Freitag, 28. März 2025

SSKM

Wer nicht wählen geht, o demokratiebegeisterte Lesehäschen, darf sich nachher auch nicht beschweren. So weit, so motivierend. Es gibt freilich eine lästige Einschränkung: dass man sich nämlich nachher nur darüber beschweren darf, dass die Wahl nicht so ausgegangen ist, wie man sich das erhofft hätte. Wenn man einen Scharlatan, Volksverhetzer oder Trottel gewählt hat, der schon vorher nicht damit hinterm Berg gehalten hat, was er für einer ist, berechtigt einen nachher nicht zum Jeiern darüber, dass man diesem Verbrecher eine wertvolle Stimme nachgeschmissen hat.

Ich erwähne das nur für den äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass sich unter euch US-Beamte befinden, die Trump gewählt haben.

In einer ähnlichen Lage wie diese hoffentlich sehr hypothetischen Wähler befindet sich Frau Grimes. Ihr wisst schon: die ansonsten mäßig auffällige Poptante, die ein paar Jahre mit Elon Musk zusammen war und mit ihm drei Kinder hat. Es sind jene drei, die ein hervorragendes Beispiel dafür abgeben, dass Geld nicht alles ist, indem der Jüngste nicht nur „Techno Mechanicus“ heißt, sondern, was schlimmer ist, es damit auch noch mit Abstand am besten von den dreien getroffen hat, nämlich im Vergleich zu X Æ A-12 und Y, die wahrscheinlich noch überlegt, ob sie es sich damit gegenüber ihrem ursprünglichen Namen Exa Dark Sideræl verbessert hat oder nicht. Spoiler: Beides ist so jenseitig zwangsoriginell, dass es da kein besser oder schlechter mehr gibt.

Wikipedia behauptet übrigens, der Letztgeborene werde kurz „Tau“ genannt. Das ist aber spätestens dann Makulatur, wenn seine Geschwister draufkommen, wie der kleine Teckmeck wirklich heißt. In diesem Zusammenhang gebührt einer Kollegin herzlichster Dank, die eurem Ergebenen Mitteilung von einem tatsächlich existierenden Zwillingspaar gemacht hat, namens Arne und André, die freilich in der Schule nur als „der aane und der andre“ bekannt waren.

Wo waren wir?

Genau: Frau Grimes hat sich kürzlich in den zu Unrecht so genannten sozialen Medien beschwert, dass ihr Ex seltsame Dinge aufführt, nämlich zum Beispiel: ihre gemeinsamen Kinder, von denen ja noch keines das Volksschulalter erreicht hat, in der Öffentlichkeit vorzuführen.

Allerdings ist die Gute, soweit man das sagen kann, 2018 mit Elon zusammengekommen und im Sommer 2019 erstmals von ihm schwanger geworden. Ja, Elon war mal einigermaßen cool, und was er anfangs mit Tesla erreicht hat, ist kein Lercherl. Aber 2018 war das Jahr, in dem er einen Profitaucher öffentlich einen Pädophilen schimpfte, nur weil der Musks Idee, in einer Höhle gefangene Jugendliche mit einem U-Boot zu retten, nicht schlau fand. 2019 machte er Witze über ein Paar, das in einem fahrenden Tesla Sex hatte, anstatt ein Wort darüber zu verlieren, dass das eine extrem bescheuerte Idee war. Um die Geburt von X Æ A-12 herum, ließ er die Welt wissen, die Coronapanik sei „dumb“. Und so weiter.

Kurz: Frau Grimes’ Wahl (nämlich Elon) ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man sich zwar beschweren darf, wenn man gewählt hat. Aber nicht darüber, was oder wen man gewählt hat, wenn eh schon klar war, dass da der Lift nicht bis ganz rauf fährt. Im Übrigen viel Glück und schönes Wochenende!



 

Freitag, 21. Februar 2025

Win-win

 

Das Problem an der Welt, o verständnisvolle Lesehäschen, ist ja immer die unpraktische Verteilung. Das Insektensterben ist schlimm, aber in der Au fressen dich die Gelsen. Die einen nehmen ständig zu, die anderen leiden Hunger. Wir haben zu wenig Regierung, die USA zu viel. Dafür haben wir zu viel Verwaltung, die USA vermutlich in Kürze zu wenig, so seltsam das klingen mag. 

Für alle, die glauben, die österreichische Verwaltung habe nur ein Gesicht, nämlich jenes, auf das die Deutschen neidisch sind, weil wir so viel online erledigen können: Euch steht eine Enttäuschung bevor. Denn viel ist in den letzten Jahrzehnten geschehen, aber es geschieht immer noch allerlei nicht. Wenn zum Beispiel die Frau Sabine in einer eurem Ergebenen bekannten Bezirkshauptmannschaft bestimmte Unterlagen braucht, dann holt sie sich die nicht etwa aus der digitalen Dokumentenablage. Sondern die Frau Gabi trägt diese zum Herrn Franz und ersucht ihn, sie zur Frau Sabine weiterzutragen. Und wenn die Frau Gabi beim ersten Mal Unterlagen vergisst, muss der Herr Franz zweimal laufen (die Frau Gabi sowieso, aber der geschieht es recht). 

Deshalb ein Vorschlag, wie sich die Weltlage wieder zurechtrücken ließe:

Wir borgen uns den Herrn Trump für ein, zwei Monate aus. In dieser Zeit fährt er mit eisernem Besen durch das organisch gewachsene Verwaltungsdickicht.

In derselben Zeit schicken wir zwei, drei Regimenter aus Amtsräten, Abteilungsleiterinnen und Referenten jeglicher Genders in die USA, die mit ihrem segensreichen Wirken dafür sorgen, dass die Verwaltung wieder wächst und gedeiht. Wer sich fragt, wie genau sie das tun, der stelle sich hinter eine Kuh und warte ab, wie die Kuh hinten dazu beiträgt, dass das Gras wieder nachwächst, dass sie vorne verzehrt.

Wir unsererseits freuen uns, dass die seit bald einem halben Jahrhundert verheißene „große Verwaltungsreform“ Wahrheit wird. Wenn ich der Herr Trump wäre, würde mir beim Anblick des Föderalismus geradezu das Wasser im Munde zusammenlaufen. Zur Erinnerung: Wir sprechen von einem Föderalismus, in dessen Rahmen es notwendig und sinnvoll ist, durch das steirische Tanzschulgesetz zu regeln, wer anderen Leuten das Tanzen beibringen darf, allerdings nur, soweit es sich nicht um Volkstänze handelt. Dass hingegen Vorarlberg es schon vor Jahrzehnten verboten hat, den Kadaver einer Kuh in die Luft zu sprengen, die in so unwegsamem Gelände verendet war, dass man sonst den Hubschrauber gebraucht hätte, ist vermutlich eine Regel, die der Oberdonald umgehend  revidieren würde.

Falls sich nun Sorge regt, dass Trump unserer beinahe schon weltkulturerbeverdächtigen österreichischen Verwaltung den Garaus machen könnte: Immer mit der Ruhe. Wer schon einmal versucht hat, eine Brombeerhecke loszuwerden, weiß, wie schwer es ist, da dauerhafte Verwüstungen anzurichten. 

Schönes Wochenende!


Freitag, 14. Februar 2025

Persönlich

Es gab, o erinnerungsstarke Lesehäschen, lange nichts Schöneres und Wertvolleres als die Menschlichkeit. Es galt, Mensch unter Mensch zu bleiben, und wer daran so richtig krachend scheiterte, der hatte ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Seht, ein Mensch! sprach Pontius Pilatus, wenn auch etwas spät.

Inzwischen ist, man muss das leider so sagen, die Menschlichkeit aber passé, von gestern und vermutlich cringe. Denn mit gar nicht wenigen formschönen und praktischen Anglizismen hat auch, wie die Spinne in der Bananenkiste, ein vollkommen unnötiger, umständlicher und lästiger den Weg zu uns gefunden hat. Der der englische Mensch sieht dem man zum Verwechseln ähnlich, weshalb man dortzulande nunmehr von persons spricht. Seltsamerweise hat sich auch bei uns die Ansicht verbreitet, dass das super sei, weshalb wir nun nicht mehr unter Menschen sind, sondern unter Personen. Das ist für die Person erfreulich, denn früher war eine Person entweder jemand unter Polizeiverdacht oder jemand, mit dem man aus anderen Gründen lieber nichts zu tun haben wollte. Kürzlich wurde euer Ergebener Zeuge, wie eine Frau eine Kollegin eine „tolle Person“ nannte. Letztere freute sich wahrscheinlich umsomehr, weil wir 2025 schreiben und nicht 1850, als nämlich tolle Personen mit Anbinden und Eisbädern behandelt wurden, fortschrittlichenfalls auch mit Stromstößen – nutzt’s nix, schadt’s nix. 

Weniger erfreulich ist es für die Menschlichkeit, die ja nun niemanden mehr hat, der als ihr leuchtendes Beispiel dienen kann. Und alles nur, weil niemand beim Anglizismenimport innegehalten hat, um sich zu fragen, ob das Deutsche nicht eh schon ein einwandfreies Wort für jemanden hat, dessen Geschlecht keine Rolle spielt. Endlich kommt einmal eine andere Sprache mit einem generischen Maskulinum (nämlich man) daher, sodass sich die andern hintangesetzt fühlen müssen, und anstatt versonnen unsere Fingernägel zu betrachten und dabei unauffällig mit „Mensch“ zu wedeln, treten wir uns die „Person“ ein, die halt mehr nach Volkszählung klingt als nach gesteigertem Respekt. Wir lehnen uns nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir vermuten, dass die Kreuzigung auch stattgefunden hätte, wenn Pilatus Seht, eine Person gerufen hätte.

Es bleibt, und hier seid ihr zu Feldversuchen aufgerufen!, eine Frage zu klären: Wenn man Personen als Menschen anspricht, nehmen die das dann persönlich? Oder bringen sie Verständnis für die menschliche Schwäche auf, dass einem der Mensch näher ist als die Person? Man kann nur hoffen, dass auch künftig ein feiner Unterschied bleibe zwischen solchen, die menschlich bleiben und solchen, die persönlich werden. Schönes Wochenende!


 

Freitag, 7. Februar 2025

Messbar

Wer etwas erleben will, o weltoffene Lesehäschen, geht auf eine Messe. Einst war das in Vorarlberg nicht eine, sondern „die“ Messe, nämlich die Dornbirner Mustermesse. Wie der Name zeigt, waren die Zeiten kommunikativ einfacher, indem die Verheißung, unverkäufliche Warenmuster präsentiert zu bekommen, hinreichende Anziehungskraft auf große Teile der Bevölkerung zu entwickeln imstande war. Mittlerweile erwartet man sich von Messen mehr, nämlich in erster Linie das Gleiche wie auf einem Kindergeburtstag, also Beute, also Füllung für die Tragetaschen und ähnliche Aufmerksamkeiten. Wer schon einmal ein Fest für Fünfjährige ausgerichtet und die Mitgebsel vergessen hat, weiß, was das bedeutet. So auch die heutigen Aussteller. Deshalb erhält man zum Beispiel auf der Haustiermesse Probebeutelchen mit Leckerli. Auf der Weinmesse darf man Wein verkosten, bis man das Ausspucken vergisst, und dann erst recht. Auf der Hausbaumesse bekommt man wahrscheinlich Schlüsselanhänger und kann an Photovoltaikgewinnspielen teilnehmen.

Es wird euch nicht entgangen sein, dass im Kalender noch Platz für Messen ist, die man auf keinen Fall versäumen würde. Wie schön wäre eine Weisheitsmesse, mit klugen Menschen, die freigebig kleine Erkenntnisperlen unters Volk streuen, um Lust auf mehr zu wecken!

Auch eine Prokrastinationsmesse fände eine umfangreiche Zielgruppe vor, freilich mit dem Nachteil, dass alle Angesprochenen eine Ausrede parat hätten, um dann doch nicht hinzugehen. Wer auf der Prokrastinationsmesse auftaucht, ist dort falsch. Darüber berichten würden vermutlich Journalisten, die ja Mark Twain zufolge Menschen sind, die ihr Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben. Hochinteressant stelle ich mir eine Mietwohnungsmesse vor, am besten in einer deutschen Großstadt. Das Schauspiel der Massen, die sich an den Fenstern unerreichbarer Bleiben die Nasen plattdrückten, hätte das Zeug, aus so manchem von uns einen besseren Menschen zu machen.

Aus aktuellem Anlass stellt sich die Frage, was einen auf der Fetischmesse erwartet. Kriegt man da eine alte Socke ins Maul und drei Peitschenhiebe aufs Haus? Übergießen mit Ausscheidungen nach Wahl? Oder doch nur einen 15-Prozent-Gutschein vom SM-Tischler? Euer Ergebener ist am Wochenende nicht in der Stadt, aber wenn sich bitte jemand opfern könnte (take one for the team, und wie!), wäre das sehr fein. Danke und schönes WE!

 

Freitag, 31. Januar 2025

Rumgockeln


 

Der Hahnenkampf ist, o unterhaltungsfreudige Lesehäschen, ein beliebter Zuschauer- naja, Sport nicht wirklich. Sagen wir: ein Event. Wikipedia teilt mit, dass er sich nicht nur in zum Beispiel Indonesien, auf den Philippinen oder in Kuba ungebrochener Beliebtheit erfreut, sondern auch in vielen mexikanischen Bundesstaaten und bestimmten Regionen Frankreichs. Wir hingegen hatten bisher stattdessen Trash-TV: Man setzt eine Auslese von Gockeln aller verfügbaren Geschlechter irgendwohin, wo sie nicht auskönnen, zum Beispiel das Forsthaus Rampensau oder das Sommerhaus der Stars. Dann muss man nur noch warten, bis der erste den Kamm aufstellt, der nächste darauf reagiert, und in Nullkommanix fliegen die Federn. Die künstlichen Sporen ersetzt man durch kluge Auswahl des Personals, zum Beispiel die beiden Exen des dritten, sowie idealerweise den Entzug von Zigaretten.

Doch größerer Unterhaltungswert ist unterwegs zu uns, dank dem interessanten Verhalten der Wahlberechtigten allüberall. Bekanntlich geht die Zeit des storytelling in der Politik dem Ende zu. Auch Politik ist keine Wirklichkeit mehr, sondern Reality.

Zwar tun Rechten einstweilen noch so, als seien sie ein Herz und eine Seele. Doch spätestens, wenn alle sich volksnah installiert haben und anfangen wollen, unter unwesentlichem, aber umso aufdringlicherem Gepluster ihre Versprechen einzulösen, wird es rund gehen. Schon hat Trump angekündigt, Strafzölle zu erheben, während Kickl sein Schlachtross in Richtung US-Tech-Konzerne lenkt. Bald wird auch hier ein Krähen und Gackern anheben, das sich gewaschen haben wird. Frau Le Pen ist lieber daheim geblieben, als sich die Ehre von Trumps Inauguration zu geben, weil man in Frankreich halt rechts und Sozi sein kann, was sich in Iowa oder Kentucky kaum ausgeht. Das zufriedene Wahlvolk kann sich zurücklehnen und die Show genießen, während die aufgeregten Hähne Kehllappen und Wirtschaftskriegsmittel schwenken.

Danach werden wir irgendwann, wie nach jeder solchen Veranstaltung, heimwärts wackeln und uns vornehmen, unsere Stimme beim nächsten Mal klüger zu veranlagen. Beim übernächsten Mal werden wir das wieder vergessen haben, und alles geht von vorne los.

Viel Spaß und schönes Wochenende!

Freitag, 17. Januar 2025

Schlimmer geht immer

 

Es wird, o resignierte Lesehäschen, wohl ernst mit dem BuKaKi (Assoziationen zu schweinischen Internetphänomenen sind euch überlassen). Darob breiten sich Sorgen um die Zukunft des Kultursektors im Lande aus. (Klärung: Es breiten sich sowohl die Sorgen im Lande aus als die Sorgen auch den Kultursektor im Lande betreffen). Das liegt erst einmal daran, dass die FPÖ zweierlei Kulturen unterscheidet, und zwar nicht etwa „Trinkkultur und Esskultur“ oder „Hochkultur und Popkultur“ sondern – hättet ihr’s gewusst? – die „Volkskultur“ und den Rest. Dies führt zu der durchaus pikanten Konstellation, dass zum Beispiel Darbietungen und Erzeugnisse von Anselm Kiefer, Iggy Pop, Florentina Holzmeister und den Wiener Philharmonikern alle in derselben Lade liegen und warten, was passiert. „Kultur“ ist alles, was nicht theoretisch auch im Trachtenverein stattfinden könnte, ohne dass jemand verwundert die Augenbraue höbe.

Dazu habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. Die gute lautet: Das ist überhaupt nicht schlimm.

Die schlechte ist leider: Es ist noch viel schlimmer. Wie schlimm? Dazu blicken wir ungefähr ein Jahr in die Vergangenheit, hin zur Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres in Bad Ischl. Damals fand, wie zumindest in der Region lebhaft erinnerlich, unter anderem der sogenannte „Pudertanz“ statt: Die ansonsten nackte Choreographin Doris Uhlich puderte sich zu den Klängen klassischer Musik gründlich ein, was auch insofern verständlich war, als eine Schicht Puder bei den damals herrschenden Temperaturen besser war als nichts.

Bedenklicherweise bezeichnete der künftige BuKaKi dies als „linke Dekadenz in Reinkultur“. Er hätte auch sagen können, es handle sich um ein „Paradebeispiel linker Dekadenz“ oder um einen „Ausbund“ an derselben oder auch „das Schlimmste an linker Dekadenz, dessen Anblick nicht vermeiden zu können ich seit Langem das Missvergnügen hatte“.

Stattdessen hat er jene Formulierung gewählt, die am deutlichsten kundtut, wie vollkommen wurscht ihm Kultur jeglicher Art ist. Sie ist ihm als Lieferantin für eine sinnentstellende Phrase gerade gut genug, aber mehr auch nicht. Die „Reinkultur“ dient ihm dazu, das anzuprangern, was er für das Gegenteil von Reinkultur hält. Für ihn ist die Reinkultur bloß die Steigerungsform von etwas anderem. Sie selbst aber ist gar nichts.

Es sagt viel, aber nichts Erfreuliches über die Verfassung der österreichischen Politik, wenn jemand, der so wenig Empfinden für den Inhalt eines Wortes besitzt, rhetorisch im Vergleich zu den sonstigen rednerischen Nackerbatzeln so weit vorn liegt. Schönes Wochenende!

Freitag, 10. Januar 2025

Spielzug

 

Willkommen im aktuellen Jahr, o zukunftsbejahende Lesehäschen! Ein kluger Bekannter eures Ergebenen pflegte zu fragen: „Wollen wir in einer Welt leben, in der immer der Klügere nachgibt?“

Inzwischen hat sich das erledigt, indem der Klügere gar nicht mehr die Wahl bekommt, sondern einfach mit interessanten Ein- und Auslassungen überfahren wird. So zum Beispiel, wenn dein Paket bei DHL verschütt geht, was ja gerade um die Feiertage herum schon einmal passieren kann. Wenn das Ding schon seit einer Woche zum „Transport ins Zielland vorbereitet“ wird, kann der Naivling schon auf den Gedanken kommen, da einmal nachzuhaken. Man klickt sich also durch den Entscheidungsbaum, bis man bei einem Kontaktformular landet. Dieses füllt man aus.

Alsbald erhält man die Rückmeldung, dass das Serviceteam nur in English zu antworten imstande sei. Das rührt einen seltsam an, da die Sendung von Österreich nach Deutschland unterwegs und das Kontaktformular auf Deutsch gehalten ist. Noch seltsamer, weil dem Serviceteam nicht zuzumuten ist, die erhaltene Anfrage durch einen Online-Übersetzer zu schicken. Und am allerseltsamsten, weil es ja tatsächlich noch Menschen gibt, die mit dieser Rückmeldung mangels Englischkenntnissen nichts anzufangen wüssten.

Falls es einen Preis für die arroganteste, mieseste, faulste Ausrede für Service gibt, nominiere ich hiermit bereits jetzt DHL.

In verwandten Nachrichten (um in der sprachlichen Sphäre zu bleiben) hat Trump bekanntlich die Katze aus dem Sack gelassen, was die Basis seiner Außenpolitik betrifft: Es handelt sich offenbar um das seit Jahrzehnten beliebte Brettspiel Risiko, und Trump würfelt, um Grönland zu befreien, dessen König vielleicht klüger, aber jedenfalls mit geringerer militärischer Schlagkraft ausgestattet ist. Angesichts der martialischen Logik der Regeln (wenn du am Zug bist und nichts eroberst, pardon, „befreist“, kriegst du keine Karte, die du später gegen zusätzliche Kampfeinheiten eintauschen kannst), sind wir sehr gespannt, was sich hier am Ende als der Schlauere herausstellen wird. Freilich weiß man nicht, welche Mission Trump gezogen hat. Die beste Strategie für Frederik X. wird sehr davon abhängen, ob der Präsident 26 beliebige Länder zu befreien oder die Blauen von der Erdoberfläche zu tilgen hat. Oft kommt man aber mit der Zeit drauf.

Schönes Wochenende!

Freitag, 20. Dezember 2024

How to

 

Wie, so fragt sich mancher schon bang,

kriegen wir heuer das Fest wohl hin?

Sorg dich, mein Lieber, einfach nicht lang,

weil ich in der Hinsicht beschlagen bin.

 

Erstens bevorrate reichlich Getränke.

Zweitens plane was Großes zu kochen.

Drittens habe schon die Geschenke.

Dann ist der Grinchbann schon halb gebrochen.

 

Wenn es nun Zeit ist, den Abend zu starten,

also meist gegen Mittag, denn die Gans dauert länger.

Dann begib dich hinaus in den Garten

Mit einem Sekt und – zum Beispiel – Hirschfänger.

 

Ein Säbel tuts auch oder sogar ein Schi.

Jetzt weg mit der Kapsel, mon cher ami!

Dann entspannt angesetzt und beherzt durchgezogen

Schon erfreut euch der Sprudel in schäumendem Bogen.

 

Den Rest gießt ihr euch peu-a-peu hinter die Binde.

Ist die Buddel mal leer, ist es Zeit für die nächste.

Dann klappt’s garantiert mit dir und dem Christkinde.

Ach ja: Bescherung so zirka um sechse!

Freitag, 13. Dezember 2024

Angebissen


 

Einst, o erinnerungsstarke Lesehäschen, verhieß uns Apple allseitige Erneuerung und – in dem legendären Werbespot dazu – einen buchstäblichen Befreiungsschlag: Weg mit den Fesseln, freie Datenbahn für freie Bürger mit freien Gedanken! 40 Jahre ist das jetzt her. Wer wissen will, wie es aktuell um die Company steht, der setze sich zu mir ans Kaminfeuer.

Also: Wie verknüpft man ein AirTag (das ist so ein Findemichknopf) mit seinem Applekonto? Man hält ihn ans iPhone. Und zwar nur an dieses (oder an ein iPad). Wer ein MacBook hat und ein AirTag nutzen will, kauft sich zuvor ein iPhone. Warum das so sein muss, obgleich das AirTag per Bluetooth funktioniert, weiß man bei Apple, aber sie verraten es nicht. Das ist der erste Freiheitsgrad.

Hat man das geschafft, dann will man auf genanntem MacBook schauen, wo das Ding denn nun sei, und loggt sich behufs dessen in sein Applekonto ein. Die Logindaten für das Applekonto stellen eine sensible persönliche Information dar, daher sendet Apple einen sechsstelligen Code an die anderen Applegeräte des Anmeldeversuchers, den man zuerst dort ablesen und dann am MacBook eingeben muss.

Allerdings ist auch das MacBook selbst ein „anderes Applegerät“ und erhält daher den Code. Es poppt also direkt vor der Loginseite, die durch den zweiten Faktor (also den Code) gesichert wird, ein Fenster mit dem Code auf, den man dann auf der Loginseite eintippselt.

Außerdem gibt es ein Kästchen, das man abhaken kann, um sich das Theater in Zukunft in „diesem Browser“ zu ersparen. Ich sag’s gleich: Das Kästchen bewirkt lediglich, dass es bei allen weiteren Versuchen bereits abgehakt ist. Das ist Zweifaktorauthentifizierung bei Apple, auch bekannt als zweiter Freiheitsgrad.

Nun ist man endlich drin und stellt enttäuscht fest: Das AirTag ist nirgends. Im selben Applekonto auf dem iPhone ist es da, auf dem MacBook nicht. Das ist der dritte Freiheitsgrad, an dem auch weitere fünf Versuche nichts ändern.

Schließlich kann man das AirTag auch mit anderen teilen, damit diese ebenfalls nachschauen können, wo das Ding ist.

Allerdings nur, wenn Apple das gut findet. Andernfalls kommt die Meldung, dass der Betreffende „möglicherweise ’Wo ist?‘ nicht verwendet“. Diese Meldung erscheint durchaus auch, wenn der Betreffende „Wo ist?“ sehr wohl verwendet. Aber sicherheitshalber darf man das Tag dann nicht teilen, weil der Betreffende vielleicht nichts davon hätte. Das ist der vierte Freiheitsgrad. Ein engstirniger Android- oder Windowsprogrammierer käme vielleicht auf die Idee, das Teilen zu gestatten und es dann dem User zu überlassen, ob er das Ding mit seinem Gerät orten kann. Aber in der schönen freien Welt von Apple wäre das gemein. So, meine Lieben, sieht es in dem aus, was vor ein paar Jahren wenigstens noch ein goldener Käfig war. Schönes Wochenende!

Freitag, 6. Dezember 2024

Newsflash


Dass wir immer mehr von allem brauchen, o konsumbewusste Lesehäschen, ist ja kein Geheimnis. Mehr Wohnraum, mehr Fleisch, mehr Airbags und mehr Verständnis von unserer Umgebung dafür, dass wir all dessen bedürfen.

Wovon wir aber ganz besonders viel verschleißen, ist Vergangenheit. Euer ergebener Graukopf weigert sich zu glauben, es sei nur seinem Alter geschuldet, dass er es kurios findet, wenn Dinge nach zehn Jahren schon zum ersten Revival anstehen. Früher war nicht alles besser, aber die Reifezeit bis zur Nostalgie war länger. Ein Hauch der eigenen Verwesung weht einen an, wenn man feststellen muss, dass ein Trend wieder da ist, während dessen erster Inkarnation man schon Vater war.

Journalistische Bequemlichkeit verstärkt diesen Effekt noch. Denn wenn man früher nicht wusste, was schreiben, dann verbreitete man sich über die interessanten Interessen der „jungen Leute“ oder suchte etwas länger nicht Benutztes aus der Lade mit den Fotos von Nessie.

Heute schaut man sich stattdessen ein paar Folgen einer Serie von vor zehn, fünfzehn Jahren an und erklärt dann dem interessierten Publikum, dass die „echt schlecht gealtert“ sei. Das liegt dem Journalisten zufolge niemals daran, dass das Erzähltempo quälend zäh ist oder dass die Tricks lächerlich sind, sondern immer daran, dass die Serie nicht die heutigen Standards von politischer Korrektheit erfüllt, die der Journalist für angemessen hält.

Deshalb an dieser Stelle ein Geständnis und eine Erklärung: Euer Ergebener erzählt manchmal im vertrauten Kreis Witze, die er in größerer Runde nicht zum Besten geben würde. Weil er unter bestimmten Umständen sicher sein kann, dass die Zuhörer ihn gut genug kennen, um zwischen einer Unkorrektheit des Witzes und der prinzipiellen Korrektheit des Erzählers zu unterscheiden. Denn der Zweckdichter traut seinen Freunden diese Klugheit der Trennschärfe zu. Wer sich hingegen beschwert, dass „How I Met Your Mother“ nicht so geschrieben ist, wie ein zur Selbstzensur neigender Autor heute eine Comedyserie schreiben würde, kann sich auch darüber aufregen, dass Clawdia Chauchat im Zauberberg eine doch sehr passive Rolle im Vergleich zu den herummännernden Philosophen kriegt oder dass Penelope nur daheim an ihrem Teppich frickelt, während Odysseus all die coolen Abenteuer erlebt. Denn, liebe Glossanten: Heute ist nicht gestern. Gestern war manches anders. Wissen wir, sind keine News. Schönes Wochenende!

 

 

Freitag, 29. November 2024

Saugen

 

Manchmal, o reinliche Lesehäschen, gewöhnt man sich Dinge nur schwer ab, und nicht nur das Rauchen. Einst hatten viele von uns einen Nachzieh-Staubsauger. Wenn man beim Saugen auf etwas für das Gerät Unverdauliches oder zu Kostbares stieß (etwas größere Kartonfutzeln, Legosteine etc.), hob man sie während des Saugens auf und hatte nach einer Weile bisweilen eine schon recht volle Hand, je nachdem, was vor dem Aufräumen so alles stattgefunden hatte. Was man definitiv nicht tat, war: den Staubsauger abzuschalten. Man hätte ihn ja extra mit dem Saugschlauchlasso herbeiziehen und dann erst mit einem atomkraftwerkstauglichen Schalter außer Betrieb setzen müssen.

Euer Ergebener muss feststellen, dass er dies heute noch genauso macht, obgleich er mittlerweile einen akkubetriebenen Hightechsauger nutzt, zu dessen Abschaltung man nur den Finger vom Abzug nehmen müsste, weil Saugen hier quasi als Dauerfeuer funktioniert. Nimm das, Staubkorn! Brrrrtttt!

Damit sind wir bei der Verkehrsberuhigung, und damit, o urbane Lesehäschen, ist es so eine Sache. Nämlich so eine Sache, wie wenn du eine Schutzfolie aufs Handy klebst. Natürlich gelingt es dir fast, bis auf die eine kleine Luftblase. Und natürlich kannst du die Luftblase wegdrücken. Aber nicht so wie einen Anruf, sondern nur ein bisschen weiter. Mit Autos ist es anscheinend leider auch so. Wer sich das live anschauen will, macht einen Abstecher in den vierten Bezirk, holt sich vielleicht einen höchst empfehlenswerten Pistazienkrapfen von den 15 süßen Minuten, der mit der lästigen Dubaischokolade übrigens nichts zu tun hat, und vertieft sich in die Situation. Nämlich musste man bis vor Kurzem, wenn man von der Favoritenstraße zur Prinz-Eugen-Straße fahren wollte, den einen oder anderen Haken schlagen, weil alle Querstraßen irgendwo eine Einbahnstrecke in die Gegenrichtung aufwiesen. Viele dieser Haken endeten in der Belvederegasse, wo man immerhin sicher sein konnte, irgendwann in die Prinz-Eugen-Straße einbiegen zu können, weil sich dort eine Lichtzeichenanlage aka Ampel befindet.

Inzwischen wurde die Argentinierstraße aufwendig zu einer Fahrradstraße ausgebaut (wobei die Bepflanzung einen deutlich weniger spektakulären Eindruck vermittelt als in der einst dargebotenen Visualisierung), weshalb diverse Einbahnregelungen geändert wurden. Nunmehro können Autofahrer schnurgerade durch die Theresianumgasse zischen, allerdings nur bis zum bösen Erwachen, weil es am Ende nämlich keine Ampel gibt und die Prinz-Eugen-Straße je nach Tageszeit ein langer, ruhiger Fluss ist. Der Rückstau ist zeitweise beachtlich, man kann also von einem durchschlagenden Erfolg dieser Verkehrsbelebungsmaßnahme sprechen.

Offen bleibt aber die Frage, wo die zuständigen Planer ihren Finger hatten, als ihnen das geglückt ist. Wahrscheinlich am Staubsauger.

Schönes Wochenende!

Freitag, 22. November 2024

Trinkfest

 

Kürzlich, o gesellschaftlich gewandte Lesehäschen, kam die Frage auf, mit wem man eventuell zumindest ein Bier aushalten könnte. Als Testfälle wurden Herbert Kickl genannt – definitiv nein – sowie Hazeh Strache. Bei dem könnte sich ein Bier ausgehen, wenn auch eine Bahnfahrt von Wien nach Salzburg in einem jener ÖBB-Abteilwagen, deren Polster den kalten Rauch der 1990er bis zur Verschrottung nicht mehr loswerden, dann doch zu lang wäre.

Dabei wurde zunächst nicht festgehalten, welche Gebindegröße gegebenenfalls anzupeilen wäre. Im konkreten Vergleichsfall ist das eh wurscht, weil Strache sicherlich krügltauglich ist, während mit Kickl ein Pfiff schon zu viel wäre.  

Da politisch ja eh schon alles zu spät ist (zumindest bis Ende der Legislaturperiode), ist es sicher kein Fehler, sich vorher zu überlegen, wer zechtechnisch satisfaktionsfähig ist und wer nicht. Man weiß ja nie. Weil wir gerade dabei sind: Fällt nur eurem Ergebenen auf, dass das blutrünstige Wort „satisfaktionsfähig“ allmählich lit zu werden scheint, zumindest im deutschen Großfeuilleton? Es weht einen sonderbar an, wenn ausgewiesene Intellektuelle einen Begriff verwenden, der einst jemanden bezeichnete, mit dem dich zu duellieren nicht unter deiner Würde gewesen wäre, um Mitintellektuelle zu etikettieren, mit denen sich eine Diskussion auszahlte.

Hier nun erste und keinesfalls vollständige Überlegungen zum Thema, mangels persönlicher Bekanntschaft hochspekulativ, aber besser als nix.

Karl Nehammer: ein Seidl vielleicht

Katharina Nehammer: was da ist, da nehmen wir uns an der Cobra ein Beispiel.

Andreas Babler: nur gemeinsam mit Hans Peter Doskozil.

Werner Kogler: ähem.

Alexander van der Bellen: eher ein Achtel oder zwei, dazwischen geht man gemeinsam vor die Tür und schnorrt einen Tschick von ihm.

Wolfgang Sobotka: Charakterlich Gefestigte gehen ihm aus dem Weg, Impulsivere setzen sich mit ihm an einem Tisch. Sobald die Getränke serviert werden, gießen sie ihm  das eine über den Kopf, das andere in den Schritt.

Matthias Strolz: Lieber nicht.

Beate Meinl-Reisinger: ein Spritzer, wenn sie Zeit hat.

Olaf Scholz: zwei Red Bull und bisschen MDMA.

Donald Trump: um Himmels willen.

Prost und schönes Wochenende!

Freitag, 15. November 2024

Sesselpicker

 

Manchmal, o leistungsbereite Lesehäschen, fragt man sich ja schon, wo man die falsche Abzweigung genommen hat. Dies zum Beispiel, wenn man sich den anscheinend unaufhaltsamen Aufstieg des Georg Dornauer anschaut. Da haben wir noch gar nicht davon geredet, dass er offenbar nichts dabei findet, sich als gestandener Sozialdemokrat mit einer ebenso gestandenen Postfaschistin fotografieren zu lassen, die in einem ausschließlich Pin-up-tauglichen Badeanzug ihre Brüste herzeigt. Um etwaigen Sexismusvorwürfen zu begegnen: Es ist für einen SPÖler gleich unangebracht, sich mit einem Mussoliniverehrer wie mit einer Mussoliniverehrin im Beachoutfit ablichten zu lassen. Nicht die Brüste lassen den Sozialismus unglaubwürdig wirken, sondern das pseudoglamouröse Umfeld des perfekten Strandurlaubs. Dass das einen Dornauer nicht kümmert, war aber schon klar, als er sich ein Waffenverbot abholte, indem er seine Flinte nicht etwa in einem geleasten Skoda oder meinetwegen Audi, sondern in einem Porsche liegen ließ.

Für alle, denen so etwas passieren könnte, hier eine zweifellos unvollständige Liste möglicher Fehler für aufstrebende Sozis und wie man sie vermeidet.

Erstens geht man nicht mit einem Immobilienhallodri jagen, der die größte Pleite der zweiten Republik auf dem Gewissen hat und es sich aber immer noch gutgehen lässt, weil er seine Schäfchen rechtzeitig ins Trockene gebracht hat. Dies gilt generell, aber ganz besonders, wenn gegen einen ein Waffenverbot besteht.

Wenn man zweitens doch mit besagtem Hallodri auf die Jagd geht, lässt man sich dabei nicht fotografieren.

Wenn man sich drittens doch fotografieren lässt, dann nicht mit dem toten Hirschen und am Hut dem Beutebruch, den jenes Mitglied einer Jagdgesellschaft sich ansteckt, der das Wild erlegt hat. Denn – Spoiler! – das könnte den Verdacht wecken, dass man eventuell doch trotz bestehenden Verbots eine Waffe ergriffen hat.

Wenn man viertens bescheuert genug war, um gegen die ersten drei Punkte zu verstoßen, hat man immer noch die Chance, nicht die dümmste Verteidigung aller Zeiten zu bringen, nämlich: „Das war nicht mein Hut.“ Türstehern ist diese faule Ausrede für eine Ausrede von Drogenbesitzern bekannt, in der Version „das ist nicht meine Hose“.

Wenn man aber entweder ein derart hoffnungsloser Volltrottel oder ein derart ausgeschämter Beutegreifer ist, dass man das alles trotzdem tut, dann bleibt dir nur noch eines: Du machst mit eingezogenem Schwanz den Abgang ins Privatleben – na Schmäh. Natürlich nicht ins Privatleben, sondern in den Tiroler Landtag, der genauso unnedig ist wie alle Landtage und wo man als Abgeordneter genau wie in den anderen Landtagen 7.500 Euro im Monat bezieht.

Für die Zukunft lässt das Schlimmes ahnen. Denn solange wir es uns leisten können, einen derartigen – wie meine Großmutter gesagt hätte – Rotzlöffel nicht etwa durchzufüttern, sondern in die obersten eineinhalb Einkommensprozent zu katapultieren, geht es uns offenbar bei Weitem noch nicht schlecht genug.

Schönes Wochenende!

Freitag, 8. November 2024

Macksen

 

Nun ist es also raus, o enttäuschte, wenn auch nicht überraschte Lesehäschen. Das Trumpeltier ist wieder da. Vergleiche mit Diktatoren der Vergangenheit sind überzogen. Zwar hatte auch Hitler mit Alkohol nix am Hut (stattdessen pfiff er sich reichlich Meth rein). Aber soweit bekannt, hat Trump, anders als Hitler, noch beide Hoden. Zum Thema Alkohol ist festzuhalten: Altbürgermeister Häupl zählte es bekanntlich zu seinen beruflichen Aufgaben, nie ohne Spritzerglas gesichtet zu werden. Trump seinerseits soll dem kolumbianischen Nasenleckerli nicht abgeneigt sein. Wer sich erinnert, wie angenehm es war, von einem Freund des Sprühweins regiert zu werden, kann von einer Koksokratie nichts Gutes hoffen. Dass den USA eine solche bevorsteht, ergibt sich zumindest aus der Expertise der seligen Carrie Fisher. Diese twitterte einst nach einer TV-Debatte, während welcher Trump ständig die Nase hochzog, auf die Frage, ob das vielleicht vom Koksen komme: „I’m an expert & ABSOLUTELY.“

Wer jemals Wall Street gesehen hat, den wird es kaum überraschen, dass der Donald, sehr im Unterschied zu seinem Entenhausener Namensvetter, dieser Macherdroge etwas abgewinnen könnte. Dass es sich um eine solche handelt, bezeugt auch die Sprache: „Koksen“ ist, soweit euer Ergebener das ausmachen kann, das einzige Verb, das die Konsumation einer Substanz bedeutet und unmittelbar vom entsprechenden Substantiv abgeleitet ist. Man schnitzelt nicht, man biert nicht, man tabakt nicht, man heroint nicht.

Aber koksen, das kann man.

Man kann zwar weinen, schnapsen oder reisen, aber mit solchen Flachheiten brauchen wir uns nicht aufzuhalten. Auch suppen tun nur schlecht verheilende Wunden. Früher konnte man – einzige Ausnahme – auch „haschen“, und zwar nicht, wenn die Kinder einander nachliefen, sondern wenn man einen Ofen anheizte, einen Joint rauchte, kiffte oder sonstwas. Doch hat „haschen“ erhellenderweise den Sprachgebrauch verlassen, als in der öffentlichen Wahrnehmung die Trennschärfe zwischen unterschiedlichen Drogen hinreichend gestiegen war. Wer also kokst, der ist schon mittendrin im Tun. Gleich danach ist man wahrscheinlich bereit, Deals auszuhandeln, einen Handelskrieg vom Zaun zu brechen und Klimaschutzmaßnahmen rückgängig zu machen. Aus dieser Perspektive leuchtet es auch ein, dass viele Küstenstaaten sich für die Demokraten entschieden haben: Wenn das Meer vor der Haustür ist, überlegt man es sich vielleicht zweimal, ob das Wahlversprechen „let’s fuck the planet and see if it fucks back“ wirklich verlockend klingt. In Louisiana, Florida oder den Carolinas bleibt der Mut zum Risiko hingegen ungebrochen.

Schönes Wochenende!


Freitag, 25. Oktober 2024

Versorgt

 

Morgen, o Lesehäschen, beseelt von Patriotismus mit Augenmaß, ist Nationalfeiertag, was immer das heißen mag. Wenn man seinen Augen trauen darf, feiern wir hier weltmeisterliches Betonieren, kurzsichtige Fremdenfeindlichkeit und die Sorte Neutralität, die sich darauf verlässt, dass sich schon jemand anderer darum kümmern werde. Also alles wie immer, nur mit Kickl. Hier stellt sich vor allem die Frage, was die bessere Verballhornung für den Namen des Vielleicht-doch-nicht-gleich-Volkskanzlers sei: Neigt ihr zum Kicklchen, das zwar interessant kontrastreiche Assoziationen zum Meerschwein- und Eichhörnchen (besonders letzterem!) weckt, uns aber im Schriftbild eine geradezu bäurisch unelegante Aneinanderreihung von fünf Konsonanten aufs Auge drückt?

Oder greifen wir doch lieber zum Kickerl, das österreichische Herablassung ohne unerwünschte Niedlichkeit bietet, allerdings die Vorarlberger außen vor lässt und irgendwie nach freundschaftlicher Fußballpartie klingt?

Ich bin sicher, die Zeit wird es weisen.

Apropos „Zeit“ und „bäurisch“: Die ZEIT hat einen norddeutschen Bauern ein Jahr lang begleitet, um die Sorgen und Nöte des vielgeplagten Standes aus erster Hand zu erfahren. Dazu zählt zum Beispiel der drohende Verlust des Dieselsteuervorteils, der den Armen im Jahr um die 20.000 Euro kosten würde. Da empfindet man gleich festes Mitleid. Allerdings nur, bis man gelesen hat, dass der gute Mann allein mit seinem Hofladen 400.000 Euro Umsatz macht. Ein österreichischer ADEG-Kaufmann hat gut dreimal soviel, muss aber vom Ertrag leben, bewirtschaftet nicht außerdem 150 Hektar Land und bekommt keine 160.000 Euro EU-Förderung.

Dann liest man weiter, dass unser Bauer natürlich auch in Berlin war, um an den dortigen Protesten teilzunehmen. Und bald bekommt die Tatsache, dass Landwirte gerade noch 1 % der deutschen Bevölkerung ausmachen, einen ganz neuen Beigeschmack. Man muss sich schließlich wehren, wenn es dem kleinen, aber fleißigen Landmann politisch an den Kragen zu gehen droht. Denkt man, liest aber in einem Nebensatz, dass der kleine Landmann „mit einem Kumpel“ nicht etwa bei seiner Tante auf dem Sofa genächtigt hat und auch nicht in einem AirBnB im Wedding. Wer auf das Mercure oder so tippt, liegt auch daneben. Nein: Man kommt nicht alle Tage nach Berlin und gönnt sich auch sonst nix. Da darf es schon das Adlon sein.

Mein lieber Scholli, wie man zumindest früher in Deutschland gesagt hat, zu den Zeiten, als man auch gern Witzchen über „Kreditkartenpunks“ riss, d.h. Leute, die gern mit aufgestelltem Bunthaar auf der Straße abhingen, aber doch das Sicherheitsnetz eines international willkommenen Zahlungsmittels nicht missen wollten. Doch während man dem Kreditkartenpunk jugendliche Unbedachtheit zugute halten konnte, ist der Adlonwutbauer eine unerfreuliche Mischung aus der Gewissheit, dass einem das alles eh zusteht und der mitleidigen Herablassung, dass man jetzt doch nicht einfach von heute auf morgen alles ändern kann, wie soll denn das gehen?

Tja, und so wurschteln wir weiter, im 67. Jahr der Gemeinsamen Agrarpolitik. Schönes Wochenende!

Freitag, 18. Oktober 2024

Es liegt was in der Luft

 

Gewählt hätten wir ja nun, o möglicherweise enttäuschte Lesehäschen. Nunmehro wird darüber geschrieben, ob die FPÖ hauptsächlich aus Protest gewählt wurde oder ob wir, van der Bellen zum Trotz, doch eben so sind.

Ich glaube, es liegt am Geruch. Falls ihr es nämlich nicht bemerkt habt: Wir werden seit Jahren schleichend, aber flächendeckend olfaktorisch zugemüllt. Einst gab es an vorsätzlicher Beduftung das Damenparfum (eventuell zuviel davon, sonst okay), das Rasierwasser (eh bald verflogen) und den Wunderbaum (lasset uns schweigen).

Inzwischen gibt es außerdem das Fahrzeugparfum (in teuren Autos: die Beduftungsautomatik), den Raumduft, das Hundeparfum, den Wäscheduft für jene Schleimhautverätzten, denen das normale Waschmittel noch nicht genug stinkt, und weißdergeierwasnochalles.

Bis eben noch konnte man sich von dieser nasalen Übermächtigung eine Auszeit nehmen, indem man sich schneuzte. Doch diese Zeiten gehen zu Ende. Auf dem Enthaarungssektor hat man für ein ähnlich gelagertes Problem noch Optionen: Wenn das Zweckdichterbalg „Bic-Rasierer ohne Schleim“ auf den Einkaufszettel schreibt, dann kann man tatsächlich Einwegrasierer ohne diesen komischen Gleitstreifen kaufen. Was man nicht mehr bekommt, und zwar weder bei Billa noch bei Bipa, sind No-name-Papiertaschentücher ohne Duft. Dort hat man nur noch die Wahl zwischen den überteuerten Softi-/Tempo-/Feh-Rotzfetzen und der Diskontschiene, die einem die Rezeptoren mit Aloe, Blutorange oder sonstwas „Wohltuendem“ verpickt. So wird man dem Spar in die Arme getrieben, der noch „Lovely“ im Regal hat.

Klar, dass unsere Wahrnehmung dadurch verzerrt wird. Wenn man immer eine pinke Brille trägt, schaut das Gras anders aus. Und wenn man sich ständig Mentholduft reinpfeift, glaubt man auch irgendwann, das gehöre so. Was auch nichts Neues ist: Düfte treffen uns direkt ins Gemüt, weil die Nasenschleimhaut ja praktisch eine Erweiterung des Gehirns ist, oder so ähnlich, bitte fragen Sie Ihren Arzt (wird dieser Hinweis eigentlich inzwischen gegendert?).

Es liegt also auf der Hand, dass wir (also nicht ich, aber irgendjemand war es offensichtlich) die FPÖ gewählt haben, weil uns etwas ins Hirn gefahren ist, weil wir wiederum bei Rewe eingekauft haben.

Nun gilt es das Riechorgan einmal kräftig durchzuputzen, wofür sich ein wenigstens vorübergehender Nebenjob als Furzwegschnüffler empfiehlt. Ich kann mir vorstellen, dass sich gerade bei der FPÖ da Möglichkeiten auftun.

Schönes Wochenende!


Freitag, 11. Oktober 2024

Lebensräume

 

Willkommen zurück, o treue Lesehäschen! Die Pause war lang und reich an Erfahrungen. Zum Beispiel an jener Erfahrung, dass es in Los Angeles (und nur dort) die Supermarktkette Erewhon gibt, die erstens schweineteuer ist und dir zweitens keineswegs verspricht, dass die Sachen sonderlich köstlich seien. Vielmehr seien sie sonderlich gut für dich, was man dem Obst und Gemüse schon daran ansieht, dass die Gurken, Bananen undsoweiter aufgereiht strammstehen wie die Zinnsoldaten, sodass sich vor dem inneren Auge des Betrachters ein Berg verrottender Feldfrüchte erhebt, die leider nicht entsprochen haben. Ebenfalls sehr gut ist wahrscheinlich hydrogenated water, also mit Wasserstoff angereichertes Wasser, also wässrigeres Wasser. Noch besser ist gewiss der spanische Schinken, vorgeschnitten und eingeschweißt, dessen Kilopreis sich bei ungefähr 1.000 Euro einpendelt. Im Vergleich zu Tortillachips für 100 Euro kann man das billig oder teuer finden.

Die Zielgruppe sind, wir haben es schon angedeutet, nicht etwa Gourmets (blöd wären sie), sondern Influencer und Hipster mit mehr Kohle als Verstand.

Weit preisgünstiger als Shoppen mit Gspritzten, nämlich um die Leihgebühr der Ausrüstung zu haben, ist Schnorcheln mit Seelöwen. Solches findet ein Stück weiter statt, nämlich bei San Diego. Dortselbst gibt es eine Bucht, in der sich die Seelöwen gerne aufhalten. Ebenso wie die Hipster lassen sie den Neugierigen ganz nah an sich herankommen. Man vermutet, das liege – auch dies wie bei den Hipstern – daran, dass die Seelöwen genau wissen, wer sich in ihrem natürlichen Habitat flinker zu bewegen vermag. Anders als jene sind die Seelöwen aber in diesem Wissen umso entspannter, während viele Hipster etwas verbissen wirken auf ihrer Suche nach Produkten, die ihr Befinden weiter optimieren könnten.

Was sonst noch auffällt: Raymond Chandler hielt schon vor bald 80 Jahren fest, dass die Tür der einzige Teil eines kalifornischen Hauses sei, durch den man nicht den Fuß kriegt. Diese geringe Haltbarkeit ist mittelfristig für das Auge von großem Vorteil, denn die überwältigende Mehrheit der Behausungen ist hässlich. Es gibt hässlich in billig (mit Autowracks davor) und in teuer (mit automatischem Tor davor) sowie natürlich auch dazwischen (mit Zufahrt ohne Autowrack davor). Hässlich sind sie aber fast alle. Das durchschnittliche niederösterreichische Eigenheim wirkt im Vergleich dazu wie ein Riedelglas, das durchschnittliche Vorarlberger Eigenheim wie van Goghs „Sonnenblumen“. Man kennt die Bezeichnung McMansion für einigermaßen luxuriöse, aber ästhetisch nebbiche Anwesen (auch bekannt als starter castle). Und man kann beinahe ein bisschen Mitleid mit all den Berühmtheiten bekommen, die zweistellige Millionenbeträge für Palästchen anlegen, die genauso augenkrebsgefährlich sind, aber halt mehr davon.

Lasset uns also frohlocken ob dessen, was wir haben. Auch nach der Wahl.

Schönes Wochenende!