Freitag, 22. Februar 2019

Geldsorgen

Es wird ja viel herumgeredet, o Lesehäschen. Denn dank des segensreichen Wirkens unserer Bundesregierung haben mittlerweile Milch und Honig zu fließen begonnen. Wenn man nur hinreichend fies zu Ausländern ist, geht es den Inländern ganz von selber besser! Deshalb sehen immer mehr Österreicherinnen und Österreicher sich jetzt vor das Problem gestellt, was sie mit dem vielen Geld machen sollen?
Dazu hat natürlich jeder gute Tipps. Donald Trump zum Beispiel will viel Geld in eine lange Mauer stecken. Herbert Kickl wünscht sich ein Pony oder so ähnlich. Teresa May hätte lieber Geldsorgen.
So hat jeder sein Packerl zu tragen. Reifere Häschen erinnern sich bestimmt noch an Bela Rabelbauer, einen, wie man früher gesagt hätte, entlaufenen Priester (naja, nicht ganz, klingt aber gut), der Ende der 70er Jahre im Auftrag eines schwindligen Konsortiums einen Koffer voll Geld nach Wien trug, um dieses der ÖVP zu spenden. Nachteil daran: Das Geld kam nach einem Gerichtsprozess wieder zurück. Es blieb ihm aber immerhin der Mann mit dem Koffer als Kampfname.
Wie wird man das Zeug also los? Man könnte zum Beispiel Herrn Grassers ehemalige Wohnung „erwerben“: Der Superfinanzminister schien eine Wohnung zu verkaufen, während er tatsächlich nur eine Ablöse von elf Millionen Euro verlangte, wonach monatlich 6.000 Euro Miete fällig gewesen wären. Nach einer solchen Transaktion trägt sich das Portemonnaie schon viel leichter.
Eine in ihrer Radikalität schon wieder elegante Lösung fand einst ein Brüderpaar in Florida: Die beiden zogen mit Hilfe moralisch anpassungsfähiger Ärzte einen – no na – florierenden Schmerzmittelring hoch. Es waren die Nullerjahre, und nicht wenige Leute waren nur zu gern bereit, den Kater nach dem Platzen der Immobilienblase mit irgendetwas zu betäuben und sich über das Suchtpotenzial später Gedanken zu machen. Langer Rede kurzer Sinn: Bald kam soviel Bares herein, dass die Brüder Mitarbeiter dafür abstellten, Eindollarnoten in Blechtonnen zu verbrennen, weil die kleinen Scheine zuviel Platz wegnahmen.
Kann man natürlich machen, aber auf Dauer hat es nicht denselben Reiz, einen ganzen Kübel voller Eindollarnoten zu verheizen wie sich mit einem einzelnen Hunni eine Zigarre anzuzünden. Wer da verzweifeln möchte, dem sei eine Superyacht wärmstens anempfohlen.
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, meine teuren (und wie teuren!) Lesehäschen. Aber mir war bis vor Kurzem nicht klar, was eine richtig ernstgemeinte Yacht (sagen wir: so von 150 Fuß aufwärts) für eine effiziente Geldvernichtungsmaschine ist. Wie bei einem lässigen Auto, so ist es auch bei einer Yacht mit der Anschaffung nicht getan. Eine kaufen können ist nicht dasselbe wie sich eine leisten können. Denn jetzt kommt die richtig interessante Zahl: Für eine ordentliche Superyacht fallen Betriebskosten bis zu zehn Prozent des Kaufpreises an. Monatlich. Das ist so, als ob du dir einen schicken BMW krallst und jeden Monat an der Tanke so sechs- bis achttausend Euro liegenlässt. Natürlich mit dem Unterschied, dass eine Superyacht nicht 80.000 Euro kostet, sondern 100 Millionen. Oder 200. Können auch 500 sein, das weiß wahrscheinlich nicht einmal Abramovic so genau. (Spoiler: Ihm kann es wurscht sein.)
Ja, so ist das mit den Geldsorgen. Hat irgendwer andere? Schönes Wochenende!

Freitag, 15. Februar 2019

Frühjahrsputz

Es ist, o Lesehäschen, verdächtig still.

Nicht etwa um Herrn Waldhäusl. Schön wäre es, schölle einem aus dieser Ecke Stille entgegen. Aber nein, immer die gleiche Kakophonie von Stacheldraht bis zu „nunmehr“ aber wirklich einem Wirtshaus, über dessen Stammtisch die Lufthoheit gewiss nie in Frage gestellt ist. Man fragt sich, ob in der Zielgruppe nicht bald Übersättigung einsetzt beziehungsweise, ob sich besagte Zielgruppe nicht irgendwann die Frage stellen wird, wie ausschließlich die Probleme der Republik durch junge Männer von woanders verursacht werden.

Herr Strache ist zwar nicht so laut, wie er schon einmal war, aber von Stille kann keine Rede sein. Kinder in Henriks Alter schlafen ja meist sehr fest, wenn sie denn einmal schlafen. Man kann nur hoffen, dass der Herr Vizeraucher den Papamonat auch wirklich genützt hat, um „eine Bindung aufzubauen“. Oft dauert das ja länger, weshalb viele Millennials angeblich mit Hunden üben, wie das Kinderaufziehen so ist. Tipp: ist es nicht. Welpen können gleich einmal herumlaufen, haben scharfe Zähne und tragen keine Windel. Dafür lassen Kinder irgendwann das Entwicklungsstadium eines Dreijährigen hinter sich.

Es sei denn, sie werden US-Präsident oder österreichischer Innenminister. Womit wir beim Thema sind. Still ist es um unseren BImaZ. Herr Kickl, was ist los? Der Mann hatte wirklich einen guten Lauf, es verging kaum eine Woche ohne einen richtig geilen Vorschlag, wie die Republik entscheidend besser werden könnte. Was waren wir nach dem Ideenfeuerwerk 2018 gespannt auf die Fortsetzung!

Vielleicht eine schnelle Eingreiftruppe, reitend auf feuerspeienden geflügelten Haifischaffen, die sofort zur Stelle ist, um jeden dingfest zu machen, der einen völkerrechtlich gesicherten, aber dem Kickl nicht genehmen Aufenthaltstitel schamlos ausnutzt, um frech zu schauen? Die Installation von Doppelnullagenten im BVT, komplett mit Lizenz zum Hamdrahn? Der Fantasie schienen keine Grenzen gesetzt. Und jetzt? Stad, fad, verdächtig! Nach der Kontroverse, ob das Recht oder die Politik zuerst komme, gestattet sich euer Zweckdichter aber eine Spekulation. Denn Kickls kongenialer Parteikollegin Dr. Dagmar Belakowitsch (ja, echt! Die hat ein Medizinstudium abgeschlossen!) ist danach bekanntlich etwas ausgekommen, was sicherlich noch hätte geheim bleiben sollen: Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern. Das ist auf den ersten Blick schon eine gute Nachricht für jene, denen die von Herrn Hofer durchgesetzten 140 km/h auf der Autobahn noch zu wenig sind, wie auch für minderjährige Missetäterinnen, die mit einem H&M-Budget, aber Rich&Royal-Geschmack zum Fetzenshopping gehen. Vielmehr ist es Zeit, wieder daran zu denken, was besagter Hofer (er war’s!) uns vor gar nicht so langer Zeit angekündigt hat: Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist! Dem geübten Seher beuschellastiger Hollywood-Franchises stellt es ganz von selbst die Lauscher auf, betrachtet er diese beiden Statements nebeneinander, eingedenk des neuen Sparbestrebens unserer geschätzten Bundesregierung, das sich unter anderem im Zusammenstreichen von Polizistenüberstunden Luft macht: Wie war das noch in The Purge, auf Deutsch Die Säuberung? Genau: Die Regierung sieht sich in Sachen Kriminalitätsbekämpfung nicht mehr hinaus und führt deshalb die Säuberungsnacht ein: Einmal jährlich ist von 19 bis 7 Uhr alles erlaubt, die Damen und Herren Bevölkerung machen sich selber aus, wer den neuen Tag erlebt, und ersparen dem Staat damit einiges an Aufwand. Ich bin gespannt, wer sich nach der ersten Runde der Österreich-Version (Vorschläge: Ramatama! oder vielleicht Motschkern, Morden, Mulatschak) mehr wundert.

Still bleibt es auch um den Herrn Bundeskanzler, aber das ist nicht verdächtig. Von Herrn Kurz sind wir es ja gewohnt, dass er im Zweifelsfall lieber nichts sagt und sich damit die Möglichkeit offenhält, für einen Philosophen gehalten zu werden. Die Chance lebt, wie wir im Skisport sagen. Schönes Wochenende!

Freitag, 1. Februar 2019

Der Chinese der Flatulenz

Wir kiefeln, o teure Lesehäschen, noch immer an der Frage des Primats: Wenn du die Politik und das Recht zum Diner einlädst, wer darf dann zuerst das Speisezimmer betreten? In der Royal Navy war die Sache mitunter kompliziert, wenn zum Beispiel ein Earl im Range eines 1. Offiziers und ein Kapitän, dessen Vater Schuhe besohlt hatte, einander vor der Tür gegenüberstanden. Bei Politik und Recht ist das insofern schwierig, als die Frage der Anciennität sich kaum klären lassen wird. Politik – auch und gerade im Kickl’schen (oder kicklschen!) Sinne – gibt es ja schon, seit ein Affe dem andern mit dem Stecken einen Scheitel gezogen hat, also ziemlich lange.
Die Sache ließe sich natürlich im Gefolge Bismarcks klären, der sich bekanntlich einst der Frage gegenübersah, wie die Sitzordnung an einem runden Tisch zu gestalten sei und die Situation mit der Feststellung bereinigte, wo er sitze, sei oben. Diese Lösung ist ebenso einfach wie sauber, erfordert allerdings ein gewisses Minimum an politischem Format, sonst kann die Geschichte leicht ins Gegenteil kippen. Im Falle Kickls zum Beispiel ist das Risiko sehr groß, dass immer dort, wo Kickl sitzt, kein anderer sitzt. Auf so etwas will man sich als Innenminister nicht einlassen.
Wie konnte dem Mann die Sache aber unterlaufen? Euer Ergebener hat dazu eine Theorie. Kickl hat sich ja seine Sporen als Schöpfer nur allzu deutschen Reimguts verdient, und außerdem eignet ihm eine Fähigkeit, um die ihn mancher Amtsträger beneiden sollte: vor laufender Kamera grammatisch korrekte Sätze abzusondern, wie fragwürdig sie auch inhaltlich sein mögen. Nun ist die Grammatik ja nichts anderes als kodifiziertes Sprachrecht. Mithin ist Kicklk zumindest in dieser Hinsicht bereit, die Politik hinter das Recht zu stellen. Warum also nicht auch in juristischen Dingen? Das liegt an der Entropie und an China. Erstens: Entropie (das ist wichtig für alle, die gern Sachen herumliegen lassen) bedeutet, dass alles immer eintöniger und schlichter wird, weil das Universum sich einfach für nichts so richtig interessiert. Es ist dem großen Ganzen egal, ob du nie deine Socken aufhebst, und aus Sicht des Universums ist es nur richtig, wenn irgendwann deine ganze Wohnung den bräunlichen Ton getragener Fußfutterale annimmt.
Zweitens: Wer es im alten China als Beamter zu etwas bringen wollte – etwa zu einer Richterstelle –, der musste im Wege einer staatlichen Prüfung beweisen, dass er poetisch nicht gerade Margarita war (Margarita sein: ugs. für „nichts drauf haben“). Da galt es durch das chinesische Äquivalent eines geschliffenen Sonetts zu beweisen, dass man der angestrebten Herausforderung auch wirklich gewachsen war. Das heißt aber, dass zwar die Sprache der Grammatik folgt, das Recht aber der Sprache, also der Politik, weil man eben dichten musste, um eine Juristenstelle zu erhalten, und nicht einen Prozess führen, um einen Lorbeerkranz zu erringen, oder was immer die damals in China anstatt Lorbeerkränzen verwendet haben.
Weil also das Universum immer sockenstinkiger wird, ist es sonnenklar, dass das Verdienst eines Reims von Islam auf daham heutzutage als Qualifikation für ein Amt ausreicht, das es einem gestattet, in Richtung hart erkämpfter Rechte einen fahren zu lassen und diesen auch gleich anzuzünden, aber nur zum Spaß, nicht, weil man irgendwas in Brand zu stecken beabsichtigt. So, glaubt euer Zweckdichter, ist das mit Kickl.

Freitag, 25. Januar 2019

Rechtsprechung

O teure Häschen, euer ergebener Kolumnator muss euch heute eine Enttäuschung bereiten. Mit Recht habt ihr klare Worte zu der Frage erwartet, ob das Recht für die Politik gilt oder ob es vor der Politik brav Männchen zu machen habe. Ich verspreche: Irgendwann folgen diese klaren Worte (nicht, dass ihr sie euch nicht ohnehin denken könntet). Doch ist der Zweckdichter dieser Tage, wie vielen bekannt, doppelt engagiert, und was bleibt auf der Strecke? Die Bildung natürlich. Wie im wirklichen Leben. Deshalb gibt es zum Wochenende statt einem gut abgehangenen Verbalsteak nur einige Wordinghäppchen wie zum Beispiel das Wort „Geschäftskollegen“, das natürlich einem Feedback entstammt.
Der Leser fragt sich unwillkürlich, in welchen anderen Geschmacksrichtungen Kollegen zu haben sind. Amtskollegen, das ja, aber Amtskollegen sind ja im gängigen Sprachgebrauch eben keine: Ein Kollege ist jemand, mit dem du den Arbeitsplatz teilst. Ein Amtskollege tut das nicht, sondern er hat die gleiche Position wie du inne, aber ganz woanders. Wenn du zum Beispiel Innenminister in Österreich bist, sitzt dein Amtskollege gewiss nicht in der Herrengasse, sondern zum Beispiel in Berlin, wobei man es nicht einmal Herrn Seehofer gönnen möchte, ein Amtskollege von Herrn Kickl sein zu müssen.
Aber ein Geschäftskollege? Das könnte ein Geschäftspartner sein, ein Lieferant oder auch nur ein netteres Wort für Mitbewerb. Meine Prognose: Wir werden auch in Zukunft ohne den Geschäftskollegen auskommen.
Nun zur Justiz, und leider lässt dieser Fall nichts Gutes für die von Herrn Kickl angesprochene Problematik hoffen, weil nämlich die Rechtsprechung anscheinend präventiv mit der Inkompetenz der Endverbraucher rechnet. Aber der Reihe nach: Ein geschätzter Kunde eures Ergebenen handelt mit, sagen wir, Kohlrabi und Fleisch. Bisher verhieß seine Werbung, den Käufer erwarte gesunder Kohlrabi und gesundes Fleisch. Ein Mitbewerber (oder Geschäftskollege) konnte das nicht so stehenlassen und drohte mit Klage. Um dem zu entgehen, verhieß der obgedachte Kunde nun gesunden Kohlrabi und Fleisch, wogegen aus grammatischer Sicht nichts einzuwenden ist, weil gesunder Fleisch eben nicht zusammengehören kann. Doch ach! vor dem gestrengen, aber grammatisch unscharfen Richterauge bestand diese Lösung nicht. Er forderte die Formulierung gesunder Kohlrabi und proteinreiches Fleisch, damit auch für flüchtig lesende Konsumentinnen geklärt sei, dass das Fleisch zwar proteinreich, aber eben nicht lebensverlängernd ist. Ich finde das nicht nur bedauerlich, sondern besorgniserregend. Denn natürlich kann man sich darauf verlassen, dass die Richterschaft sorgfältig und sinnerfassend zu lesen imstande ist. Nur traut sie den Bürgerinnen und Bürgern dasselbe anscheinend nicht zu. Was das für künftige Gesetzesentwürfe aus dem Innenministerium und deren Darlegung für eine interessierte Öffentlichkeit bedeutet, überlasse ich eurer Fantasie. Schlaft gut!

Freitag, 18. Januar 2019

Auf, auf!

Besser spät als nie, heißt es, und in wie vielen Lebensbereichen ist das wahr! Deshalb herzlich willkommen im neuen Jahr, meine lieben Häschen. Euer Kolumnator liegt in Sack und Asche vor euch und bittet um Verzeihung. Habe ich euch doch letzte Woche ins Leere lesen lassen. Dafür gibt es beinahe keine Entschuldigung, bis auf die, dass ich wirklich viel um die Ohren hatte. Wer mehr darüber wissen will, kann einfach mal den Fernseher einschalten. Da werden Sie, wie fast immer, geholfen. Und nein, ins Dschungelcamp hat es euer Ergebener noch nicht geschafft, wenngleich die Chance natürlich weiterlebt. Man könnte nun glauben, das liege daran, dass man dafür ein ausgeschlafener Frühaufsteher sein müsste, wie er unserem Herrn Bundessebastian gut zur Nase steht. Sicher hätte er einst in der Royal Navy, als die Mannschaften noch in Hängematten schlafen mussten, einen guten Maat abgegeben: Here I come with a sharp knife and a clear conscience, lautete damals der Weckruf, und wer nicht hurtig aus der Hapfen hüpfte, der fand sich nach einem Schnitt durchs Halteseil unsanft auf den Boden befördert.

Tatsächlich muss man dem Mann recht geben. Wer wie der Zweckdichter des Talents zur Langschläferei ermangelt, der weiß, dass auch das frühe Aufstehen seine Vorteile hat, selbst wenn ein noch so saftiger Wurm keinen Gusto zu wecken vermag.

Es ist nämlich Zeit für das, was der Anglophone einen Reality Check nennt: Der geschieht dann, wenn dich die Realität von hinten anspringt und niederringt, weil die Realität nämlich im Football keine Gnade kennt. Wie männiglich bekannt, hat der Herr Bundeskanzler seiner Sorge Ausdruck verliehen, dass in zu vielen Wiener Familien nur die Schulkinder früh aufstehen. Vor dem inneren Auge ersteht das Bild geplagter Achtjähriger, die sich schnell eine ausgewogene Jause richten und vor dem Weggehen noch schauen, ob für die Eltern eh genügend Frühstücksbier eingekühlt ist. So etwas ist, sollte es tatsächlich vorkommen, natürlich sehr bedauerlich. Man fragt sich allerdings, wie der Herr Oberwastl seine ja noch nicht lang verstrichene  Teenagerzeit verbracht hat. Als Betroffener muss ich vermelden: Spätestens ab dem zwölften Lebensjahr ist es äußerst unwahrscheinlich, dass der heranwachsende Jungmensch ohne fremde Hilfe aufsteht, geschweige denn deshalb, weil er den unwiderstehlichen Zug zum Schultor verspürte. Hier ist vielmehr Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen seitens der Erziehungsberechtigten gefordert, um die Brut sanft, aber wirkungsvoll hin zur Bildungseinrichtung zu stupsen, denn bekanntlich stehen auf Schulschwänzen neuerdings Geldstrafen, und der höchst fiktive Mindestsicherungsbezieher würde sich ja ins eigene Frühstücksbierbudget schneiden, ließe er das einreißen.

Weil aber die real existierenden Mindestsicherungsbezieher in aller Regel keine Faulpelze mit braven Kindern sind, sondern mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben, die sich aber leider nicht zur Aktivierung niedriger Beweggründe in der eigenen Wählerschaft eignen, tut der Bastlwastl halt das, was er vom Koalitionspartner gelernt hat. Wenn dann lästige Zwischenrufe von wegen ÖVP und Christentum kommen, soll es Andreas Khol als Alibikatholik richten und muss sich in einem Standard-Kommentar mit der Beweisführung abmühen, dass es im Rahmen christlicher Nächstenliebe total okay sei, seinen Nebenmenschen ersaufen zu lassen.

So klärt sich, was das Gute am frühen Aufstehen ist: Man hat den Innenpolitikteil schon gegen 7.30 Uhr gelesen. Zum Gabelfrühstück so um halb zehn ist der Brechreiz dann verflogen, und man kann bei einem kleinen Gulasch und einem Reparaturseitl den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Mehr zum Thema Frühstück und ob man dabei eher etwas aufnimmt oder von sich gibt, bekommt ihr vielleicht ein andermal zu lesen. Mahlzeit!

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Wer ist das?

Heuer, o teure Häschen, lassen wir das mit dem Weihnachtsgedicht. Irgendwann ist es Zeit, sich einzugestehen, dass die eigenen Stärken im Prosabereich liegen. Doch keine Sorge, euch wird Weihnachtsstimmung werden! Denn wir versuchen die Frage zu klären, wie das nun wirklich ist mit dem Christkind und dem Weihnachtsmann, der ja eine Erfindung der Coca Cola Company ist und deshalb uns Werbefuzzis und -fuzzetten besonders reichlich die Strümpfe füllt. In Österreich führt das autochthone Christkind ein Rückzugsgefecht gegen den Dicken in Rot, unterstützt von selbsternannten Brauchtumspflegern wie dem Jungbürgersender FM4, der sich vor Jahren schon mit dem Bekenntnis Liebe kleine Christkindmaus, wir retten dich vor Santa Klaus! auf die sicher richtige Seite geschlagen hat.
Was aber nicht erklärt, warum es nicht entweder das Christkind oder den Weihnachtsmann gibt, sondern alle beide, und außerdem noch den Nikolo, den Knecht Ruprecht und die Kramperln (oder Krampusse, oder Krampi, was immer euch angemessen scheint).
Fangen wir kalendarisch-chronologisch mit dem Nikolaus an (ja, für euch ist er der Nikolo, für mich der Nikolaus, tom-ay-to – tom-ah-to, wie sie in Trumpistan sagen). Er bringt Geschenke, weil dem historischen Nikolaus große Freigebigkeit nachgesagt wird (und auch, er sei schon als Säugling so fromm gewesen, dass er sich die Mutterbrust an den wöchentlichen Fasttagen nur einmal täglich genehmigt habe). Genau genommen bringt er aber keine Geschenke, sondern Belohnungen für die Braven. Denn am Nikolaustag (Wann war der noch gleich? Ja, am 6. Dezember. Brav!) war früher in der Messe als Lesung immer das Gleichnis von den verliehenen Talenten aus dem Matthäusevangelium dran: Ein Reicher gibt jedem seiner drei Knechte einen Batzen Geld und geht auf Kreuzfahrt. Bei seiner Rückkehr haben zwei der drei die Kohle gewinnbringend investiert, der dritte hat nur darauf aufgepasst. Zur Strafe wird ihm das Geld weggenommen und als Belohnung unter den anderen beiden verteilt: „Wer hat, dem wird gegeben werden, wer nichts hat, dem wird genommen.“ (Den Matthäuseffekt kennen wir aus der Bildungspolitik.) So verknüpften sich Geschenk aus der Legende und Belohnung aus der Tageslesung zur Nikolausgabe. Die Begleitung durch finstere Gestalten wie den Knecht Ruprecht lässt vorchristliche Traditionen weiterleben, stärkt die Motivation (Angst!) und beweist außerdem, dass das christlich Gute das Böse zu domestizieren vermag. „Was ist jetzt mit Weihnachten, Oida, um auch einmal das Jugendwort des Jahres zu verwenden?“, schallt es mir aus euren zunehmend ungeduldigen Reihen entgegen. Je nun, damit das alles etwas mit Weihnachten zu tun bekam, musste erst Luther kommen. Denn die Reformierten haben bekanntlich einerseits mit der Heiligenverehrung nichts am Hut. Andererseits hätte die ersatzlose Abschaffung der Bescherung ein PR-Desaster für die noch junge Glaubensrichtung bedeutet. Es war Zeit für den Geniestreich, die Bescherung auf Weihnachten zu verlegen und als Gabenbringer das Jesulein zu installieren. Jenes aber war so süß, dass auch die Katholiken seinem Reiz nicht lange widerstehen konnten, sodass es auch im einst erzkatholischen Österreich die Geschenke bringen durfte. Und Santa Claus? Der taucht schon im frühen 19. Jahrhundert auf. Denn die Döblinger und Hietzinger des damaligen New York verfolgten ihre Stammbäume mehrheitlich in die Niederlande zurück, wo wer noch heute die Geschenke bringt? Genau: Sinterklaas, der gute alte Nikolo. Denn anders als den Lutheranern war es den ergebnisorientierten Calvinisten ziemlich egal, ob ein Heiliger oder sonstwer die Geschenke brachte. Hauptsache, Beute. Dass die Coca Cola Company erst sehr spät zu der Show kam und nichts mit der Erfindung des Weihnachtsmannes zu tun hat, überrascht wohl keines von euch aufgeweckten Schneehäschen mehr. Frohe Weihnachten!

Freitag, 14. Dezember 2018

Wegen der Sicherheit

Als Erstes, meine lieben sicherheitsbewussten Häschen, müssen wir uns der Frage widmen, wie man überleben kann. Johann Gudenus schlägt ein nächtliches Ausgehverbot für Flüchtlinge vor, um die Lebenserwartung der Österreicherinnen und Österreicher zu heben. Dies, weil Asylwerber gerne im Schutz der Dunkelheit in Inländerwohnungen schleichen, um die Betreffenden zu schlachten, und zwar vorzugsweise mit dem Messer.

Falls das alles stimmt, wer wollte etwas dagegen sagen? Allenfalls ein boshafter Mensch, der mitbekommen hat, dass ein Inländer im Bezirk Mistelbach seine sämtlichen greisen Verwandten getötet hat und zu seiner Verteidigung nur vorbringen kann, dass er dazu eine Flinte benutzt hat und nicht etwa – weil begeisterter Waidmann – einen Hirschfänger, den Herr Gudenus als völkisch angemessene Alternative zum levantinischen Springfeitel eventuell sogar noch durchgehen lassen würde.

Als gemeinsamer Nenner der angeführten Fälle kristallisiert sich jedenfalls der zuhause sitzende Inländer heraus, womit sich die Frage aufdrängt, ob der Sache mit einer Ausgehpflicht für Inländer nicht eher gedient wäre als mit einem Ausgehverbot für Ausländer. Die Alten haben's schon gewusst, als sie die Weisheit Daheim sterben die Leut' in ein geflügeltes Wort gossen.

So, Schluss mit Politik, schließlich ist bald Weihnachten. Denn hört! Aus Häschenkreisen scholl mir nach der Behandlung des Genitivus partitivus der beinahe zahlreiche Ruf nach gleicher Auskunft über den sub- und obiectivus entgegen. Nichts lieber als das.

Erstens ist festzuhalten, dass der Genitiv der Fälle schönster, weil preziösester ist, dessen könnt ihr euch sicher sein! Fangen wir mit dem Subiectivus an, denn der ist so einfach as falling off a log, wie die Engländer in einer Redewendung sagen, für deren Bildgewalt man töten könnte. Der Genitivus subiectivus erklärt schlicht und einfach, wer das Subjekt einer Handlung ist, wer also etwas tut: Das Briefing des Kunden meint, dass der Kunde (der im Genitiv steht) uns gebrieft hat. Die Klage der Kreation drückt aus, dass die Kreation motschkert, eh klar. Der Trost des Biers ... ich denke, ihr habt verstanden, wohin das führt. Merken müsst ihr euch nur, dass der Genitivus subiectivus so heißt, weil er den Täter, das Subjekt einer Handlung einführt, selbst aber nicht das Subjekt des Satzes ist, das ja im Nominativ steht:

Der Umtrunk an der Ostbar fand nach dem Gewinn des Etats statt. Subjekt ist der Umtrunk (natürlich!), der Genitivus subiectivus liefert ein Attribut zum Objekt „Gewinn“.

Und der Genitivus obiectivus? Seinetwegen braucht ihr euch auch keine grauen Haare wachsen zu lassen. Er ist der Ausdruck des Betroffenen einer Handlung, so wie in diesem Satz. Wenn wir vom Briefing der Kreation sprechen, dann brieft die Kreation nicht (wäre ja noch schöner!), sie wird gebrieft. Der Trost der Kollegen kann allerdings sowohl ein obiectivus als auch ein subiectivus sein, je nachdem, ob du die Kollegen tröstest oder umgekehrt.

Dasselbe gilt für die Frustration des Gudenus: Vielleicht weiß er selbst nicht ein noch aus, weil die Nation nicht so richtig auf seine Ideen abfährt. Vielleicht sind aber auch wir frustriert, weil uns seine Ideen schmerzlich daran erinnern, dass jede Toleranz ihre Grenzen hat. Schönes Wochenende!