Vollrohr denkbar ist hingegen, dass man ins Kino geht, um sich einen sehenswerten Film reinzupfeifen. Deshalb gibt es heute kein Feedback der Woche, nur den diesbezüglichen Hinweis, dass es nicht gerissen ist, den bestimmten Artikel zum Namensbestandteil eines Produkts zu machen und dann dessen Deklination zu verbieten. Es ist mir ausdrückschwer, aber irgendwie strauchle ich bei Formulierungen wie Aufführungen im „Das Theater“. Ist wahrscheinlich ein Geburtsfehler.

Aber zurück zum Kino und damit zu einer gemeinen Filmempfehlung. Gemein deshalb, weil der Film erst im Dezember anläuft. Euer Ergebener hat es aber erstmals im Leben zur Viennale geschafft (nicht durch eigenes Arschhochkriegen, sondern dank einem vom Zweckdichterbalg in denselben verabreichten Tritt) und kann deshalb berichten, dass Women Talking überaus sehenswert ist, ja, ein Kinobesuch ist diesfalls nachgerade unverzichtbar. Es geschieht tatsächlich kaum etwas, als dass Frauen miteinander reden. Doch worüber und wie sie reden, das sollte man sich nicht entgehen lassen. Es sei denn, man ist hart woke drauf, denn in Sachen Diversität ist der Streifen (so sagte man früher, wenn man zu cool war, um einfach „Film“ zu sagen) so ziemlich margarita (margarita sein: kaum gebräuchliche Wendung, die besagen will, dass etwas oder jemand ebensowenig drauf hat wie die gleichnamige Minimalpizza).

 

Schönes Wochenende!

Freitag, 21. Oktober 2022

Kopf ab

 

Kürzlich, o eigenverantwortliche Lesehäschen, geriet euer Ergebener unvermutet in eine Diskussion über die Abtreibung, welches Thema dank Trumps höchstrichterlicher Hinterlassenschaft wieder gar unerquicklich aufgepoppt ist. Hierzulande gilt ja seit bald 50 Jahren die sogenannte Fristenlösung, die einen Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei stellt.

Das ist natürlich erfreulich im Sinne der Selbstbestimmung der betroffenen Frauen (sofern das überkommene binäre Konstrukt der „Frau“ in einer zeitgemäßen Diskussion überhaupt noch eine Rolle spielen darf, vielleicht sprechen wir besser von „gebärfähigen Menschen“?). Ins Grübeln kommt man aber, wenn man erfährt, dass sich in Österreich pro Jahr zwischen 12 und 20 von 1.000 „Frauen“ zu dem Eingriff entschließen, was 20.000 bis fast 40.000 Abtreibungen jährlich ergibt. Das scheinen mir angesichts der flächendeckenden Verfügbarkeit bewährter Verhütungsmittel nicht wenige zu sein. Ich weiß ja nicht, wie ihr dazu steht, aber der Zweckdichter hofft, dass Föten aus dramatischeren Gründen dran glauben müssen als „wir waren 16 und irgendwie doof“. In Deutschland, das, ohne ins Detail gehen zu wollen, in vieler Hinsicht ähnlich zivilisiert ist, sind es mit 5,6 auf 1.000 Frauen nicht einmal halb so viele, wie es in Österreich (wo keine Statistik geführt wird) mindestens sind, und es wäre vermessen, daraus zu schließen, dass die Deutschen höchstens halb so oft Sex haben. 

Nun ist so eine Abtreibung wahrscheinlich immer eine traurige Angelegenheit und ebenso wahrscheinlich viel zu oft eine, deren Klärung an der Frau hängen bleibt (beziehungsweise, damit sich niemand auf das Phallussymbol getreten fühlt, dem gebärfähigen Teil jener Menschenkombination, die gemeinsam einen Dritten hervorgebracht hat). Wie lässt sich einerseits mehr deutscher Ernst in die Überlegung bringen und andererseits der samenproduzierende Teil der Erzeugerschaft stärker in die Entscheidungsfindung einbinden? Da es, darum brauchen wir nicht herumzureden, um Leben und Tod geht, ist vielleicht dies der Ort für radikale Gedanken, womit folgender Vorschlag zu erörtern wäre:

Erstens bleiben natürlich Abtreibungen bei unmündigen Müttern, nach Vergewaltigungen und bei schwangerschaftsbedingten medizinischen Komplikationen sowieso außer Diskussion.

Zweitens aber muss in allen anderen Fällen, in denen die Schwangere sich (zweifellos schweren Herzens) für einen Abbruch entscheidet, alles Menschenmögliche unternommen werden, des Vaters (bleiben wir bei diesem handlichen, wenn auch unzeitgemäßen Begriff) habhaft zu werden. Wenn man sich seiner Person versichert hat, darf die Mutter (was soll’s) ihre Entscheidung bestätigen oder, gerne in Absprache mit ihm, revidieren. Zieht sie die Abtreibung durch, dann wird er hingerichtet. 

Nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich unmöglich scheint, den Vater aufzutreiben, ist eine Abtreibung ohne Hinrichtung (oder einen der oben erwähnten Ausnahmegründe) statthaft.

Damit stiege die Wahrscheinlichkeit, dass selbst überdurchschnittlich bescheuerte Hodenträger es sich zweimal überlegen, bevor sie „eh aufpassen“; die Geschwängerten müssten nicht alleine klarkommen (und zwar idealerweise schon, bevor es soweit ist); und der Ernst der Lage wäre allen klar.

Ich will nicht ausschließen, dass diese Lösung übers Ziel hinausschießt. Wem fällt was Besseres ein? Schönes Wochenende!

Freitag, 14. Oktober 2022

Preise

 

Wir sind wieder einmal Nobel, o forschungsbegeisterte Lesehäschen! Das sorgt in der Umgebung eures Ergebenen für die eine oder andere Welle („ich hätte doch zusagen sollen, als mir der Zeilinger ein Diplomthema angeboten hat“), aber nicht nur dort. Denn die Nobelpreise sind zuwenig divers, blöd aber auch, weshalb sie in diversen Kommentaren umgehend in den Verdacht geraten, unzeitgemäß, übertreiben weiß und sonst noch was zu sein.

Bei solchen Auslassungen lässt der Zweckdichter gern die FIS-Kristallkugelgewinner der letzten zehn Jahre Revue passieren und muss feststellen, dass aktuell so genannte Persons of Color dort nicht massiv unterrepräsentiert, sondern überhaupt nicht vorhanden sind. Ganz zu schweigen davon, dass die Schiverbände sturheil am binären Geschlechterschema festhalten und den Männern die einen, den Frauen die anderen Kristallkugeln überreichen wollen, während alles dazwischen kugellos ausgeht. Schlimm ist das, und wenn man glaubt, es hätte etwas mit dem Wintersport und vielleicht mit einem bergverseuchten, schröcksnadelig vererbten Menschenbild zu tun, der betrachte im Vergleich dazu etwa den olympischen Marathon (der Männer), wo von den letzten zwölf Stockerplätzen elf an obgedachte Persons of Color gingen. Anders, aber auch nicht besser. Es ist hoch an der Zeit, dass das olympische Komitee in sich geht und vorurteilsfrei hinterfragt, ob Regeln, die eine bestimmte Menschengruppe offensichtlich derart bevorzugen, heute noch zeitgemäß sind.

Nun sollen es also im Vergleich dazu Wissenschaft und Literatur richten. Die Frage ist, ob man mit dieser Forderung eventuell vom Regen in die Traufe kommt. Denn wie man weiß, ist nur etwa jeder 500. Mensch Jude, aber so zirka jeder fünfte Nobelpreisträger. Wer also fordert, dass die Nobelpreise diverser werden müssen, fordert damit auch, dass sie weniger jüdisch werden, was man jetzt so oder so verstehen kann. Nachdem heuer schon die documenta in Sachen Antisemitismus etwas geleistet hat, was mit der amerikanischen Redewendung shat the bed am treffendsten umschrieben ist, würde ich mir als Nobelkomitee eine Weile überlegen, was da am gescheitesten ist. Wenigstens hat man mit der heurigen Preisträgerin für Literatur nicht nur eine Frau gekürt, sondern auch gleich eine Frau, die zum Beispiel im Sinne der Völkerverständigung gegen den israelisch-französischen Kulturaustausch eingetreten ist, weil das „whitewashing“ sei, wobei jetzt bitte jeder selber googlet, ob sie dabei den Gazastreifen oder vielleicht doch das Vichy-Regime im Kopf hatte.

Wo aber Diversität zum Selbstzweck wird, wächst das Achtsame auch, und zwar bisweilen, wo man es am wenigsten vermutet hätte. Früher nämlich konnte man ein Dokument schreibschützen, ehe man es weiterschickte. Der Empfänger konnte es dann öffnen und lesen, aber nicht verändern. Man hatte als Urheber die Wahl, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen oder nicht. Nun gibt es anscheinend eine dritte Option, denn als euer Ergebener neulich ein Doc öffnen wollte, poppte in einem Dialog der Satz auf: „Dem Autor wäre es lieber, Sie würden dieses Dokument schreibgeschützt öffnen.“

Man hat dann als User die Wahl, ob man auf diese passiv-aggressive Fopperei eingeht oder ob man drauf pfeift und sich ein ganz kleines bisschen schlecht fühlt. Besorgt stimmt unsereinen die Tatsache, dass es offenbar so viele Leute gibt, die sich nicht entscheiden können, ob sie einen Schreibschutz verhängen wollen oder nicht, dass sie für diese Unentschlossenheit eine Softwarelösung nicht nur erwarten, sondern auch bekommen. Was das für Waffenlieferungen an die Ukraine heißt, bleibe dahingestellt. Schönes Wochenende!

Freitag, 10. Juni 2022

Ordnung

 

Es ist, meine teuren, aber nicht sonderlich leistungswilligen Lesehäschen, erst Anfang Juni! Niemand, tatsächlich niemand hat auf die Frage nach der korrekten Bezeichnung für, nunja, Ausübende des Zimmereiberufs, denen man mit Zimmermann oder Zimmerfrau auf den Schlips oder ein genderneutrales Accessoire stiege, auch nur eine depperte Antwort geliefert.

Notenkonferenz ist bitte erst übernächste Woche, Herrschaften, bis dahin erwarte ich mir gefälligst Mitarbeit! Die richtige Antwort lautet natürlich Zimmerperson, was den Vorteil hat, dass sich damit nicht nur die herkömmlichen Zimmerleute gemeint zu fühlen haben, die etwa mit einem Latthammer oder einem Kronenbohrer etwas anzufangen wissen, sondern, nehmt alles nur in allem, auch jene Zimmermädchen, -buben und sonstigen Zimmermenschen, deren Wirkungsgebiet nicht die Errichtung, sondern die Erhaltung einer ordentlichen Räumlichkeit ist. Wenn das keine Effizienzsteigerung ist, dann weiß ich auch nicht.

Ganz anders sieht es leider im Bereich der Musik-Apps aus. Angenommen, du hast einen guten Freund, der dir einst, als wir noch auf Dinosauriern zum Konsum geritten sind, nicht etwa eine Mix-CD gebrannt hat, sondern eine Serie von fünf Stück mit ungefähr 90 Nummern drauf. Er hat viel Zeit und Liebe darauf verwendet, und du willst das wertvolle Kompilat nicht mit den Selbstgebrannten untergehen lassen. Also rippst du die Dinger, man hat ja als alter Sack ein CD-Laufwerk parat.

Jetzt kommt der wichtige Teil: das Zeug so aufzubereiten, dass eine handelsübliche Musik-App die Stücke in der richtigen Reihenfolge abspielt, denn Shuffle wäre hier so wie Ketchup zum Schnitzel oder in Montana Steaksauce zum Steak (in Montana ist das anscheinend voll das No-Go). Man denkt sich zunächst, die App könnte die Reihenfolge des Rippens einhalten, irgendwie geht das aber nicht. Das Internet rät dir daher, am Anfang jedes Dateinamens eine hinreichend vielstellige Nummer einzufügen und die Stücke nach Namen zu ordnen.

Gesagt, getan. Natürlich dauert das, aber es hat ja auch gedauert , die CDs zu rippen sowie Interpret und Titel jeder Nummer zu ergänzen, da kommt es darauf auch nicht mehr an.

Nun hast du die Playlist auf dem Handy, ordnest sie nach Namen und drückst Play. Es ertönt als erstes Abgesang von Gustav, was nett ist, aber erst ungefähr an 70. Stelle kommen sollte. Nach einigem Herumprobieren stellst du fest, dass die App nicht imstande ist, die Lieder nach den Dateinamen zu ordnen. Wenn sie auch behauptet, das zu tun, so ordnet sie stattdessen doch trotzdem hartnäckig nach Titeln. Da war der Tipp aus dem Internet vielleicht doch nicht so gut. Es könnte natürlich auch an der doofen vorinstallierten App liegen. Schließlich gibt es noch ungefähr 5.000 andere Musik-Apps.

Machen wir es kurz: Anscheinend gibt es keine einzige App, die sich dazu bewegen lässt, die tatsächlichen Dateinamen als Ordnungsprinzip zu nutzen. Auch bei 90 Stücken auf der Playlist muss man sie manuell in die gewünschte Reihenfolge bringen.

Irgendwie musste euer Ergebener bei dieser Entdeckung an ein kürzlich erfolgtes Feedback denken: Zu abstrakt abgeholt!

Da kann man nur auf ein schönes Wochenende hoffen.